![]() |
![]() |
![]() |
|||||||
| Filmschule | Aktuell | Community | Seminare | ||||||
|
|
Interview mit Regisseur Bastian Günther und Cutter Olad Tischbier
Wir trafen den Regisseur und den Cutter von Autopiloten in Berlin und
sprachen über den Film von der ersten Idee bis zur Premiere auf der
Berlinale.
Das ist dein
erster Langfilm. Und gleich auf der Berlinale, war das zu erwarten? Bastian: Zu Erwarten war es nicht, dass wäre etwas zu
vermessen gewesen. Wir hatten schon ein bisschen Hoffnung, dass wir
Chancen haben dort zu laufen. Ende November haben wir einen Rohschnitt
eingeschickt und Ende Dezember kam dann eine Zusage. Aber das war jetzt
nicht zu Erwarten. Bastian: Ein Episodenfilm ist es, aber ich würde nicht sagen
dass es ein Roadmovie ist. Bastian: Alle verbindet diese innere Unruhe. Die Figuren sind
einfach unstet, rastlos, haben sich selbst über die Jahre hinweg einen
Erwartungsdruck aufgebaut und laufen einem Wunschbild hinterher. Das ist
eigentlich bei allen vier Figuren so. Bastian: Ich glaube anders ist das auch gar nicht möglich.
Wenn man ein Drehbuch für einen Episodenfilm schreibt und dann direkt mit
den Verschränkungen, den Verzahnungen der einzelnen Episoden anfängt,
dann verzettelt man sich und verliert irgendwann den Überblick. Wichtig
war es erst mal die Figuren und deren Geschichten richtig zu entwickeln,
bis das gestimmt hat. Erst wenn die Episoden fertig geschrieben waren,
habe ich angefangen sie zu verschachteln. Die Versuchung pfiffige Übergänge
und Begegnungen bei einem Episodenfilm aufzubauen ist natürlich immer groß,
aber darüber hinaus vergisst man leicht seine Figuren zu entwickeln.
Deshalb habe ich jede Figur und jede Episode einzeln entwickelt und erst
im Nachhinein verschränkt. Bastian: Wir hatten meistens wenige Einstellungen für eine Szene. Und gerade beim Episodenfilm sollte man sich nie darauf verlassen im Schnitt Sachen lösen zu können oder zu sehen wann ein Sprung in eine andere Szene möglich ist. Das muss schon alles vorher im Drehbuch klar sein. Bis auf zwei Szenen, sind alle Szenen im Schnitt mit dem Drehbuch identisch. Anders wäre das auch verantwortungslos. Olaf: In
diesem Fall liegt es auch daran, dass der Film innerhalb von 24 Stunden
spielt. Und dadurch hat man gar nicht so große Möglichkeiten, weil sonst
der Ablauf durcheinander geraten könnte.
Mit langen
Einstellungen zu drehen ist für Schauspieler oft schwieriger, dabei müssen
sie mehr auf Timing und andere Faktoren achten. Empfandest du es selbst
auch als problematischer? Bastian: Ich würde nicht sagen, dass es für Schauspieler schwieriger ist. Ich glaube für Schauspieler ist es besser, denen macht es mehr Spaß in langen Einstellungen zu arbeiten. Und selbst wenn wir Pick Ups drehen, was selten vorkommt, lass ich trotzdem fast die gesamte Szene spielen. Ich finde es wichtig, dass Schauspieler immer die Szene durchspielen und man nicht kurze Stücke einfach herausnimmt. Die meisten Schauspieler sind dankbar wenn man so arbeitet. Olaf: Als
Schauspieler ist man auch ein wenig freier. Wenn man eine Szene hoch auflöst
heißt das für den Schauspieler, dass er immer gleich spielen muss, sonst
kann man die Szene nicht schneiden. Wenn ich eine Plansequenz habe, kann
der Schauspieler diese ganz unterschiedlich spielen. Da muss ich nur am
Ende entscheiden welche Einstellung ich verwende. Bastian: Wir machen normalerweise relativ wenig Takes. In diesem Film haben wir auch Szenen gehabt die mussten neun oder zehnmal gedreht werden. In der Regel ist es so, dass wir zwischen drei und fünf Takes nehmen. Wobei die ersten beiden meistens die Besten sind. Die nächsten Guten würden wahrscheinlich erst ab Take 40 kommen, wenn der Schauspieler so erschöpft ist dass er irgendwie alles fallen lässt. Aber…..Was hattest du noch mal gefragt? Olaf: Die Probe. Bastian: Ach,
die Probe! Vor dem Filmdreh an sich wird das Drehbuch nicht geprobt. Das
machen wir immer am Drehtag selbst, da proben wir wirklich nur die Szene
die gedreht wird. Ich sage auch nicht den Leuten was sie machen sollen, es
gibt zwar dieses Drehbuch, und es gibt die Dialogzeilen, aber die
funktionieren mehr als eine art Halt. Wie eine Liane im Dschungel von der
man sich von einer zur nächsten schwingt, aber im Grunde ist es eine
Zusammenarbeit und man probiert solange daran herum durch Improvisation
bis die Szene so homogen funktioniert, dass sie uns gefällt. Dann gibt es
eine Stellprobe mit dem Kameramann und es wird sofort gedreht. Dadurch
bekommt es so was Frisches. Bastian: Klar, vorher haben wir viele Gespräche über die
Rolle, das Thema, auch einzelne Szenen, Sinn der Szene, Wirkung auf die
Figur. Es wird alles sehr viel besprochen. Zum Teil entwickeln auch die
Schauspieler etwas. Vom ersten Treatment bis zur Berlinale sind es jetzt
genau zwei Jahre. Also ging relativ schnell. Olaf: Ich
hab schon bei den Drehzeiten angefangen, allerdings mit Assistententätigkeiten
und dann haben wir beide zwei Monate daran geschnitten. Olaf: Den Ton angeben und so weiter. Ich hatte keinen Assistenten und habe das selber gemacht. Bastian: Aber
es war schon so, dass Olaf parallel zum Dreh das Material vom Vortag
bekommt und die Szenen auch schon mal schneidet. Auch um zu sehen, ob
alles funktioniert und schneidbar ist. Während dem Dreh hat er mir immer
DVD’s mit den geschnittenen Szenen geschickt, manchmal roh manchmal
schon feiner, damit ich sehen konnte ob alles funktioniert, so wie wir uns
das vorstellen. Als ich nach dem Dreh in den Schneideraum kam, gab es
eigentlich schon einen Rohschnitt. Bastian: Ich schreib gerade an einem anderen Stoff. Aber das
ist noch ganz am Anfang in der Treatmentphase. Bis da Olaf ins Spiel kommt
wird das noch dauern. Das geht nicht so schnell.
Wenn man als
Regisseur und als Cutter gut miteinander zusammenarbeitet, bleibt man dann
bei den nächsten Projekten zusammen oder entscheidet sich das von Projekt
zu Projekt? Olaf: (lacht) Da bin ich aber auch mal neugierig! Bastian:
(lacht) Olaf, geh doch mal raus. Grundsätzlich ist es so, dass ich gerne mit Leuten
weiter zusammenarbeite. Mit Olaf war es jetzt der dritte Film. Mit Michael
Kotschi, dem Kameramann, der vierte Film den wir zusammen machen. Martin,
Producer und Produktionsleiter, hat in der DFFB all meine Filme betreut.
Almut Stier, Verantwortliche für die Kostüme, war jetzt schon zum
zweiten Mal dabei. Charly und Harald Koch, die beiden Schauspieler sind
auch schon öfter dabei gewesen. Ich finde es gut einen festen Kern von
Leuten zu haben, die miteinander arbeiten, weil man sich so zusammen
weiter entwickelt. Als Olaf den ersten Film von mir geschnitten hat, war
er ein bisschen darüber erstaunt als ich gesagt habe, er soll die
Einstellungen länger stehen lassen und noch länger stehen lassen. Es hat
erst einmal Zeit gebraucht bis er sich daran gewöhnt hat, wie der
Rhythmus in meinem Film ist. Warum sollte man dann nach drei Filmen sagen,
jetzt wo es funktioniert hole ich mir einen neuen Cutter. Olaf: Ich
war auf einer Kameraassistentenschule und wir mussten auch selbst
schneiden. Da habe ich festgestellt, dass mir das ganz gut liegt. Also
habe ich mich damit weiter beschäftigt. Olaf: Nein.
Aber meine persönliche Meinung ist auch, die reine Technik zu begreifen
ist nicht so schwierig für einen Cutter. Mittlerweile hat man auf jedem
neugekauften Computer ein Schnittprogramm. Man muss sich dann eher damit
beschäftigen wie man den Film schneidet. Bastian: Lehramt war eher eine Notlösung, ich wollte schon
nach dem ABI gerne auf eine Filmhochschule. Mir war aber klar dass dies
keinen Sinn macht. Wenn du mit 21 oder 20 Jahren nach dem Zivildienst auf
die Filmhochschule gehst, was willst du da erzählen. Da kannst du einen
Film über deinen Zivildienst machen oder über deine Schulzeit. Ich finde
es sehr wichtig, dass du nicht mit 22 an eine Filmhochschule gehst,
sondern erst einmal ein paar Jahre irgendwas machst, ein bisschen was
erlebst oder sonst was. Ich dachte auch, ich habe überhaupt keine Chance
wenn ich mich jetzt direkt nach der Schule da bewerbe. Ich wusste nicht
wie Film funktioniert, wie man eine Szene dreht, wie man das schneidet!
Wie macht man einen Film! Das wusste ich ja nicht! Man muss erst einmal
Filme sehen, Bücher lesen, ausprobieren. Das braucht auch Zeit, sich das
selbst beizubringen. Zumindest soweit beizubringen, dass man einen
Bewerbungsfilm drehen kann der Chancen hat. Irgendwann hab ich das
Lehramtsstudium abgebrochen, weil es öde war. Und dann hab ich mich
beworben. Bastian: Ich konnte mir da einiges abschauen. Und es war eine
sehr gute Erfahrung die Assistenz beim Christian zu machen, weil er im
Grunde sehr ruhig arbeitet und die Arbeit am Set nicht hektisch ist.
Genauso ist es bei uns auch. Es geht auch so, dass man ruhig und
konzentriert arbeitet, ohne dass man als Regisseur immer die Riesenansagen
machen muss, oder man ständig Hektik verbreitet. Bastian: Das Thema interessiert mich. Einsamkeit,
Wunschbilder, innere Unruhe. Das sind Themen die seit ein paar Jahren sehr
präsent bei uns sind. Gerade im Mittelstand wo die materiellen
Sicherheiten eigentlich vorhanden sind und man im Grunde einigermaßen
entspannt sein könnte. Aber diese Reize die von außen kommen und die
Wunschbilder denen man nachjagt, das sind schon fast Luxusprobleme. Das
finde ich sehr interessant. Bastian: Das Schöne ist, dass jede Arbeit anders ist.
Drehbuchschreiben ist: man steht morgens auf, irgendwann fängt man an zu
schreiben, irgendwann hört man wieder auf. Es ist alles relativ frei.
Dann kommt die Arbeit am Set, dort ist man manchmal Extremsituationen
ausgesetzt oder muss auch mal länger arbeiten. Wobei wir jetzt nie 14
Stunden drehen, wir versuchen immer 10 Stunden und danach ist Schluss.
Alles was länger ist bringt dann auch nicht mehr viel. Und zum Schnitt
gehst du wie ins Büro, morgens um zehn hin und abends um sechs gehst du
wieder. Bastian: Die Vorstellungen auf der Berlinale sind jetzt
vorbei. Am 11. März läuft er auf der lit.Cologne, eine Literaturmesse
die zum ersten Mal ein kleines Filmprogramm mit einem Werkstattgespräch
machen, vom Drehbuch zum fertigen Film nennt sich das. |
![]() |
||||
|
|||||||||||||||