
Geschichte der Filme im Internet
Was heute selbstverständlich ist, gestreamte Filme an nahezu jedem Ort, war in den ersten Jahren noch recht beschwerlich. Längst gestalten gestreamte Programme die Medienwelt erheblich um: Filme bzw. TV-Programme werden über ein weltweites Netz verbreitet, die Zuschauer wählen, was sie wann anschauen möchten, das lineare Fernsehen wirkt da wie ein Auslaufmodell. Doch das war nicht immer so. Ein kleiner Rückblick auf die Anfänge der bewegten Bilder per Datenleitungen...
Versuche, Videos über das Internet zu übertragen, gab es schon Anfang der 1990er Jahre. Damals war die Technik der Datenverbindungen jedoch extrem langsam. Bewegte Bilder konnten nur in sehr kleiner Auflösung, mit wenigen Bildern pro Sekunde und oft stark komprimiert übertragen werden. Damals waren vor allem Modems oder ISDN-Verbindungen üblich, kurze Videoclips mussten meist minutenlang geladen werden. Eines der zahlreichen Nadelöhre auf dem Weg zu Internet-TV waren also lange die Übertragungsbandbreiten. Die Verbreitung von DSL- Zugängen hat inzwischen fast alle Internet-Haushalte erfasst. Allerdings sind die maximal möglichen Übertragungsraten sehr relativ. Oft begrenzen die Programmanbieter bereits die Geschwindigkeit, um ihre Leistungsfähigkeit möglichst viele Datenstreams bereit stellen zu können, nicht zu gefährden.
Datenschmelze
Um die zu bewältigende Datenmenge Internet-gerecht zu reduzieren, wurden verschiedene Techniken angewandt:
- Reduktion der Auflösung: Je weniger Pixel (Bildpunkte) gespeichert werden, desto unschärfer, aber auch platzsparender wird das Bild
- Reduktion der Bildwechselfrequenz: Die Anzahl der Bilder pro Sekunde wurde in den ersten Jahren reduziert, um weiteren Platz einzusparen. Besonders Webcams, die mit 5 bis 1 Bildern pro Sekunde oder noch weniger die Datenflut begrenzten, arbeiteten damit. Film kann man das allerdings kaum noch nennen.
- Kompression der Bildinformationen: Es gibt zahlreiche Algorithmen (Codecs), die mehr oder weniger erfolgreich versuchen, Bildinformationen, die das menschliche Auge nicht oder kaum wahrnimmt, wegzulassen, um so die Datenmenge weiter zu reduzieren. Wer glaubt, dass mit HD, 2K, 4K, 8K usw. immer mehr Daten durch die Kabel wandern, der täuscht sich, vor allem die Datenkompressionen werden effizienter. Allerdings ist das Dekodieren effizienterer Codecs meist rechenintensiver. Man braucht schnellere Prozessoren.

Download-Techniken
Daneben fanden auch verschiedene Techniken Anwendung, um den Datenverbrauch so niedrig wie möglich zu halten. In der Anfangszeit hatten Videostreams eher Briefmarkenformat. Eine Möglichkeit war und ist, dass der Benutzer Videodateien downloadet, z.B. als MPEG-1, MPEG-2 oder MPEG-4 oder in den verbreiteten AVI- oder QuickTime-Formaten. Diese Videos konnten– einmal gedownloadet - mithilfe von Software-Playern von der Festplatte beliebig oft wieder abgespielt werden.
Wo sich vor einigen Jahren noch durch die relativ geringe Übertragungsgeschwindigkeit winzige Datenmengen quälten und trotz starker Datenkompression nur qualitativ schlechte Bilder möglich waren, sind heute Programme in HD, 2K und 4K Sendequalität und H.264 / H.265 etc. zu sehen.
Kompressionsverfahren
Mit dem Aufkommen schnellerer Internetverbindungen entstanden bereits in den frühen 2000er Jahren zahlreiche Projekte, die speziell für das Web produzierte Serien, Kurzfilme oder Videoinhalte verbreiten wollten. Gleichzeitig integrierten nahezu alle Hersteller nichtlinearer Schnittsysteme moderne Kompressionsverfahren direkt in ihre Software, um Filme effizient für Internet, Streaming oder mobile Geräte exportieren zu können.
Die Entwicklung leistungsfähiger Codecs wie MPEG-4, H.264/AVC, später H.265/HEVC oder AV1 machte es möglich, selbst hochauflösende Filme mit vergleichsweise geringen Datenraten zu übertragen. Dadurch stieg nicht nur die Bildqualität, sondern auch die praktische Nutzbarkeit von Streaming-Angeboten erheblich.
Parallel dazu investierten Streaming-Anbieter und Rechteinhaber große Summen in Technologien zum Schutz ihrer Inhalte. Ziel war es, unerlaubte Kopien zu verhindern und Filme möglichst nur innerhalb kontrollierter Plattformen zugänglich zu machen. Dazu gehören Verschlüsselungsverfahren, DRM-Systeme (Digital Rights Management), Wasserzeichen-Technologien oder geschützte Streaming-Protokolle.
Allerdings zeigte sich über die Jahre immer wieder, dass technische Schutzmaßnahmen selten dauerhaft unangreifbar bleiben. Wie schon in den Anfangszeiten digitaler Medien fanden Nutzer und Hacker regelmäßig Wege, Sicherheitsmechanismen zu umgehen oder Inhalte dennoch lokal zu speichern. Der Wettlauf zwischen Kopierschutz und dessen Umgehung begleitet die Medienindustrie bis heute.
Gleichzeitig stehen Rechteinhaber vor einem grundsätzlichen Spannungsfeld: Einerseits sollen Filme, Serien oder Musik möglichst komfortabel und plattformübergreifend nutzbar sein, andererseits möchte man unkontrollierte Vervielfältigung begrenzen. Vollständig „sichere“ Kopierschutzsysteme gelten deshalb bis heute als kaum realisierbar. Stattdessen versucht die Branche, durch technische Hürden, komfortable legale Angebote und schnelle Verfügbarkeit die Zahl unerlaubter Kopien möglichst gering zu halten.
Media-Streaming
Die bisherige Lösung hierfür hieß Streaming Video, oder auch Media-Streaming. Das ist die gleichzeitige Übertragung von Video, Ton und Daten in einem gleichmäßigen Datenstrom, der von einem Server abgegeben und beim User abgespielt wird.
Man unterscheidet hier “Progressive Streaming“ und “Realtime Streaming“. Beim Progressive Streaming werden zunächst Daten auf den Computer downgeloaded. Ab einer bestimmten Datenmenge als Puffer beginnt der Player, das Video abzuspielen. Durch die zeitliche Verzögerung kann man nur Videos auf diese Weise übertragen, Life- Übertragungen sind nicht möglich.
Beim Realtime Streaming haben wir es mit einer Übertragung in Echtzeit zu tun, ohne Vorlauf und Puffer. Hier sind die Ansprüche an den Übertragungsweg höher. ADSL und TDSL sind hier angesagt. Dann sind auch Life-Events (Konzerte, Ereignisse etc.) übertragbar.
Wichtig hierfür sind vor allem Breitband-Netze und hochwertige Kompressionsverfahren, welche die Datenmengen reduzieren, ohne die Qualität sichtbar oder hörbar leiden zu lassen.
Der von der Moving Pictures Expert Group entwickelte MPEG-4-Standard ist ein Kompressions- und Übertragungs-Verfahren, das Multimedia, besonders aber Video, durch Netze auch geringer Bandbreite schicken soll, aber gleichzeitig auch für künftige Breitband-Anwendungen geeignet ist. Erreicht wird dies, indem die Datenmenge variabel ist. Ein Film etwa kann also, abhängig vom empfangenden Netz, in unterschiedlichen Bandbreiten übertragen werden. Eine zukunftssichere Strategie, der auch andere Hersteller, wie z. B. Real Technologies, durch Eigenentwicklungen Rechnung tragen.
Streaming-Pioniere
Der britische Sender Channel 4 sendet seit Ende Juni 2006 sein tägliches Programm auch via Internet, zunächst allerdings nur die Eigenproduktionen und nicht etwaige Serien, die angekauft wurden. Während wir alle die großen Streaming-Anbieter wie Amazon Prime, Netflix etc. kennen, weil sie sich am Markt durchgesetzt haben waren viele Streaming-Pioniere der ersten Stunde weit weniger erfolgreich und fristen teilweise ein Nischendasein. Hier ein Überblick über die frühen Anbieter.
Site vom Bruder (John-David) des Titanic-Regisseurs James Cameron.
Der britische Sender Channel 4 sendet seit Ende Juni 2006 sein tägliches Programm an Eigenproduktionen zusätzlich via Internet.
MyVideo startet in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit rund 60 Filmen in voller Länge, die durch Werbung unterbrochen werden.
Kinofilme mit Werbeeinblendungen zu Beginn und anschließend etwa alle zehn Minuten.
Werbefinanziertes Streaming-Angebot mit ähnlicher Titelauswahl wie MSN Video oder MyVideo.
Internet-Fernsehen mit diversen frei empfangbaren TV-Programmen für Nutzer ohne klassischen Fernseher.
Neben kostenpflichtigen Angeboten existiert auch ein Gratisbereich mit älteren oder weniger bekannten Filmen, ergänzt durch Werbung und teilweise Making-ofs.
Die Produktionsfirma Brainpool veröffentlicht hier eigene TV-Produktionen wie „Stromberg“, „Pastewka“ oder „TV Total“.
Schwerpunkt auf Filmklassikern, historischen Interviews und Werbespots. Insgesamt stehen mehrere Tausend Titel zur Verfügung.
Der offizielle Filmkanal präsentiert vorwiegend ältere Spielfilme. Auffällig ist der vergleichsweise hohe Anteil an FSK-18-Titeln.
Einige wenige, eher unbekannte Filme werden kostenlos angeboten. Titel mit höheren Altersfreigaben sind erst ab 22 Uhr verfügbar.
Gratisangebot mit über 50 Filmen. Auch für kostenlose Inhalte ist eine Registrierung nötig.
Die Sender stellen in ihren Mediatheken zahlreiche Eigenproduktionen kostenlos bereit.
Anfangs günstiger Pay-TV- und Streamingdienst über das Internet. Inzwischen der MArktführer.
Umfangreiches Angebot mit über 12.000 Titeln, darunter zahlreiche US-Serien und Spielfilme.
Telekom-Angebot mit über 15.000 verfügbaren Titeln für Entertain-Kunden.
Streamingdienst mit Tausenden Filmen, vorwiegend Archiv- und Katalogtiteln.
Player
Nicht immer waren die von den Betriebssystem-Herstellern mitgelieferten Player, in der Lage, die Codecs abzuspielen. Diese machten das „Streaming“ erst möglich. Das bedeutete nichts anderes, als dass die Videodateien nicht mehr vollständig heruntergeladen werden mussten, und man bereits während der Übertragung die Inhalte anschauen konnte. Aussetzer, ruckelnde Bilder und schlechte Tonqualität waren allerdings in der Anfangszeit die Regel.
- RealVideo
- Microsoft Media Player
- Als besonders vielseitig und zudem offen in der Struktur galt der M-Player, den man kostenlos downloaden konnte.
- Noch leistungsfähiger und ebenfalls frei ist der VLC Media-Player.
- Wenn ein Film nicht abgespielt werden konnte, halfen Programme, herauszufinden, welcher Codec fehlt und wo man ihn beschaffen kann. Zu empfehlen ist GSpot. Ebenfalls sehr mächtig und vielseitig: FFDShow.
Erfolg konnte teuer werden
Wer über das Web Streaming-Angebote vertrieb, bekam ziemlich rasch ein weiteres Problem des frühen Internets zu spüren: Jeder Kunde stellt eine neue Internet-Verbindung zum Server dar, wenn also 500 Kunden einen Film anschauen, müssen 500 einzelne Verbindungen einzelner Rechner zum Server über das Internet hergestellt werden. Während dies für reine Textseiten noch handhabbar war, entstand bei Video und Audiodaten ein für die ersten Jahre doch erheblicher Datenstrom. Damit das funktionierte muss kostspielige Hardware eingekauft und / oder beim Provider für den entsprechenden "Traffic" kräftig bezahlt werden.
Neues Protokoll, neue Möglichkeiten
Ein besonderes Problem der frühen Film- und Videoübertragung über das Internet lag in der technischen Grundlage des Netzes selbst. Das ursprüngliche Internetprotokoll TCP/IP, dessen Entwicklung bereits in den 1970er Jahren begann, war vor allem für den Austausch kleiner Datenmengen wie Texte, Dateien oder E-Mails gedacht – nicht für die kontinuierliche Übertragung von Bild und Ton in Echtzeit. Daten wurden deshalb in viele kleine Pakete zerlegt und unabhängig voneinander durch das Netz geschickt. Dabei konnten sie unterschiedliche Wege nehmen und in unterschiedlicher Reihenfolge beim Empfänger ankommen. Dieses Verhalten kennt man auch vom langsamen Aufbau früher Webseiten: Oft erschien zuerst der Text, während Bilder oder Grafiken erst Sekunden später geladen wurden.
Für Audio- und Videostreams war dieses Verfahren problematisch. Filme benötigen einen gleichmäßigen, zeitlich exakt abgestimmten Datenfluss. Trafen Datenpakete verspätet oder in falscher Reihenfolge ein, kam es zu den typischen Problemen der frühen Streaming-Jahre: ruckelnde Bilder, Aussetzer, Stottern oder lange Ladezeiten. Mit dem rasanten Wachstum des Internets entstanden deshalb neue Verfahren, um Streaming-Inhalte effizienter zu übertragen. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Einführung moderner Netzwerkstandards wie IPv6. Neben der enormen Erweiterung des Adressraums ermöglichte IPv6 auch eine intelligentere Priorisierung bestimmter Datenströme. Router konnten dadurch besser erkennen, welche Daten zeitkritisch waren – etwa Audio- oder Videopakete – und diese bevorzugt weiterleiten.
Parallel verbesserten sich Kompressionsverfahren, Zwischenspeichertechniken („Buffering“), Content-Delivery-Netzwerke (CDNs) und die verfügbaren Bandbreiten erheblich. Erst das Zusammenspiel all dieser Entwicklungen machte zuverlässiges Video-Streaming in hoher Qualität möglich und ebnete Plattformen wie YouTube, Netflix oder modernen Live-Streams den Weg zum weltweiten Durchbruch.

