Maske, um den Studiohintergrund verschwinden zu lassen

 

Maskentricks sind keine wirklich neue Erfindung. In Zeiten des Schwarzweiß-Films waren sie auch nicht leichter als heute zu verwirklichen. Sie hatten schon damals den Sinn, mehrere Filmeinstellungen miteinander durch nachträgliche Doppelbelichtung zu verbinden. Das aufwändigste Verfahren war das "Traveling Matte Verfahren", eine bewegliche Maske. Beweglich bedeutet, dass die Maske nicht statisch bei jedem Filmbild gleich ist, sondern sich in jedem Filmbild, entsprechend den Bewegungen der Schauspieler, etwas verändert. Man hat in der Frühzeit des Films solche Masken sogar per Hand mit Pinsel und Farbe hergestellt, eine unglaubliche Arbeit, die dennoch sehr unpräzise war. Genauer funktionierte später das Erstellen von Masken per Strichfilm, einem auch in der Drucktechnik verwendeten Filmmaterial, welches nur Schwarz oder Weiß (transparent) kennt. Das erste Traveling-Matte-Verfahren wurde bereits Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts von Frank Williams entwickelt und verwendete als Key einen schwarzen Hintergrund. Der Hintergrund (ein schwarzer Vorhang z. B.) war damit gleichzeitig die schwarze, lichtundurchlässige Maske für den hinzufügbaren Hintergrund. Logischerweise konnte man bei Schwarzweißfilm die Masken nur über Helligkeitswerte erstellen.

 

James Whales 1933er Verfilmung von H. G. Wells Science-Fiction Story THE INVISIBLE MAN arbeitete bereits vorbildlich mit Traveling Matte und verknüpfte bis zu vier Einstellungen miteinander.

 

Zwei Masken braucht der Film

 

Für den Filmtrick, der optisch im Kopierwerk an der optischen Bank hergestellt wird, werden aus dem eigentlichen Key-Motiv zwei Masken hergestellt. Einerseits wird die Maske benötigt, um in dem Bildmotiv B, in welches man den Schauspieler einfügen möchte, eine entsprechende freie Zone zu erzeugen. Dafür wird auf hart arbeitendem Strichfilm eine Silhouette des Schauspielers erzeugt, die schwarz und lichtdicht ist (Matte). Sie sorgt dafür, dass auf dem Negativmaterial, auf welches man die beiden Einstellungen als Kombination belichtet, das Negativ dort, wo der Schauspieler sein soll, unbelichtet bleibt. Bei diesem ersten Kopiervorgang entsteht also eine Aufnahme des Hintergrundbildes B mit einer schwarzen Silhouette des Schauspielers.

 

Dann wird das Negativ in der Trickkamera der optischen Bank wieder zum Anfang der Einstellung zurückgefahren. Ein zweiter Kopierdurchgang mit einer anderen Maske beginnt. Andererseits ist die Aufgabe der Maske ja auch, bei der Aufnahme des Schauspielers A all das, was Hintergrund, also Keyfarbe ist, abzudecken. Diese Maske ist in den Bildteilen, auf denen der Schauspieler ist, transparent, überall wo Hintergrund ist, schwarz und lichtdicht (Reverse Matte). Sie sorgt dafür, dass beim Kopieren auf das Negativmaterial dort, wo der neue Hintergrund B sein soll, das Negativ unbelichtet bleibt. Man kopiert also auf das Negativ im zweiten Durchgang ein Bild des Darstellers, bei dem der Hintergrund schwarz ist.

 

Die Güte dieser Kombination ist abhängig von der Auflösung und dem präzisen Bildstand, deshalb ist 35 mm Voraussetzung für eine akzeptable Maske, 16 oder gar Super 8 sind dafür nicht geeignet. Fantasy- und Stop-Motion-Pionier Ray Harryhausen kombinierte in seinen Arbeiten ("Jason und die Argonauten", 1963, "Sindbads siebente Reise", 1958), ganze Miniaturkulissen mit realen Schauspielern durch Traveling-Matte-Tricks. Zu dieser Zeit arbeitete Hollywood vorzugsweise noch mit den viel simpleren Rückprojektionen. Disney-Mitarbeiter Ub Iverks entwickelte das Sodium Traveling-Matte-Verfahren, um Trickfiguren und Realszenen zu verbinden. Für den ersten Einsatz in "Mary Poppins" gewann er 1965 den Oscar. Bereits 1963 wurde er für seine Kombination der Vogelaufnahmen in Hitchcocks „Die Vögel“ für den Oscar nominiert.

 

Key als Schlüssel zur Maske

 

Keying ist erst mit der Welt der elektronischen Bildbearbeitung erst richtig bedeutsam geworden in Form des Chroma-Keying, des Erstellens einer Maske durch Herausfiltern einer Farbe. Hauptaufgabe des Keying ist es, eine Person, Tier oder ein Objekt vom Hintergrund zu isolieren. Eine bestimmte Farbe (z. B. Grün oder Blau) wird durch Subtraktion aus dem gesamten abgebildeten Farbspektrum transparent, also unsichtbar gemacht.

 

Ähnlich der Vorgehensweise beim Film, gibt es auch in der digitalen Bearbeitung eine Foreground- und eine Background Maske, bei der die Person einmal als Silhouette in einem ansonsten transparenten Bild und einmal als Transparenz in einer schwarzen Maske erstellt wird. Längst kennen die Farbmasken nicht nur zwei Zustände (Maske oder Transparenz) mit ihrem harten, oft verräterischen, Kanten sondern auch Zwischenwerte, bei denen die Transparenz variiert werden kann. So sind weichere, realistischere Übergänge machbar. Bezogen auf die Maske selbst sind die Transparenzwerte Graustufen innerhalb der Maske. Insbesondere die Kanten der Masken können auf vielfältige Weise durch "Weichzeichnung" auch nach Innen für bestmögliche Kombination mit dem neuen Hintergrund optimiert werden.

 

Man kann auch andere Kriterien als die Farbe verwenden, um Masken zu erstellen, zum Beispiel einen Helligkeitswert. Das Verfahren nennt sich Luma-Keying und ist im Prinzip ein moderner Nachfolger der ersten „Traveling Mattes“ vor schwarzen Vorhängen. Schwarze Hintergründe sind denn auch die häufigsten Key-Werte für diese seltener verwendete Variante zur Erstellung von Masken.

 

Wie bereits bei den Masken-Verfahren auf Film, stellen auch bei der elektronischen bzw. digitalen Maskierung die Details, die feinen Strukturen an den Rändern der Maske die größte Herausforderung dar. Die Rechenkünste des Keyers müssen auch zwischen feinsten Strukturen, etwa einzelnen Haaren und dem Hintergrund differenzieren können. Auch durchsichtige Objekte, wie etwa Gläser stellen Schwierigkeitsgrade dar. Einerseits sollen sie klar vom Key-Hintergrund getrennt werden, andererseits sollen sie später das neue Hintergrundmotiv auch teilweise durchscheinen lassen. Reflektionen der Keyfarbe auf Objekten (glänzende Metalle etc.) werden von der Software oft als Keyfarbe identifiziert und führen zu ungewollter Transparenz. Hier muss häufig von Hand nachgearbeitet werden.

 

Garbage Key

 

Nicht jeder hat ein riesiges Studio zur Verfügung, bei dem eine ganze Mauer samt Hohlkehle und Boden in der Keyfarbe Blau oder Grün gestrichen ist. Doch wenn man eine oder mehrere Personen in einer Totalen zeigen möchte, benötigt man ja um die Personen herum jede Menge Hintergrundfläche, die in der Keyfarbe gehalten ist. Wie also löst man das Problem, wenn man vielleicht nur eine Garage, ein gespanntes Textil im Garten oder eine gestrichene Wand im Keller zur Verfügung hat? Die Lösung lautet "Garbage Key".

 

 

 

Gemeint ist damit eine zusätzliche Maske, meist geometrisch, aber ggf. auch frei formbar, die in jedem Fall größer sein muss als die Keymaske, die man erstellen will. Mit der kann man bestimmte Teile des Bildes grundsätzlich deckend oder transparent (je nach Bedarf) machen. Das bedeutet, man teilt dem Keying-Programm mit, einen Teil des Bildes, in dem man etwa keinen Key-Hintergrund hatte (Garten, Garagenwand etc.) so zu behandeln, als wäre dort ebenfalls die Key-Farbe vorhanden gewesen. Auf diese Weise werden auch unerwünschte Bestandteile des Bildes unsichtbar. Das können etwa Aufhängungen, Gerüste etc. sein, an denen ein Schauspieler (für "Superman"-Flugaufnahmen) angehängt ist, Bühnenkisten, auf denen er steht, Effektgeräte wie Nebel oder Windmaschinen, und vieles andere mehr. Auf diese Weise muss der Hintergrund in Key-Farbe gar nicht groß sein, im schlimmsten Fall kann er auch mit dem sich bewegenden Schauspieler herumgetragen werden.