Ansteck-Mikros

Wahl des Mikros

Ein Tonmeister am Set verfügt über mehrere Mikrofontypen und setzt sie auf unterschiedlichste Weise ein. Häufig genug gibt es Situationen, in denen man das klassische Filmton-Mikrofon (Kondensator mit Keulencharakteristik) weder verstecken (mit Klemmstativ hinter Requisiten oder im Blumenstrauß), noch an der Angel außerhalb des Bildausschnitts nah genug an die Schauspieler bringen kann. Deshalb wählt man neben den klassischen Kondensator-Mikrofonen an der Tonangel kleine Ansteck-Mikrofone, die man gut an oder unter der Kleidung verstecken kann. Damit die unterschiedlich erzielten Aufnahmen sich beim Schnitt dennoch gut zusammenfügen und keine Störgeräusche entstehen, sind einige Feinheiten zu beachten.

 

Ansteck-Mikrofone

Schublade, aus der Zeitungsauschnitte quillen

Nicht nur im Interview-Bereich und bei Talkshows, auch beim Spielfilm erfreuen sich die kleinen, gut versteckbaren Ansteck-Mikros, auch Clip-on oder Lavaliere genannt, wachsender Beliebtheit. Auch wenn die Mikrofonpositionierung mit der Angel die ideale Lösung darstellt, sind Ansteckmikrofone in vielen Situationen nicht mehr wegzudenken. Besonders in Totalen, aber auch bei Aufnahmen, in denen die Schauspieler lange Gänge haben oder etwa reiten, helfen die kleinen unscheinbaren Mikrofone weiter.

 

Technisch kann man diese Mikrofone sowohl dynamisch (ohne Stromversorgung) als auch als Kondensatortyp realisieren. Allerdings lassen sich letztere besser miniaturisieren und sind deshalb am weitesten verbreitet. Frühe dynamische Lavalieres waren hühnereigroß und wurden an einer Schnur um den Hals gehängt. Das ist zum Glück Geschichte und man verwendet die kleinen Kondensator-Typen. Ihre Stromversorgung beziehen sie aus kleinen Knopfzellen, die sich in einem Gehäuse am Kabel befinden, per Kabel-Phantomspeisung oder aus dem Funksender.

 

Anschluss und Position

Zweimal Ansteck-Mikros: Außen auf der Jacke sichtbar und unter dem Kragen versteckt

Zweimal Ansteck-Mikros: Außen auf der Jacke sichtbar und unter dem Kragen versteckt

Zunächst einmal kann man sie – wie jedes herkömmliche Mikrofon – per Kabel an das Aufnahmegerät anschließen. Dazu wird das Kabel unter der Kleidung der Schauspieler hindurchgeführt. Das bedeutet aber eingeschränkten Bewegungsradius und der Boden mit dem Kabel darf von der Kamera nicht gezeigt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, dem Schauspieler einen Mini-Rekorder (z. B. DAT oder Mini-Nagra) mitzugeben, auf den der Ton direkt aufgezeichnet wird. Eleganter sind da Sender, mit denen man drahtlos das Tonsignal zum Aufnahmegerät übertragen kann.

 

In den zahllosen TV-Talkshows kommen ganze Batterien von Ansteckmikrofonen und Sendern zum Einsatz, die einzige Rettung wenn alle durcheinanderreden, für die hörenden Zuschauer allerdings nicht immer sehr vergnüglich.

 

Sie werden, um die Sprache gut aufnehmen zu können, in der Nähe des Mundes platziert, am Kragen, aber auch im Haar. Dazu dienen kleine Klemmhalter, die das Mikro sicher halten. Da sich diese Miniatur-Mikrofone damit meist im Bildfeld der Kamera befinden, gibt es unterschiedliche Verfahren, sie zu kaschieren. Meist werden kleine Schaum-Windschutze mitgeliefert, die es für unterschiedliche Kleidung in verschiedenen Farben gibt. Man kann sie auch unter (nicht zu dickem) Stoff verbergen; manche Tonleute befestigen sie auch mit Modelliermasse (Bostik) direkt auf der Haut.

 

Störgeräusche

Ansteck-Mikrofone sollten nicht in der Nähe von Schmuck oder Knöpfen angebracht werden. Wenn sich die Person bewegt, kann es dadurch zu starken Störgeräuschen kommen. Ein ungefährer Abstand von 30 cm vom Mund gilt als Empfehlung; mehr als ein halber Meter sollte es keinesfalls sein. Ist bereits klar, dass der Schauspieler in der Szene den Kopf zum Sprechen wendet, sollte dies bei der Positionierung der Mikrofons berücksichtigt werden.

 

Ein großes Problem ist der Körperschall. Bewegen sich die Schauspieler, so knackt und raschelt es häufig durch die Reibung der Kleidung: Der Ton wird gestört. Moderne Mikros arbeiten neuerdings mit einem so genannten Doppelmembran-System, bei dem das Nutzsignal (Sprache, Gesang etc.) sich addiert, die Störgeräusche aber subtrahieren und damit verschwinden.

 

Tiefe Frequenzen

Wenn das Mikro in der Nähe des Brustkorbs befestigt ist, so werden die tieferen Frequenzen überbetont, weil der menschliche Brustraum, über dem die Ansteck-Mikrofone befestigt werden, als Resonanzkörper fungiert. Tiefe Frequenzen werden zudem übertrieben aufgenommen, wenn ein Mikrofon sehr nah am Schallereignis ist. Aus diesem Grunde sind Ansteck-Mikrofone bereits so optimiert, dass sie die tiefen Frequenzen bewusst schwächer abbilden. Sie haben quasi einen eingebauten Low-Cut-Filter, also vom Frequenzgang her im Bereich der Tiefen eine bewusste Unterempfindlichkeit. Auf diese Weise ist der Aufwand in der Mischung nicht mehr hoch, die Lavaliere-Aufnahmen klanglich an geangelte Aufnahmen mit einem Mikro mit Keulen- oder Nierencharakteristik anzugleichen. Aus diesem Umstand ergibt sich jedoch auch, dass man Ansteck-Mikros nicht zum Angeln oder zur Aufnahme vom Mikrofonstativ verwenden sollte. Denn dann fehlen einfach zu viele tiefe Frequenzen.

 

Verwandte der Lavaliere-Mikrofone sind in den immer beliebter werdenden Headsets zu finden. Auch hier ist die Wiedergabe der tiefen Frequenzen angepasst.