Francesco Rosi

Interview mit Francesco Rosi

Francesco Rosi

Francesco Rosi

Im Rahmen des Münchner Filmfestes 2001 hatte wir das Glück, einige Fragen an Francesco Rosi richten zu können. Rosi entpuppte sich trotz des Rummels um seine Person als äußerst sympatischer Gesprächspartner. Die interessantesten Ausschnitte dieses Interviews finden Sie als Audio-Stream bei den Antworten. Mehr Informationen zu ihm haben wir in einem kurzen Lebenslauf zusammengestellt.

 

Francesco Rosi

Interview

 

Was erwarten Sie von den künftigen Filmgenerationen? Wenn Sie etwas erwarten...

Rosi: Ich hoffe, dass sie dieses äußerst kraftvolle Kommunikationsmittel, den Film, zur Darstellung der Wirklichkeit, der Probleme der Gesellschaft, des Verhältnisses zwischen Mensch und Gesellschaft und aller Ansprüche des menschlichen Daseins nützen werden. Ich sage, dass Film das stärkste Kommunikationsmittel ist, weil Film das Zeugnis der Wirklichkeit mit Poesie verbindet. Allein mit Poesie, denke ich, kann ein Film um die ganze Welt gehen, um verschiedene Sprachen und verschiedene Lebensweisen zu vermitteln.

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Denken Sie, dass Spezial-Effekte und die neuen Technologien die Wirklichkeit darstellen können?

Rosi: Ich denke, dass es genug Platz für verschiedene Arten von Film gibt. Ich mag Filme mit Spezial-Effekten nicht, ich mag keine Horrorfilme, Ich mag die neue Art, Zeichentrickfilme zu machen, nicht. Aber das ist vielleicht mein Problem. Ich bevorzuge Filme, die im Verhältnis mit der Wirklichkeit stehen, aber Spezial-Effekte können uns die Möglichkeit geben, großes Kino zu machen. Warum sollte man nicht auf einen Weg warten, etwas Großartiges auszudrücken? Etwas Großartiges kann sich in jede Richtung entwickeln.

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Welche Fehler sollten junge Regisseure heutzutage vermeiden?

Rosi: Filme machen, nur um Geld zu verdienen.

 

Warum sind Sie Regisseur geworden? Wann wussten Sie, dass Sie Regisseur werden würden?

Rosi: Ich war sehr, sehr jung. Ich war beeindruckt von der Leidenschaft meines Vaters für Film und Fotografie. Ich denke, ich hatte nie vor, etwas anderes zu machen.

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Francesco Rosi
Francesco Rosi

Wieso gibt es so wenige deutsch-italienische Koproduktionen heutzutage?

Rosi:Das ist eine Frage, die mich sehr interessiert. Genauso ist es mit Frankreich und Spanien. Die Mehrzahl meiner Filme sind Koproduktionen mit Frankreich oder mit Spanien. Ich habe viel mit französischen und

spanischen Schauspielern gearbeitet. Ich denke, dass Europa einen großen Fehler macht, wenn es die Entwicklung von Koproduktionen nicht ausweitet. Ich denke, es ist sehr, sehr, sehr wichtig und ich denke, es wäre auch sehr wichtig für junge Schauspieler, zu lernen, in mehreren europäischen Sprachen zu spielen. Italienische Schauspieler machen das, weil viele von ihnen, wenn sie Filme in Frankreich drehen, Französisch sprechen. Bei französischen Schauspielern ist das nicht der Fall. Als professioneller Schauspieler haben sie keine Schwierigkeiten, auf Deutsch zu spielen, selbst wenn sie kein Deutsch können. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Meryl Streep hat einen Film in Polen gemacht, aber sie hat nie Polnisch gelernt. Sie hat Polnisch nur zum Spielen gelernt. Ich bin mir sicher, dass wenn ich ein Schauspieler wäre, wäre ich fähig, einen Film auf Englisch zu drehen, selbst mit meinem sehr schlechten Englisch. Ich muss den Text lernen, wenn ich ein Schauspieler bin, ein professioneller Schauspieler, dann habe ich mit Sicherheit die Möglichkeit zu lernen. Das gilt ebenso auf Deutsch, auf Französisch, auf Spanisch. Es ist eine Frage des Willens.

 

Warum gibt es also so wenige? Francesco Rosi

Rosi: Das ist eine Frage, die Sie mir nicht stellen dürfen. Ich denke, wir haben sehr viele Probleme zu lösen, um in Europa eine Einheit zu erlangen. Eines dieser zu lösenden Probleme, ist, denke ich, der kulturelle Austausch zwischen den verschiedenen Ländern. Mein Eindruck ist nämlich, dass es derzeit zwei erstrangige, wirtschaftliche Gegebenheiten in Europa gibt: Deutschland und Frankreich. Wir brauchen aber ein Maximum an Austausch und Kommunikation zwischen den verschiedenen Ländern und Staaten, denn die wirkliche Einheit braucht Kommunikation. Die Koproduktionen von Filmen ist eine dieser Notwendigkeiten.

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Was macht einen guten Film aus? Genügt es einfach die Wirklichkeit darzustellen, oder ist es mehr? Braucht ein Film eine Seele?

Rosi: Ein Film benötigt eine gute Geschichte mit Herz und Verstand. Verstand und Herz. Das ist Kunst. Die Kunst. Der künstlerische Weg ist einen Film mit Herz und Verstand zu machen – meiner Meinung nach, meiner Meinung nach...

Das Interview führte Julie Kreuzer