Schneidetische

Die Legende

Steenbeck 6-Teller Tisch für 16 mm. Eingelegt werden können: 1 Film und 2 Perfobänder

Steenbeck-6-Teller-Tisch für 16 mm; eingelegt werden können: ein Film und zwei Perfobänder

Wohl in den meisten europäischen Schneideräumen stehen oder standen zumindest Schneidetische der Firma Steenbeck, Hamburg. Sie haben Filmgeschichte ermöglicht und sind selbst zu Legenden geworden. Das mechanische Know-how des hanseatischen Herstellers war so groß, dass alle Versuche konkurrierender Anbieter wie Kem/Keller oder sogar Arri keine großen Chancen am Markt hatten.

 

An Zuverlässigkeit und Robustheit kaum zu überbieten, waren sie das Werkzeug schlechthin in der Postproduktion. Es gab sie als reine Bildbetrachter mit zwei Tellern, als Schneidetische mit vier und sechs Tellern oder sogar mit acht Tellern um auf zwei Bildschirmen parallel Szenen synchron bearbeiten zu können, eine Kunst die heute jedes professionelle Schnittprogramm spielend beherrscht. Die Schneidetische gab es für S8 mm, 16 mm, Super 16 mm und 35 mm, einige waren sogar zwischen 16 und 35 mm wandelbar. Später gab es Bildkästen, bei denen man mit Schiebern das Bildformat verändern konnte. Zu einem Bildlaufwerk mit Prisma und Zahnkranz gab es meistens noch ein oder zwei Tonlaufwerke für den synchronen Schnitt von Perfotonband, sogenanntem Magnetfilm. Links unterhalb der Tische waren Verstärkereinschübe mit denen man den Ton der Tonlaufwerke in der Lautstärke zum Abhören regeln und auch klanglich einstellen konnte. Rechts gab es Schalter mit denen man die Bildlampe, den Ton, aber auch ggf. Magnetrandspur oder Lichhton von einer Filmkopie abspielen konnte. Die letzten Generationen von Steenbecks hatten auch Bildzähler, Timecode und Synchronverkopplung etwa mit Perfolaufwerken.

 

Das Rollensystem – das Herz des Schneidetischs

Das Rollensystem – das Herz des Schneidetischs

Heute sind in alle Schneideräume nonlineare Schnittsysteme (Computer) eingezogen, die gegenüber dem Schneidetisch den Vorzug haben, verschiedene Schnittfassungen parallel anzubieten und mit weniger Material im Schneideraum (keine Filmdosen, Muster, Perfobänder) auszukommen. Aber was das Gefühl für die Bilder, die Darstellung und Beurteilung der Filmqualität und den Rhythmus angeht – an die Güte eines Schneidetisches kann keines der heutigen Computer-Schnittplatz-Systeme heranreichen.

 

Doch schon in der Zeit, in der noch auf den Steenbeck Schneidetischen gearbeitet wurde, kam die Firma mehr und mehr in finanzielle Schwierigkeiten. Mit ein Grund dafür war, man mag es kaum glauben, die hohe Zuverlässigkeit und Robustheit der Schneidetische. Wer einen hatte, musste im Prinzip keinen neuen mehr kaufen und irgendwann war der Markt einfach gesättigt. Zudem hat Steenbeck die Entwicklung hin zum Computerschnittplatz nicht wirklich mitvollzogen, es blieb bei wenigen, im Markt vergleichsweise überteuerten Versuchen, den Schnitt digital werden zu lassen.

 

Für Seminaristen:
Wie man einlegt, wo die Synchronpunkte sind, und weshalb man welche benötigt etc. erfahren Sie im Online-Seminar.