Archivieren

Digitale Archivierung

Filmrollen

Archivieren will gekonnt sein

Während man sich auch heute notfalls noch Filmkopien anschauen kann, die vor 90 und mehr Jahren belichtet wurden, steht es um die Archivierbarkeit von digitalen Aufnahmen deutlich schlechter. Zwar verspricht die digitale Speicherung die Möglichkeit, im Gegensatz zur analogen (bei der bei jedem Kopiervorgang Qualität verloren geht) verlustfreie qualitätsvolle Kopien herzustellen, doch das nur, wenn die digitalen Informationen auch lesbar bleiben. Hier nämlich beginnt das eigentliche Problem.

 

Zunächst einmal sind die Bildinformationen, die in jedem einzelnen Filmbild schlummern bereits erheblich, wenn man eine  mit 35mm vergleichbare Auflösung und Farbtiefe zugrunde legt und zweitens steht es um die Lagerfähigkeit von digitalen Speichermedien nicht wirklich gut.

Ein wenig erinnert das an das gute alte Papier,- während alte Dokumente, deren Papier noch Anteile von Textilfaser enthielten und die nicht hochweiß gebleicht waren, auch nach Jahrhunderten noch halten, sind die modernen Papiere dank ihres Säuregehaltes nur ein paar Jahrzehnte haltbar.

 

Pseudo-Lösung mit Festplatten

Videobänder

Wie archivfähig sind Video-Aufnahmen?

Betrachtet man das Thema vordergründig, so scheinen die gefallenen Festplattenpreise und wachsenden Speichermengen zunächst einmal eine bezahlbare Archivierung möglich zu machen. Um die gefürchteten Totalausfälle von Festplatten abzufedern, setzt man auf Raid Systeme, die stets eine identische Kopie der Daten auf einer weiteren Festplatte ablegen.

 

Viele Produktionen sind dazu übergegangen, die Filmprojektdaten nach erfolgter Abnahme des Filmes in der Weise zu archivieren, dass sie die Festplatten aus dem Raid-Gehäuse ausbauen und in einem sicheren Schrank einlagern.

 

Doch diese Sicherheit ist trügerisch. Einerseits nimmt die Magnetisierung auf den dünnen Magnetscheiben in den Festplatten kontinuierlich ab, sodass bereits nach 5-8 Jahren Daten unlesbar werden können. Hier müsste also alle 4-5 Jahre auf neue Platten umkopiert werden, denn die Lebensdauer einer Festplatte liegt bei typischen drei bis 10 Jahren.

 

Was aber noch viel schwerer wiegt,- die Antriebe für die Scheiben in den Festplatten neigen dazu, wenn diese nicht in Betrieb sind, nicht mehr sauber zu rotieren. Verwendete Schmiermittel werden harzig und die Daten können, selbst wenn sie noch sauber auf den Scheiben vorhanden sind, nicht mehr gelesen werden. Das kann schon nach ein,- bis zwei Jahren Lagerung der Fall sein.

 

Also ist die Einlagerung von Festplatten keine wirkliche Möglichkeit. Aber die Festplatten alle in riesigen Raid-Systemen angeschlossen lassen, damit sie weiter rotieren können, ist auch keine Alternative.

 

Optische Speichermedien

Festplatte

Festplatten sind alles andere als zuverlässige Archivare

Optische Datenträger wie die Professional Disk von Sony (teuer) oder aber die Blu-Ray sind da schon Erfolgversprechender. Während die Professional Disk sich gut geschützt in einer Cartridge befindet, ist die Blu-Ray praktisch nackt,- Kratzer, Fingerabdrücke, das Beschriften mit Filzstiften,- all das kann die Daten gefährden. Hier muss man nach dem "rohen Ei" Prinzip äußerst sorgfältig vorgehen und die Blu-Rays staub und lichtgeschützt aufbewahren.

 

Doch es macht viel Mühe, große Projekte auf die 25 oder 50 GB großen optischen Speicher zu verteilen. Hier macht es doppelt Sinn, die eigenen Schnittdaten auszudünnen, Überflüssiges wegzulöschen. Doch wer hat im rauen Produktionsalltag schon die Zeit, solche Aufräumaktionen durchzuführen? Die Industrie ist den Anwendern bis heute ein adäquates zuverlässiges Archivierungssystem schuldig geblieben.

 

Digitale Master sollten auf jeden Fall in Einzelbildern (z.B. JPEG2000) (als Intermediate Access Package zusammen mit Metadaten) gespeichert werden, also ohne Komprimierung über mehrere Bilder hinweg (wie bei MPEG etc.) Bei der digitalen Speicherung scheinen momentan optische Disks am wenigsten unsicher zu sein. Diese vorsichtige Formulierung deutet schon an, dass man von absoluter Sicherheit Meilen entfernt ist.

 

Ungeklärt ist auch, inwieweit sich derart gelagerte digitale Daten angesichts der schnellen Versionensprünge von Software, Codecs und Lesegeräten in Jahrzehnten überhaupt noch auslesen lassen. Versuchen Sie doch mal, die gar nicht so alten 5 1/4 oder 3 ½ Zoll Disketten die man in den 90ern noch verwendet hat, selbst auszulesen. Was wenn wir heute in Blu-Ray speichern und es in 15 Jahren gar keine Lesegeräte mehr gibt. Was wenn das eine Lesegerät, welches wir aufgehoben haben, nach 10 Jahren kaputt ist?

 

Zurück in die Zukunft

Internationale Großproduktionen werden übrigens, selbst wenn sie komplett digital gedreht wurden, zur Archivierung (damit man sie auch in den kommenden Jahrzehnten noch kommerziell verwerten kann) getrennt nach Farbauszügen, auf drei 35mm Schwarzweißfilme (sogenannte Separation Master) analog aus belichtet und so eingelagert.

 

Das Verfahren ist 80 Jahre alt, hieß Technicolor und war eines der ersten Farbfilmverfahren der Welt. Heute verwendet man dafür Schwarzweißfilme ohne organische Substanzen (wie früher z.B. Gelatine) wodurch diese Filme theoretisch Jahrhunderte lagerfähig bleiben sollen.

Und für besonders besorgte Seelen ist es dann noch sinnvoll, die archivierten Daten oder Filme doppelt vorzuhalten und an verschiedenen Orten aufzubewahren (falls es mal brennt.)

 

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