SNG

Satellite News Gathering

Satellitenschüssel

Satellitenschüssel

Seit der digitalen ISDN-Vernetzung sind live-Tonübertragungen in ordentlicher Qualität in erschwingliche Preisregionen gefallen. Auch ein Rückkanal für die Gegensprechverbindung zu Technik oder Redakteur/-in im Studio ist dabei kein Problem.

 

Bei Fernsehsignalen ist das etwas aufwändiger. Hochwertige TV-Signale transportiert man am besten über Glasfaser oder Satellit. In Deutschland etwa existieren in allen Großstädten zahlreiche Glasfaseranschaltpunkte. Glasfaser-Übertragung hat viele Vorteile, etwa die Unanfälligkeit gegenüber Störsignalen. Doch was tun, wenn kein Anschaltpunkt in der Nähe ist?

 

Satelliten-Übertragung

Eine besonders aktuelle und von der Örtlichkeit ungebundene Art der Informationsgewinnung nennt sich SNG (Satellite News Gathering). Ein aktuelles Team dreht weitab von der Fernsehstation und sendet entweder live oder das rasch geschnittene Material unmittelbar vor Ort (Uplink) per Satellit an den Heimatsender (Downlink).

 

Das Prinzip der Satelliten-Übertragung ist einfach: Ein starker Sender schickt über die angeschlossene Parabolantenne (Schüssel) die TV-Signale hoch zum Satelliten. Dieser verstärkt und demoduliert das Signal, um es auf einer anderen Frequenz in Kegelform (gerichtet) zum Empfänger zu senden. Der Bereich, in dem man das Signal dann auf der Erde empfangen kann, wird als „Footprint“, also Fußabdruck, des Satelliten bezeichnet. Geostationäre Satelliten schweben in 36.000 km Höhe. In dieser Höhe hat ein (Kommunikations-)Satellit bei korrekter Ausrichtung die selbe Winkelgeschwindigkeit wie die Erde, mit der Folge, dass er immer über der selben Stelle „schwebt“. Das erleichtert es, eine direkte Verbindung mit den Antennen auf der Erde zu halten.

 

Analog und digital

Wie auch in der Fernsehwelt, unterscheidet man bei der Satellitenübertragung analoge (SNG) und digitale  (dSNG) Übertragung. Die digitale Übertragung arbeitet fast immer mit datenreduzierten komprimierten Signalen. Das hat den Vorteil, dass man eine Frequenz nicht vollständig belegt, was den Preis für die Übertragung verringert. Wenn mehrere TV-Signale parallel übertragen werden sollen, kann die MCPC-Technik (Multiple Channel Per Carrier) zum Einsatz kommen, bei der bis zu 6 Fernsehsignale mit je 7,5 Megabit/Sek  gleichzeitig über einen Träger (=Trägerfrequenz) laufen.

 

Welche Übertragungsqualität im Endeffekt erreicht wird, hängt aber nur zum Teil von der verfügbaren Bandbreite bzw. Datenrate ab. Auch die Qualität der Funkstrecke, welche durch das Wetter (z. B. durch starken Regen, Graupel oder Schnee) empfindlich gestört werden kann, und der damit verbundene Störabstand des Signals sind wichtige Faktoren. Soll zudem von beweglichen Objekten, wie Flugzeugen oder Schiffen gesendet werden, müssen eventuell spezielle Sender angeschafft werden. So gibt es omnidirektionale Sender, die weniger gerichtet und dafür mit höherer Sendeleistung arbeiten.

 

Systeme

Auf alle Fälle muss das Signal vor dem Versand durch einen Sendeverstärker aufbereitet werden. Bei Bedarf wird das Signal vorher komprimiert (MPEG2 bei digitaler Übertragung). Dabei wird eine Datenreduktion und -kompression angewandt und die Fehlerkorrektur erzeugt. Bei der Datenreduktion werden übrigens, ähnlich wie beim jpg-Bild- oder beim mp3-Audioformat, Signalanteile die der Mensch kaum wahrnimmt aus dem Signal herausgerechnet, für die Datenkompression werden Redundanzen (Informations-Wiederholungen) nur einfach übertragen, indem bei Fernsehsignalen zum Beispiel nur die Bildinhalte übertragen werden, die sich gegenüber dem vorhergehenden Bild ändern.

 

Die kleinsten Einheiten, so genannte Fly-Away Anlagen, lassen sich in Flight-Cases praktisch überall hin transportieren. Die kleinsten von ihnen passen sogar ins Flugzeug-Handgepäck. Sie senden wegen der schwachen Sendeleistung ausschließlich komprimiert im so genannten Ku-Band zwischen 11 und 12 GHz. Die Parabolantennen lassen sich auf kleinen Stativen befestigen und präzise in Richtung des Übertragungssatelliten justieren. Die aktuelle Berichterstattung aus Krisengebieten arbeitet mit solchen kleinen Einheiten.

 

Kompakte Übertragungswagen bilden die nächstgrößere Stufe. Sie haben auf dem Autodach eine Satellitenantenne mit etwa 1-2 Meter Größe montiert. Passende Sendeverstärker funken mit 300-500 Watt, erlauben beispielsweise auch die unkomprimierte Signalübertragung und die Signale sind weniger störanfällig.

Noch größere Leistung erlauben Antennen mit fast 6 Quadratmetern Fläche, die etwa bei Großereignissen wie den Olympischen Spielen eingesetzt werden. Hier kommen häufig noch Satelliten im C-Band zum Einsatz. Diese arbeiten zwischen 3,7 und 4,2 GHz und von 5,9 bis 6,4 GHz. Das C-Band ist durch die niedrigere Trägerfrequenz unanfälliger gegen Störungen, erfordert aber große Sendeantennen. Die großen Fernsehübertragungen von Lkw aus werden meist auf diesem Band übertragen und sind damit auch bei Regenwetter störungssicher.