Ballonlicht

Licht aus der Luft...

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Wer schon einmal einen Heißluftballon bei seinem nächtlichen Flug beobachtet hat, denkt sogleich an die uralten Menschheitsträume von künstlichen Sonnen oder Monden. Zu den klassischen Scheinwerfern und Beleuchtungsarten beim Film sind in den letzten Jahren einige neuartige Instrumente hinzugekommen, die das Leben am Set sehr erleichtern können. Weiße Ballone als künstliche Sonnen erobern mehr und mehr die Filmsets, aber auch sonstige Events. Das nebenstehende Arbeitsphoto von „Midsommar-Stories“ zeigt das Grundlicht einer Szene in einer Teppichabteilung.

 

Warum keine normalen Scheinwerfer?

Es gibt vielfältige Umstände, etwa viele Passanten oder besondere Motive, welche das Aufstellen von Lichtstativen erschweren, wenn nicht sogar verbieten. In diesen Fällen kann man mit großen, neutralweißen Ballonen, die mit Helium gefüllt, über dem Motiv schweben, sehr gute Ergebnisse erzielen. Die Ballone sind unaufdringlich, und zudem auch optisch attraktiv. Als große Reflektionsfläche können sie, beleuchtet von Scheinwerfern, die weiter vom Motiv entfernt aufgestellt werden, indirektes Licht abgeben. Es gibt sie aber auch als von innen beleuchtete schwebende Ballone in Größen bis zu sieben Metern Durchmesser und Lichtleistungen bis zu 32 kW. Als interne Lichtquellen sind sowohl Halogen als auch HMI- Licht möglich.

 

Wird weiches Grundlicht im hektischen Flughafen-Terminal, in Messehallen, auf Bahnhöfen etc. benötigt, sind Leucht-Ballone das Mittel der Wahl. Lichtstative wären hier nur unnötige Unfallquellen. Zudem werden diese Lichtquellen von zufälligen Passanten schneller akzeptiert. Für einen natürlichen Eindruck für Filmszenen in denen inszenierte Darsteller in realen Situationen mit zufällig anwesenden Menschen statt Komparsen gedreht werden, ist das sehr hilfreich.

 

Keine Chance für Stative...

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Szenenfoto von der oben abgebildeten Lichtsituation. Lucy Allary und Janine Albrecht in Teppichabteilung, Szene aus 'Midsommar-Stories', Episode: Die Goblins, Kamera: Stefan Spreer

Bei den Dreharbeiten zu „Midsommar-Stories“ entstanden zahlreiche Szenen in einem freundlichen schwedischen Möbelhaus. Die Schauspieler agierten mitten zwischen den Möbeln. Die Showrooms sind zum Teil mit Rück- und Seitenwänden versehen, an der Hallendecke gibt es keine sinnvollen Möglichkeiten, Scheinwerfer aufzuhängen. Besonderheit: Es gibt dort nicht viele parallele Einkaufswege, auf die man bei einer Sperrung für Dreharbeiten die Kunden umlenken könnte, sondern nur einen einzigen, den jeder Kunde von Anfang bis Ende gehen muss. Keine Chance also, Scheinwerferstative auf dem Einkaufsweg zu platzieren und diesen abzusperren. Der Kameramann entschied sich dafür, gasgefüllte Ballons über den Köpfen der Schauspieler schweben zu lassen, und diese von Scheinwerfern, die aus Positionen, wo sie nicht im Weg stehen, anzustrahlen.

 

Bezug und Möglichkeiten

Die Leuchtballone sind resistent gegen Schnee oder Regen, nur starken Wind mögen sie aus naheliegenden Gründen gar nicht. Bei verschiedenen Ballonfirmen kann man passive Ballone zum anleuchten kaufen (je nach Größe ab ca. Euro 30,-) und die passenden Gasflaschen mit Füllventil mieten. Abgerechnet wird bei Rückgabe nach Gasverbrauch. Innenbeleuchtete Ballone gibt es bei speziellen Anbietern. Da dieses Verfahren durch diverse Patente geschützt ist, gibt es hier weltweit nur einen Marktführer und wenige kleinere Anbieter. Diese Ballone können übrigens auch von innen heraus als Projektionsfläche dienen. Sie kommen auch bei nächtlichen Sportübertragungen von Ereignissen außerhalb beleuchtbarer Stadien (Skiabfahrt, Beachvolleyball etc.) oder etwa im Show-, Event-, Werbe- und Bühnenbereich zum Einsatz. Auch im Bereich der Unfallrettung helfen selbstleuchtende Ballone, die Einsatzorte rasch mit Arbeitslicht zu versorgen. Ballone haben inzwischen die Herzen der Lichtleute erobert und ermöglichen auf eine zurückhaltende, überraschende Weise Lösungen für komplizierteste Lichtsituationen. Wie immer nennt das Movie-College auf Anfrage auch Bezugsquellen.