Aspect Ratio Masken 4000

Verschiedene Masken zur Einblendung des Seitenverhältnisses ins optische Sucherbild einer analogen Arriflex Filmkamera

 

Bildseitenverhältnis

Das Bildformat ist ein ganz entscheidendes Gestaltungsmittel,- welches sind die wichtigsten Seitenverhältnisse beim Film? Das Bildseitenverhältnis (Aspect Ratio) beschreibt jenes Rechteck, welches in der Aufnahme- und der Projektion oder Wiedergabe am Fernsehschirm oder Display die Bildinformation begrenzt. Die Form unseres Bildausschnitts (Frame) wird wie in der Geometrie beschrieben durch die Proportionen eines Rechtecks. Die Breite geteilt durch die Höhe dieses Rechtecks ist das Seitenverhältnis. Doch es ist viel mehr als nur eine mathematische Formel, im Film hat es mit Philosophie, mit Kosten, mit Enge und Weite, mit Gestaltung und manchmal auch mit Magie zu tun.

Das Bildseitenverhältnis darf man nicht verwechseln mit dem Aufnahmeformat des Sensors oder analogen Films, das kann nämlich durchaus ein anderes sein, als das beabsichtigte Höhen-Seitenverhältnis des Bildes.

Das Seitenverhältnis von Super 8 und Normal 16 ist 4 : 3 oder auch 1.33:1 Bei diesen beiden Formaten kann man das so einfach definieren, denn niemand würde freiwillig von dem ohnehin nicht riesigen Filmbild unnötig etwas verschenken. Manchmal, ganz selten, drehen auch heute noch Filmemacher in 4:3, wie etwa Andrea Arnold. In einem sogar quadratischen Seitenverhältnis wurde über weite Strecken "Mommy" (Regie Xavier Dolan) gedreht.

 

Academy-Standard

Bei 35 mm sieht die Sache schon ganz anders aus. Nutzt man auch hier, wie oben erwähnt, die volle Bildfläche aus, so hat man es auch hier mit 1.33:1 zu tun. Dieses Seitenverhältnis wird auch Academy-Standard (1.375:1) genannt. Für reine Fernsehzwecke war dies lange der Standard. Das hat natürlich damit zu tun, dass sich die frühen Fernsehgeräte am Kinostandard damals orientierten und der war in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts eben 1.375:1.

Doch seit High-Definition oder 16:9-Fernsehern (PAL Plus etc.) sind andere Seitenverhältnisse gefragt. Diese liegen mit 1.77:1 recht nahe am Kinostandard.

 

Analoger Film / Kino

Im Kino sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Hier gibt es hin und wieder das Breitbildformat 1.66:1. Die Situation eines Kinosaales und der Wunsch reiche, weite Bilder zu erzeugen, haben das Seitenverhältnis 1.85:1 aber zum Standard werden lassen. Die meisten Kinofilme kommen in 1.85:1. Dieses weicht eindeutig von der Bildfläche, die ein 35mm-Filmbild hat, ab. Es nutzt weniger von der Höhe. Um also in 1.85:1 zu drehen, wird in der Kamera (ist nicht zwingend, kann auch im Kopierwerk geschehen) ein entsprechendes Bildfenster eingesetzt, bei dem etwas vom oberen und unteren Teil des Filmbildes abgeschnitten wird. Entsprechend wird auch eine Mattscheibe im Sucher verwendet, bei dem der Bildausschnitt in 1.85:1 eingezeichnet ist.

Schade dabei ist, wie viel Filmmaterial auf diese Weise ungenutzt verschwendet wird. Deshalb gab es schon früher Bemühungen, mit einem „Techniscope“ genannten Verfahren, die 35mm-Norm dahingehend zu verändern, das nicht vier, sondern nur drei Perforationslöcher Filmmaterial bei jedem Bild weiterbewegt werden. Auf diese Weise spart man jede Menge Rohfilm. Der letzte Anlauf in dieser Richtung nannte sich 3Perf. Später im Kino wird dann ebenfalls ein 1.85:1-Bildfenster verwendet.

 

Abtastungsfehler

Leider werden derartige Festlegungen beim Übertragen analoger Kopien auf Video immer wieder übersehen. Das kann dann dazu führen, dass ein eigentlich vom DOP als 1.85:1 gedachter Bildausschnitt, ignoriert wird und Jemand das ganze 35mm Bild für Fernsehen oder DVD abtastet. Das führt dann dazu, dass über den Köpfen der Schauspieler zu viel Headroom ist und man ab und an oben Mikrofone ins Bild hineinragen sieht. Der beabsichtige Bildausschnitt war aber eben ein anderer, in diesem wären keine Mikrofone zu sehen gewesen...

 

Breitwand

Breitwandverfahren wie Cinemascope verbreitern das Bild nochmals und erreichen so 2.35:1. Jedes, von der Fernsehgröße (4:3) abweichende Format erzeugt auf dem Bildschirm die berühmten schwarzen Balken (Letterbox). Breitbildfernseher umgehen dies durch ein entsprechend verbreitertes Format (siehe HDTV). Dort erzeugen dann nur noch Cinemascope-Filme schwarze Balken auf dem Bildschirm.

Erdacht wurde das Format in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, um gegen die Konkurrenz des Fernsehens neue visuelle Attraktionen bieten zu können. Um bei analogen Film oder heute bei den Kamerasensoren nicht so viel Auflösung zu verlieren, verwendet man eine optische Komprimierung, bei der das Bild gestaucht wird. Dafür werden besondere Objektive, sogenannte Anamorphoten verwendet. Für die Aufnahme wird dann das Bild stark zusammengequetscht und bei der Wiedergabe wieder entzerrt.

Kino-Fans lieben die Artifakte, die dabei entstehen, besonders bei den Zerstreuungskreisen im Hintergrund und Lichtreflexen.

 

 

Mattscheibe der Kamera

Aspect Ratio Masken 2 4000

Maske für die Einblendung des Bildseitenverhältnisses bei analogen Arriflex Kameras

 

Bei analogen Filmkameras, oder Videokameras, die einen Spiegelreflexsucher besitzen und mit denen man verschiedene Bildformate verwirklichen kann, lassen sich, wie oben erwähnt, neben den Bildfenstern auch die Mattscheiben auswechseln. Es gibt jedoch auch Mattscheiben, in denen fast alle wichtigen Bildseitenverhältnisse zugleich eingezeichnet sind. Die Mattscheibe sieht dann etwa so aus wie im Bild rechts. Die Arbeit damit ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, man muss sich etwas mehr auf den Bildausschnitt konzentrieren. Deshalb bevorzugen es viele Kameraleute, für das jeweils verwendete Bildseitenverhältnis auch eine eigene Mattscheibe in den Sucher einzusetzen.

Die kombinierten Mattscheiben fanden vor allem Verwendung, wenn in den 90er Jahren ein von den TV-Sendern propagiertes, von den Kameraleuten aber oft als Zumutung empfundenes Denken mit dem fortschrittlichen Namen „Shoot and Protect“ zur Anwendung kam. Dies bedeutete nichts anderes, als dass man die Bildgestaltung für zwei Bildformate gleichzeitig vornehmen sollte. Einerseits für die damals überall gängigen TV-Geräte in 4:3 und andererseits auch für künftige Wiederholungen des gleichen Filmes auf 16:9 (HDTV). Wie das wirklich gehen sollte, für beide Bildformate gleichzeitig eine optimale Gestaltung des Bildausschnitts zu erzielen, hat damals allerdings niemand überzeugend beantworten können. Für die Kreativen jedenfalls war das Ganze eine Zumutung.

Bei den digitalen Kameras können die Einzeichnungen meist digital über das Sucherbild / den Kontrollmonitor gelegt werden und erlauben so eine präzise Kontrolle während der Aufnahme.

 

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