Seitenverhältnis

Bildseitenverhältnis

Aspect133b.gifDas Bildseitenverhältnis (Aspect Ratio) beschreibt jenes Rechteck, welches in der Aufnahme- und der Projektion oder Wiedergabe am Fernsehschirm die Bildinformation begrenzt. Die Form unseres Bildausschnitts (Frame) wird wie in der Geometrie beschrieben durch die Proportionen eines Rechtecks. Die Breite geteilt durch die Höhe dieses Rechtecks ist das Seitenverhältnis. Doch es ist viel mehr als nur eine mathematische Formel, im Film hat es mit Philosophie, mit Kosten, mit Enge und Weite, manchmal auch mit Magie zu tun.

 

Das Seitenverhältnis von Super 8 und Super 16 ist 4 zu 3 oder auch 1.33:1 Bei diesen beiden Formaten kann man das so einfach definieren, denn niemand würde freiwillig von dem ohnehin nicht riesigen Filmbild unnötig etwas verschenken.

 

Academy-Standard

AspectHDTVb.gifBei 35 mm sieht die Sache schon ganz anders aus. Nutzt man auch hier, wie oben erwähnt, die volle Bildfläche aus, so hat man es auch hier mit 1.33:1 zu tun. Dieses Seitenverhältnis wird auch Academy-Standard (1.375:1) genannt. Für reine Fernsehzwecke ist dies der Standard. Doch bereits High-Definition oder 16:9-Fernseher (PAL Plus etc.) verlangen nach anderen Seitenverhältnissen. Diese liegen mit 1.77:1 recht nahe am Kinostandard.

 

 

 

Kino

Aspect185b.gifIm Kino sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Hier gibt es hin und wieder das Breitbildformat 1.66:1. Die Situation eines Kinosaales und der Wunsch reiche, weite Bilder zu erzeugen, haben das Seitenverhältnis 1.85:1 aber zum Standard werden lassen. Die meisten Kinofilme kommen in 1.85:1. Dieses weicht eindeutig von der Bildfläche, die ein 35mm-Filmbild hat, ab. Es nutzt weniger von der Höhe. Um also in 1.85:1 zu drehen, wird in der Kamera (ist nicht zwingend, kann auch im Kopierwerk geschehen) ein entsprechendes Bildfenster eingesetzt, bei dem etwas vom oberen und unteren Teil des Filmbildes abgeschnitten wird. Entsprechend wird auch eine Mattscheibe im Sucher verwendet, bei dem der Bildausschnitt in 1.85:1 eingezeichnet ist.

 

Schade dabei ist, wie viel Filmmaterial auf diese Weise ungenutzt verschwendet wird. Deshalb gab es schon früher Bemühungen, mit einem „Techniscope“ genannten Verfahren, die 35mm-Norm dahingehend zu verändern, das nicht vier, sondern nur drei Perforationslöcher Filmmaterial bei jedem Bild weiterbewegt werden. Auf diese Weise spart man jede Menge Rohfilm. Der letzte Anlauf in dieser Richtung nannte sich 3Perf. Später im Kino wird dann ebenfalls ein 1.85:1-Bildfenster verwendet.

 

Breitwand

Aspect235b.gifBreitwandverfahren wie Cinemascope verbreitern das Bild nochmals und erreichen so 2.35:1. Jedes, von der Fernsehgröße (4:3) abweichende Format erzeugt auf dem Bildschirm die berühmten schwarzen Balken (Letterbox). Breitbildfernseher umgehen dies durch ein entsprechend verbreitertes Format (siehe HDTV). Dort erzeugen dann nur noch Cinemascope-Filme schwarze Balken auf dem Bildschirm.

 

 

 

Mattscheibe der Kamera

Sucher.gifBei Filmkameras, mit denen man verschiedene Bildformate verwirklichen kann, lassen sich, wie oben erwähnt, neben den Bildfenstern auch die Mattscheiben auswechseln. Es gibt jedoch auch Mattscheiben, in denen fast alle wichtigen Bildseitenverhältnisse zugleich eingezeichnet sind. Die Mattscheibe sieht dann etwa so aus wie im Bild rechts. Die Arbeit damit ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, man muss sich etwas mehr auf den Bildausschnitt konzentrieren. Deshalb bevorzugen es viele Kameraleute, für das jeweils verwendete Bildseitenverhältnis auch eine eigene Mattscheibe in den Sucher einzusetzen.

 

Die kombinierten Mattscheiben finden vor allem Verwendung, wenn ein von den TV-Sendern propagiertes, von den Kameraleuten aber oft als Zumutung empfundenes Denken mit dem fortschrittlichen Namen „Shoot and Protect“ zur Anwendung kommt. Dies bedeutet nichts anderes, als dass man die Bildgestaltung für zwei Bildformate gleichzeitig vornehmen soll. Einerseits für die heute überall gängigen TV-Geräte in 4:3 und andererseits auch für künftige Wiederholungen des gleichen Filmes auf 16:9 (HDTV). Wie das wirklich gehen soll, für beide Bildformate gleichzeitig eine optimale Gestaltung des Bildausschnitts zu erzielen, hat bisher allerdings noch niemand überzeugend beantworten können.