RED One

Die Sache mit der RED

RED

RED One (Manuel Wenger) beim HD Workshop im Studiengang Film & Fernsehen an der mhmk

Es war schon beeindruckend, wie sich eine Kamera, deren Entwicklung zunächst von mutigen Fans in Form von Vorschüssen an die Entwickler mitfinanziert wurde, zu einer Legende im HD-Kameramarkt gemausert hat.

 

Der frühere Sonnenbrillen-Hersteller Jim Jannard (Oakley) hatte 2005 angekündigt, eine bezahlbare HD Kamera mit einem CMOS Chip in Größe des 35mm Filmbildes auf den Markt zu bringen, eine Vision, der zahlreiche Anwender Glauben geschenkt haben und welche die Entwicklung der RED ermöglichten.

 

Damit sollte es erreichbar werden, mit preiswerten Videokameras in hoher Auflösung Kinolook zu erzeugen. 2006 wurden erste Prototypen auf Filmmessen präsentiert und von der Fachwelt streckenweise belächelt, im Frühjahr 2007 wurden die ersten Kameras ausgeliefert.

Inzwischen hat die Kamera die angestammten Platzhirsche wie Arri oder Delsa das Fürchten gelehrt und wird immer öfter für Kinofilme verwendet. Die Firma hat immer neue Weiterentwicklungen hervorgebracht, an dieser Stelle seien nur die 8K RED Epic Helium oder die RED Raven genannt. Dieser Artikel ist jedoch der ersten, der UR-RED gewidmet:

 

Anwender als Mitentwickler

Dabei war und ist die Kamera keineswegs ausgereift, sie wurde und wird permanent durch die Erfahrungen und Probleme ihrer User weiterentwickelt und optimiert.

Die RED betrat den Markt zu einem Zeitpunkt, als die Sehnsucht nach bezahlbarem HD auf einem Höhepunkt war, seitdem hat sie eine große Verbreitung gefunden und damit trotz aller Bugs einen ähnlichen Weg eingeschritten wie dereinst Microsoft mit ihren nicht immer wirklich ausgereiften Betriebssystemen.

 

Das was bei Autokonzernen von Testfahrern erledigt wird, verlagerte man schlichtweg auf den Kunden. So etwas ist im Kamerabereich eher selten, es galt in der Vergangenheit als äußerst kritisch, wenn eine professionelle Kamera auf den Markt gebracht wurde, die signifikante Schwachstellen hatte. Doch die Fans der RED fluchen, leiden und lieben die Kamera zugleich. Sie warten auf die jeweils nächsten Updates, auf immer weniger Bugs in der Software und nehmen aktiv an der Verbesserung der Kamera teil.

 

Preis, Gewicht und Größe

So attraktiv der Preis auch klang, (17500 USD = 12500 Euro), das notwendige Zubehör wie Followfocus, Kompendium, Rod, Monitor und sinnvolle Kino-Optiken ließen den Preis gut und gerne auf 50.000 Euro anwachsen.

 

Auch wenn der Body allein eigentlich recht überschaubar ist (Gewicht ca. 3,5-4 Kg), wird die Kamera vor allem durch Akkus, Kontrollmonitor etc. sperrig und unhandlich, um damit etwa Handkamera zu drehen.

 

Nicht ganz unterschätzen darf man auch die Lautstärke des eingebauten Lüfters. Dreht man in Innenräumen mit Ton muss man diesen unbedingt abschalten, sonst ist er unweigerlich im Ton zu hören. Nach dem Take aber nicht vergessen, ihn wieder einzuschalten, die Kamera kann sehr leicht überhitzen.

Besonders bei Geräteverleihern ist die RED One ziemlich beliebt. In allen großen Filmstädten in Europa findet man geeignete Anbieter, um die Kamera zu mieten.

Ungeahnte Konkurrenz bekommt die RED inzwischen durch diverse digitale Spiegelreflexkameras, die für noch weniger Geld ebenfalls mit großen CMOS Chips daher kommen und HD Video aufzeichnen können. Die Unterschiede kommen dabei vor allem im Codec zum Tragen.

 

Belichtung

RED Workshop

Die Belichtung mit der RED, vor allem der Toleranzbereich in den Lichtern ist noch deutlich geringer als beim klassischen analogen Film, doch die Entwicklung neuer CMOS Chips verspricht auch hier eine Annäherung

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen -diese Kamera gehört in die Hände von Profis, denn viele Funktionen, die bei anderen Kameras von Automatiken zumindest optional geregelt werden, gibt es bei der RED nicht. Automatische Belichtung oder Autofocus sind hier Fremdwörter, womit auch klar ist, dass die Kamera für Dokumentarfilme nicht wirklich geeignet ist. Aber dafür wurde sie ja auch nicht konzipiert.

 

Offiziell wird dem CMOS Chip der Kamera eine Empfindlichkeit von 320 ASA zugeschrieben, tatsächlich machen aber viele Kameraleute die Erfahrung, dass sie damit eher in die Unterbelichtung geraten, es also sinnvoll ist, von einer niedrigeren Empfindlichkeit, z.B. 125 oder 200 ASA auszugehen.

 

Optiken

Neben diversen Kinooptiken mit PL Mount kann man über Adapter auch Nikon Objektive verwenden. Doch Vorsicht, Fotoobjektive haben andere Schneckenantriebe eingebaut, da ist der Regelweg kürzer und sie lassen sich deshalb nicht so komfortabel beim Schärfeziehen nutzen. Außerdem ist die Drehrichtung anders als beim Kinofilm.

 

Alte Kinoobjektive (Zeiss Highspeed etc.) lassen sich oft erst ab einer Blende 1,8 sinnvoll verwenden, weil es sonst zu Bildfehlern kommen kann. Besser sind moderne, optimierte Objektive, wie sie auch von RED und Drittanbietern hergestellt werden. Hierbei werden in den preiswerteren Versionen Linsen aus Fotoobjektiven verwendet und in spezielle Gehäuse mit geeigneten Schnecken und entsprechender Schärfenskala eingebaut.

 

Erfahrene RED-One Anwender wissen auch davon zu berichten, dass sich der Mount und damit das Auflagemaß der Kamera verstellen kann und dass man diese zur Neujustage in die USA zum Hersteller einschicken muss. Kein wirklich preiswertes Unterfangen und eine Produktschwäche, die man bei Arri wohl kaum finden würde.

 

Spielraum

RED Workshop

Wenn man all das notwendige Zubehör abbaut, bleibt eine eigentlich kleine HD Kamera übrig. Aber wer dreht schon ohne Akkus, Kompendium, Followfocus, Monitor und Festplatten- oder Flashrekorder zum Aufzeichen?

Grundsätzlich verfolgt die RED mit ihrem REDCode die Idee der RAW Dateien, also die Möglichkeit, viele Parameter, die sonst bereits an der Kamera selbst festgelegt werden müssen, in die Postproduktion zu verlegen. Das ermöglicht mehr Freiheiten, mehr Spielräume für die spätere Farbkorrektur und Gestaltung. Man muss also vor Ort beim Drehen vor allem die Belichtung richtig einstellen (Blende), die übrigen Faktoren wie Weißabgleich, Gamma, Sättigung etc. kann man getrost in der Postproduktion einstellen. Wegen der hohen Datenrate wäre es auch sehr schwierig, am Drehort einen zuverlässigen Monitor dabei zu haben, der die Beurteilung der tatsächlichen Aufnahme sicher ermöglicht.

 

Auch wenn sich das Ausgabeformat als RAW bezeichnet, steckt in den Daten weit weniger Belichtungsspielraum, als in entsprechenden Daten von Fotoapparaten. Während man in der Unterbelichtung durchaus vier, fünf Blendenstufen Spielraum hat, nimmt die Kamera Überbelichtungen von mehr als einer Blende bereits sehr übel und erzeugt ein undifferenziertes technisches Weiß. Daran kann man auch später in der Farbkorrektur nichts mehr ändern, Bildbereiche in denen einfach nur noch 100% Weiß vorhanden ist, kriegen nie wieder Helligkeitsstufen und Differenzierung. Veränderungen an Sättigung und Helligkeit können nur bewirken, dass weiße Flächen zu hellgrauen Flächen werden. Mehr geht nicht.

 

Schnitt

Monatlich verkündeten die Hersteller von Schnittprogrammen neue Updates um mit der RED besser zurecht zu kommen. Doch so ganz ideal arbeitet noch keines. Bei FinalCut Pro wir der proprietäre REDCode in Apple ProRes umgewandelt und verliert dabei an Auflösung (4K zu 2K). In der neuesten FinalCut Studio Version kann man REDCode direkt in die Timeline einschneiden.

Um die höchstmögliche Qualität zu bewahren schneiden viele User Quicktime Dateien niedriger Auflösung um dann am Ende, genau wie beim Schnitt von analogem Film, nach digitalen Schnittlisten das Originalmaterial abarbeiten zu lassen.

 

Bei der rasanten Verbreitung dieser Kamera war klar, dass alle wichtigen Schnittprogramme den REDCode integriert haben.