Mattebox

Ungewünschtes Licht

Leichtkompendium

Arri Leichtkompendium, wird nur am Objektiv aufgesteckt, die an der Kamera vorhandenen Stützrohre werden nicht benötigt

Wer schon einmal gegen die Sonne gedreht hat oder sonst irgendwie Lichteinfall ins Objektiv hatte, kennt die unangenehmen Wirkungen. Im einfacheren Fall wird das Bild flau und matschig, der Kontrast geht verloren, im schlimmeren werden die Lichtreflexe als helle Flecken direkt abgebildet.

Es gilt also, mit allen Mitteln den ungewünschten Einfall von Streulicht oder direktem Sonnenlicht ins Objektiv zu verhindern. Das Einfachste Mittel ist dafür eine Sonnenblende, fest aus hartem Plastik oder weich aus Gummi. Diese sind aber in ihrer Breite festgelegt, können nicht den unterschiedlichen Objektiven und Lichtverhältnissen angepasst werden.

 

Weitwinkeloptiken sind nämlich viel empfindlicher für Streulicht als Teleobjektive und natürlich ist auch der Aufnahmewinkel jeweils anders. Und wer dann vielleicht auch noch einen Weitwinkelvorsatz vor sein Objektiv schraubt, braucht zwingend guten Lichtschutz.

 

Abhilfe

Sonnenblende

Einfache Sonnenblende an HD EB Kamera mit der man schnell an Grenzen stößt

Hier helfen (Sunshades), Kompendien (mit einem ausziehbaren Faltenbalg) oder Matteboxen (mit festem Korpus), die meistens zusätzliche Sonnenblenden (Frenchflag und Sidewings) als Klappen haben. Diese sind also vom Prinzip her Gegenlichtblenden mit zusätzlichen bzw. verbesserten Möglichkeiten. Durch sie wird die Abbildungsqualität des Objektivs deutlich verbessert. Um ganz sicher zu gehen, haben die Kompendien einen sogenannten Donut um den Zwischenraum zum Objektiv präzise abzudichten.

Zugleich verfügen Matteboxen oder Kompendien meist über feste oder drehbare Filterbühne mit Filterschubladen, in die man ein oder zwei Glasfilter einlegen kann. Dass man sie drehen kann, ist vor allem wichtig, wenn man mit Pol,- oder Verlauffiltern arbeitet. Dann kann man die Übergänge besser auf das gedrehte Motiv hin einrichten. Die Filterschubladen sollten mindestens 4X4 inch große Filter aufnehmen können.

 

 

Befestigung

An der Kamera werden sie entweder per Klemmvorrichtung direkt am Objektiv oder über Stützrohre, (engl. Rod) angebracht. Stützrohre gibt es aus Stahl, Aluminium und neuerdings auch Kohlefaser. Diese sind einerseits am Kompendium festgeklemmt oder geschraubt und andererseits meist an der Kamera selbst oder in einer speziellen Halterung, die man unter die Kamera schrauben kann, der sogenannten Baseplate oder Bracket befestigt.

An diesen Rods, die meistens Durchmesser von 15 oder 19mm haben, kann man neben dem Kompendium auch einen Follow-Focus oder auch fernsteuerbare Motoren für Schärfe etc. anflanschen.

 

Bedienung

Mattebox

MatteBox mit French Flag oben und Sidewings links und rechts sowie den Stützstangen und der Platte zwischen Kamera und Stativkopf zur Befestigung der Stangen (Rods)

Manche Matteboxen sind inzwischen so hochtechnisch ausgerüstet, dass man schon ein wenig Knowhow mitbringen muss, um alles richtig zu machen. Grundsätzlich sollte man stets sicher sein, dass das Kompendium nicht kascht,- dass also keine Begrenzungen im Bild zu sehen sind. Das klingt simpel, da aber die Kompendien stets dunkel sind, kann es in dunkler Umgebung leicht vorkommen, dass man nicht bemerkt, dass ein Flag ins Bild hineinreicht. Wenn man mit dem Finger an den Rändern des Kompendiums entlang fährt, fallen im Kamerasucher solche Fehleinstellungen sofort auf.

 

Außerdem darf das Kompendium / die Mattebox natürlich das Objektiv in keiner Weise mechanisch behindern. Besonders alte Objektive, bei denen die Schärfeveränderung auch mit einer äußeren Verschiebung einhergeht, stoßen so leicht gegen das Kompendium an. Moderne Objektive mit Innenfokussierung ändern ihre äußeren Ausmaße nicht beim scharf stellen.

 

Abdichtung und Einstellung

Mattebox

Chrosziel Compact Bellows Housing

Damit kein Streulicht von hinten auftreffen kann, werden zur Anpassung der Mattebox ans Objektiv sogenannte Donutringe verwendet. Sie sorgen auch dafür, dass die Mattebox ganz genau mittig zum Objektiv angebracht ist, speziell wenn man mit Weitwinkel-Objektiven dreht, ist das wichtig. Man kann diese Donuts individuell für die Größe des Objektivs (z.B. 72, 82 mm) bestellen.

 

Mindestens ein Filterhalter/Schublade sollte drehbar sein, dass ist wichtig für Polfilter etc. Damit man nicht bei jedem Objektivwechsel das Kompendium wieder abbauen muss, ist eine Swing-Away Konstruktion sinnvoll mit der man es zur Seite wegklappen kann. Das Gute an den Filterschubladen ist, dass man nicht für jedes Objektiv einen neuen Filter (mit passendem Gewinde) bereithalten muss. Die 4X4 oder 4X5,65 großen Filter bleiben die gleichen.

 

Die genaue Einstellung speziell der French Flag bei der Mattebox oder dem Auszug des Balgens beim Kompendium sollte man bei jeder neuen Einstellung wieder vornehmen, also schauen, wie weit man es ausziehen/ einschwenken kann, ohne ins Bildfeld zu geraten. Das ist nicht immer so leicht zu kontrollieren,- es sei an diese Stelle daran erinnert, dass die Displays der Kameras selten

 

Nebeneffekte

Natürlich erfüllt eine solche Matte Box auch Zwecke jenseits der technischen Notwendigkeit. Insbesondere der Eitelkeit "zukünftiger Filmemacher" scheint es gut zu tun, wenn die Kamera etwas gewaltiger und professioneller aussieht.

Allerdings bringt eine solche Mattebox auch mehr Gewicht mit sich und was bei einem Spielfilm mit vielen Umbauzeiten bestens funktioniert ist für einen Doku-Dreh oftmals eher hinderlich. Hier wechselt man ohnehin nicht dauernd die Optiken, da sind passende Sonnenblenden sinnvoller.

 

Preise

Die Bandbreite ist hier groß und natürlich gibt es die großen Marken und No-Name Produkte gleichermaßen. Es beginnt bei etwa 3-400 Euro kann aber auch mehrere Tausend Euro betragen. Leichtkompendien zum Aufstecken sind billiger, jene welche Stützrohre verwenden, teurer.

 

Wichtige Hersteller sind:

Petroff, Chrosziel, Arri, Vokas, Cokin, Redrock, PROAIM, Formatt, Genus, Cavision oder Reflec Media, aber es kursieren eben auch diverse Billignachbauten aus Indien und China.

 

Im Internet werden immer wieder Kompendien/Matteboxen gebraucht angeboten. Dagegen ist im Prinzip nichts zu sagen, man sollte lediglich darauf achten, dass die Filterschubladen mindestens für 4 X 4 Inch Filter ausgelegt sind. Die früher üblichen 3 X 3 Inch Filterhalter sind für die meisten aktuellen Videokameras zu klein.

Wem die angebotenen Matteboxen zu teuer erscheinen, was in manchen Fällen nicht ganz unberechtigt ist, der kann sich mal auf den diversen Do it Yourself-Seiten umschauen.