Tongeschichte: Entwicklung

Entwicklung des Tonfilms

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Virtueller Ton

Die Gesellschaftsstruktur, politische Zustände und der technische Fortschritt haben in der Vergangenheit stets Einfluss auf die Machart von Filmen gehabt.

So kann die Frage nach einem virtuellen Umgang mit dem Ton im Film, nur in Zusammenhang mit diesen Faktoren gesehen werden. Ein kurzer Überblick an exemplarischen Beispielen soll dies verdeutlichen:

 

Filme waren eigentlich nie wirklich stumm...

Bereits vor der Entwicklung des Tonfilms war es üblich, dem Stummfilm Ton (Musik) hinzuzufügen. Klavier, Kinoorgel, ja oft sogar riesige Orchester lieferten die Hintergrundmusik. Sie sorgten auch für Toneffekte, indem sie Gewittergrollen etc. nachempfanden. Dabei war es üblich, sich stark an die Schauspiel- und sinfonische Musik des 19. Jahrhunderts anzulehnen.

 

Der erste sprechende Film

Die Möglichkeit, Geräusche und Sprache synchron zum Film abzuspielen, kannte man erst ab 1921. Hans Yogt, Joseph Masolle und Dr. Engl, die eigentlichen, fast völlig unbekannt gebliebenen Erfinder des Tonfilms, haben im März 1921 den ersten sprechenden Film vorgeführt. Ihre Entwicklung, der Lichtton, war Grundlage der späteren Klangfilm-, Fox- und Tobis-Verfahren.

Die Fachliteratur schreibt, ungeachtet dieser Tatsache, die Erfindung des Tonfilms Sam Warner, Western Electric und den Bell Telephone Laboratories zu. So wird denn auch die erste Tonfilmvorführung fälschlicherweise auf 1926 datiert.

Bis 1925 gelang es der Stummfilmindustrie und den Kinobesitzern den Einsatz des deutschen Tonverfahrens zu verhindern – das Geschäft mit dem Stummfilm lief gut und die Umstellung auf Ton wäre sehr kostspielig gewesen. Es war für die Produzenten leicht, ihre Stummfilme in die ganze Welt zu exportieren, ohne größeren Aufwand. Lediglich die Schrifttafeln mussten ausgetauscht werden oder wurden ohnehin mehrsprachig aufgenommen und eingeschnitten.

 

Kleine Tonfilmgeschichte

(Wir erwähnen hier nur die „Meilensteine“ und versuchen, ihre besondere Bedeutung in Hinblick auf den Ton zu skizzieren. Beachten Sie bitte auch, dass darunter einige bedeutende Dokumentarfilme waren.)

1925 versuchte sich die deutsche Ufa vorübergehend  am Tonfilm („Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“). Der Film war ein Misserfolg und die nächsten Versuche wurden in Deutschland erst Jahre später unternommen, als der Jazz Singer als erster erfolgreicher Tonfilm bereits Geschichte geschrieben hatte.

1927 Jazz Singer (Alan Crosland) USA

1934 Song of Ceylon (England, Basil Wright, Harry Watt). Der Ton kontrapunktiert die Bilder, statt sie zu ergänzen. Cavalcantis Experimente haben sicherlich den originellen Einsatz des Tons in diesem Dokumentarfilm beeinflusst.

1936 Coal Face (England, Alberto Cavalcanti). Der Ton wird kunstvoll eingesetzt, wird aber auch, ebenso wie das Bild, völlig der Form unterworfen und wird so zu einem Baustein für die rhythmisch gleitende Emotionalisierung. Selbst Bilder des Grauens bekommen dadurch poetische Qualität.

1936 Night Mail (England, Basil Wright, Harry Watt). Ähnlich wie Coal Face ist auch dieser Film geprägt von einer verklärten, unkritischen Sicht auf Arbeitswelt und Technik. Die originelle Montage, der subtile Einsatz der realen Geräusche und die Texte von W. H. Auden lassen ihn zu einem Meisterwerk werden. Musik: Benjamin Britten

1938 La bête humaine (Frankreich, Jean Renoir). In einer Schlüsselszene des Films ist das Zimmer von Séverine erfüllt von einem Lied, das aus einem nahegelegenen Tanzlokal zu hören ist. Während Jacques das Mädchen tötet, tritt Stille ein, als der Mord vorüber ist, werden die Geräusche (in diesem Fall hat die Musik Geräuschfunktion) wieder hörbar.

1939 North Sea (England, Henry Watt). Auch diese englische Dokumentarfilmproduktion wurde stark durch Alberto Cavalcantis Experimente mit dem Filmton beeinflusst (kommentierender Ton).

1940 The great Dictator (USA, Charles Chaplin) Seine Zweifel am Tonfilm, vor allem an der Sprache, ließen diesen Film zu seinem ersten Sprach-Film werden. Hynkel sprach in einem Pseudodeutsch, welches Sprache zu einem Geräusch werden lässt.

1941 Citizen Kane (USA, Orson Welles). Ein „Meilenstein der Filmgeschichte“ mit zahlreichen Innovationen, auch auf der Tonebene. Von seinen Hörspielserien und der Funkbearbeitung  von H. G. Wells Krieg der Welten, war Orson Welles es gewohnt, Eindrücke allein durch den Ton zu  vermitteln. So läuft der Ton keineswegs immer im gleichen Rhythmus wie das Bild und ist teilweise gar nicht verständlich. Geräusche und Sprache bilden gemeinsam die Tonkulisse.

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