Perspektive

Das Auge

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Wenn wir uns Gedanken machen, über die Perspektive eines Bildes, sollten wir zunächst einmal über unser Auge sprechen.

 

Für die Perspektive sind zwei Bestandteile des Auges besonders wichtig: Die Augenlinse (blau) und die Irisblende (Ovale Öffnung an der rechten Seite der Augenlinse). Alle Strahlen des abgebildeten Lichtes schneiden sich im Mittelpunkt der Irisblende. Dort liegt unser Perspektivzentrum. Unsere daraus resultierende Perspektive hängt ausschließlich davon ab, wo wir uns befinden. Sie ändert sich nicht, wenn wir eine Brille tragen, oder durch ein Fernglas schauen.

 

Perspektive im Objektiv

Objektive arbeiten, was die Perspektive angeht, absolut genauso wie unser Auge. Mit einem Unterschied: Die Abbildung setzt einen 3D-Raum in eine 2D-Abbildung um. Ansonsten befindet sich das Perspektivzentrum des Objektivs im Mittelpunkt der Stelle, an der ein Bild von der Irisblende entsteht. Wichtig für den Umgang mit dem Filmmedium ist die Erkenntnis, dass sich das Perspektivzentrum stets genau an der oben benannten Stelle befindet. Das ist wichtig, denn es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, die Perspektive ändere sich, wenn man an der Kamera ein anderes Objektiv verwendet.

 

Aufnahmestandpunkt

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Ganz gleich, ob Sie ein Weitwinkel- oder Teleobjektiv verwenden, solange sich die Position Ihrer Kamera nicht verändert, bleibt die Perspektive gleich! Auch wenn Sie statt Wechselobjektiven ein Zoomobjektiv benutzen, ändert sich die Perspektive beim Verstellen der Brennweite nicht. Ihr Bildausschnitt, Ihr Bildwinkel verändert sich, nicht aber Ihre Perspektive. Das Verhältnis der Elemente von Vorder- und Hintergrund bleibt jeweils absolut gleich.

 

Entscheidend ist definitiv der Aufnahmestandpunkt. Er bestimmt die perspektivische Darstellung und diese bleibt auch bei den sich durch unterschiedliche Brennweiten (Objektive) verändernden Abbildungsmaßstäben stets gleich. Wenn Sie die Perspektive verändern möchten, müssen Sie den Kamerastandpunkt verändern. Bei einer Kamerafahrt mit dem Dolly oder einer Steadicam etwa, verändert sich die Perspektive.

 

Wäre obenstehende Situation als echte Kamerafahrt realisiert, würde dies bewirken, dass sich die Kamera der Person nähert, und damit der Abstand etwa von ihrem Kopf zu den Bäumen im Hintergrund oder ihrer Schulter zur Kamera im Bild verändert wird. Beim Betrachten der drei Bilder werden Sie feststellen, die Abstände der Person im Vordergrund zu Bäumen und Kamera im Bild bleiben stets gleich. Daran erkennen Sie sofort: Der Kamerastandpunkt und damit die Perspektive waren bei allen drei Bildern gleich! Dies ist der wesentlichste Unterschied zwischen einer Zoomfahrt (kontinuierliches Verändern der Brennweite an einem Zoomobjektiv, von älteren Kameraleuten auch „Gummilinse“ genannt) und einer echten Kamerafahrt.

 

Nur die echte Kamerafahrt erlaubt veränderte Perspektiven und kommt damit der natürlichen Bewegung eines Menschen in einen Raum hinein, recht nah. Bezogen auf die Veränderung der Größe eines Objektes oder einer Person kann man eine vergleichbare Wirkung sowohl durch Änderung der Brennweite (bei festem Kamerastandpunkt), als auch durch Veränderung der Kameraposition (also näher an die Person herangehen, bei gleicher Brennweite) erzielen. Wenn übrigens die hier angesprochenen zwei unterschiedlichen Arten von Fahrt gegenläufig miteinander kombiniert werden, das heißt, man fährt auf Schienen mit der Kamera auf eine Person zu und fährt optisch mit dem Zoomobjektiv in gleichem Maße zurück, so verändert sich die Größe der Person trotz Fahrt nicht. Umso ungewöhnlicher und erschreckender ist für den Zuschauer plötzlich die „unerklärliche“ Veränderung der Perspektive! Kenner denken hier natürlich gleich an Hitchcocks "Vertigo". Der Vertigo-Effekt findet bis in unsere Tage immer wieder seine Anwendung, etwa bei „ Die Maske“ u. v. a.