Knetfigur-Technik

Zugaben

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Nach ersten Grundlagen in Teil 1 (Knetanimation) soll es hier um den mechanischen Aufbau der Knetfiguren gehen. Längst nicht alles an den Knetfiguren besteht aus Knetgummi. Es gibt durchaus Teile, die aus gebranntem Ton, aus Plastik, Glas, Metall oder Draht bestehen. Speziell Augäpfel, Nase oder Zähne werden gerne aus härterem Material angefertigt und ggf. auch so bemalt, dass sie wie Knetgummi aussehen. Gerade rollende Augen oder unterschiedliche Blicke, geweitete und geschlossene Pupillen lassen sich viel besser durch vorgefertigte, starre Sätze als durch weiche Knetmasse herstellen.

 

Manche Animationskünstler fertigen unterschiedliche, austauschbare Hände oder Münder aus FIMO, jener im Ofen zu härtenden Knetmasse aus dem Spielwarenbedarf. Die Teile sind nach dem Aushärten fest und man braucht keine Angst zu haben, dass sie versehentlich verbiegen. Besonders wenn die Animationsfiguren sprechen sollen, ist es wichtig, für unterschiedliche Konsonanten und Diphthonge vorgefertigte Mundteile einzusetzen. Speziell für die Augen gibt es unterschiedliche Kunststoffkugeln, die man mit Acryl oder Ölfarben aus dem Bastelbedarf bemalen kann. Auch viele Objekte, mit denen die animierten Figuren zu tun haben, werden aus gehärteten Materialien erzeugt. Bälle, Stifte, Computer, Waffen, Antennen etc. sind wegen ihrer filigranen Form nicht in weicher Knetmasse zu realisieren. Doch das macht nichts, schließlich gibt es keine wirklichen Gesetze für Animationsfilme. Erlaubt ist, was gefällt.

 

Konstruktion

Drahtgestell für Knetanimation

Damit die Figuren überhaupt beweglich sind und sich zur Animation eignen, wird ein inneres Gerüst aus Draht oder mit Gelenken entwickelt, mit dessen Hilfe sich Arme und Beine bewegen lassen, das Skelett der Knetfigur quasi. Man kann dafür Aluminium- oder Stahldraht verwenden, den man verdrillt, oder auch Pfeifenreiniger. Letztere sind aber eigentlich zu leicht verbiegbar, um damit zuverlässige Animationphasen gestalten zu können. Mithilfe einer Zange und Heißkleber kann man zunächst ein Drahtgestell der Figur bauen. Zwei Draht-Us bilden in der Regel die Beine und Arme. Um die Unter- und Oberschenkel sowie Unter- und Oberarme anzudeuten, fixiert man dort Teile aus festerem Material, etwa Plastik. Manche Modellierer verwenden hierfür aufgeschnittene Wanddübel, die sie mit Heißkleber am Draht fixieren. In der Luxusvariante verwendet man kleine Aluminiumblöcke.

 

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Eine weitere Alternative stellen die praktischen "Helping Hands" aus dem Elektronikshop dar. Diese als Löthilfe gedachten Konstruktionen können ebenfalls für manche Figuren die bewegliche Basis darstellen. Man wechselt lediglich die Flügelmuttern durch normale Muttern aus und schon hat man bewegliche Arme oder Beine. Profis bauen sich richtige Metallkonstruktionen, passend zu ihren Figuren, mit Kugelgelenken. Im Web gibt es dazu sogar eine komplette Bauanleitung. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Figur alleine stehen und auch minimale Bewegungen vollbringen kann. Das Innenleben darf ruhig aus leichten Materialien (Styropor etc.) sein, wenn außen Knetgummi ist, wird die Figur immer noch recht schwer ausfallen. Auch sollten die beweglichen Teile (Gelenke) auf ein notwendiges Minimum reduziert werden. Zu viele Gelenke können die Kontinuität der Animation erschweren.

 

Das Set

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Wo soll Ihre Geschichte spielen? Zunächst einmal bietet es sich an, die Welt der Knetfiguren auf einem Tisch zu realisieren. Achten Sie darauf, dass der Tisch eine geeignete Höhe hat, damit Sie sich bei den unzähligen Animationsphasen nicht auch noch bücken oder strecken müssen. Der Tisch wird Ihr Arbeitsplatz! Wichtig ist auch, dass der Tisch absolut stabil steht. Dann haben Sie die Möglichkeit, die Kamera samt Stativ und natürlich Ihre verschiedenen Lichtquellen von verschiedenen Seiten einzusetzen. Auf dem Tisch selbst wird aus unterschiedlichen Materialien (Hartschaum, Holz, Styropor etc.) mithilfe von Säge, Schraubenzieher und Pinsel eine eigene Trickwelt erschaffen. Ganz wichtig ist natürlich der Maßstab. Die meisten Animationsfiguren sind etwa 15 bis 20 cm groß, entsprechend sollte auch ihre Welt dimensioniert sein. Wenn Sie Innenräume in Art einer Puppenstube bauen, achten Sie darauf, dass die Seitenwände (Sprungwände) für wechselnde Kamerarichtungen abnehmbar sind.

 

Eine besonders schwierige Aufgabe ist es, bewegten Himmel, fließende Gewässer oder gar das Meer in Animationsfilme einzubauen. Wer nicht auf die wallenden Plastikfolien ala Augsburger Puppenkiste verfallen will, kann etwa sein Set samt Animationsfiguren vor Greenscreen drehen und später per Keying reale Aufnahmen von Wasser hineinmontieren. Damit der Kontrast von animierter Welt und Realaufnahme nicht so stark ist, kann man die Realaufnahmen mit Filtern, Geschwindigkeitsveränderung etc. verändern.

 

Links

Zum 1. Teil unseres Praxisberichts: Knetanimation