Prinzessinnenbad

Prinzessinnenbad

 

Prinzessinenbad
Prinzessinenbad

Daten

 

Prinzessinenbad

D 2004

REGIE: Bettina Blümner
DREHBUCH: Bettina Blümner
KAMERA: Mathias Schöningh
SCHNITT: Inge Schneider
TON: Christian Lutz

 

Internationales Programm


Regie: Bettina Blümner

 

Porträtiert werden drei pubertierende Mädchen aus Kreuzberg. Mina, Klara, Tanutscha sind Freundinnen und erleben zusammen das Erwachsenwerden. Sie alle sind vaterlos in den letzten Jahren aufgewachsen und leben mit ihren zusammen mit ihren Müttern zusammen. Das zwingt sie schon früh aus ihrer Kindheit heraus.

Sie finden zu hause nicht den richtigen Halt und erkunden die Welt somit zusammen auf eigene Faust. Sie machen Pläne, rätseln über ihre Berufung, verlieben sich und erobern das Berliner Nachtleben.

Die Regisseurin Bettina Blümner inszeniert diesen Dokumentarfilm im Kinoformat, so dass manchmal der Eindruck entsteht, man sähe einen Spielfilm. Die Protagonisten agieren sehr frei vor der Kamera, nur selten entsteht der Eindruck eine Frage sei die Ursache ihrer Aussagen. Gespräche werden im Schuss-Gegenschussverfahren dargestellt und das Geschehen scheint einer Dramaturgie zu folgen. Es scheint alles genau so geschehen zu sein, tatsächlich aber wurden hundert Stunden Filmmaterial geschickt zusammen geschnitten.

Aber der Anteil der Regie ist als umso höher einzuschätzen, je weniger er wahrgenommen wird. Bettina Blümner hatte genaue Vorstellungen, welche Themen sie ansprechen wollte und wie sie die Protagonisten zu Aussagen bewegen konnte. Die Leichtigkeit, die dieser Film vermittelt und die Kontinuität, mit der die Spannung aufrechterhalten wird, ist beeindruckend.

Dieser Film erklärt nicht die ganze Komplexität des Erwachsenwerdens, sondern bietet einen Ausschnitt einer emotionalen und überschwänglichen Phase des Lebens.

 

Gesehen von Johannes von Alten

 

2.Rezension:

 

„Prinzessinnenbad" erzählt die bewegende Geschichte über das Erwachsenwerden von drei fünfzehnjährigen Mädchen aus Berlin Kreuzberg und dokumentiert eindringlich ihre Probleme während der Pubertät.

Die drei Protagonistinnen des Films, Klara, Mina und Tanutscha, werden über mehrere Monate von der Regisseurin Bettina Blümner auf ihrem Weg begleitet. Dieser ist, wie zu erwarten, von glücklichen und zugleich traurigen Momenten gekennzeichnet. In dieser entscheidenden Phase der Selbstfindung sucht jedes Mädchen ihren Platz in der Welt und versucht Antworten zu finden auf offene Fragen im Leben. Freundschaft, Liebe, Geschlechterverschiedenheit und Elternrolle sind Themen, mit denen sich die Mädchen neugierig auseinandersetzen und die sie tief bewegen. Auf der Schwelle zur Erwachsenen zeigt der Film exemplarisch, wie jedes Mädchen auf unterschiedliche Weise mit den Anforderungen, die dieses Alter an sie stellt, konfrontiert und fertig wird.

Da ist die blonde Klara, deren Vater die Familie früh verlassen hat und jetzt in Panama lebt. Sie ist diejenige, die von früh an die Schule vernachlässigt und nun auf eine sogenannte „Schwänzerschule" geht. Den ausländischen Jungens ist sie zugeneigt. Ihr Wunsch, der sich im Laufe des Films entwickelt, ist ein eigenes Cafe zu führen.

Klaras engere Freundin, Tanutscha, will ihren Realabschluss machen und Krankenpflegerin werden. Mit den Jungen auf Kriegsfuss, macht sie diese im Chatroom verbal mit großem Redetalent nieder. Und die verantwortungsbewusste Mina, die im Gegensatz zu ihren Freundinnen schon eine fester geformte Vorstellung vom Leben hat. Sie hat eine Beziehung zu einem älteren Jungen und wird von Liebeschmerz geplagt, als dieser ein Jahr nach Südamerika geht.

Die drei Mädchen haben eine eigene, kraftvolle Sprache gefunden, mit der sie sich ausdrücken und in der neuen Welt behaupten wollen. So drücken Sprüche wie „Ich komm' aus Kreuzberg, du Muschi" ihr „streetwises" und rebellisches Verhalten aus. Hinter der scheinbar abgeklärten Fassade verbirgt sich jedoch nur eine natürliche Verletzlichkeit und kindliche Unwissenheit, die der Film sehr schön zu Tage fördert. Besonders, wenn Themen wie Liebe und Partnerschaft angesprochen werden, die über den jungen Erfahrungshorizont der Mädchen hinausgehen. Hinter der Maske der harten Frau offenbart sich aber auch dieses Gefühl des Missverstandenseins von Freunden und Eltern, deren Liebe und Zuneigung sie doch nur suchen und wünschen.

Durch das Eintauchen in die Familienverhältnisse der Mädchen ermöglicht der Film dem Zuschauer auch einen Eindruck über die Eltern selbst und liefert eine Erklärung für das früh angeeignete Erwachsenenverhalten der Mädchen. Die Eltern scheinen mit ihren eigenen Problemen so sehr überfordert, dass sie nicht versuchen, auf die Probleme der Mädchen einzugehen. So scheinen die Mädchen in ihrer eigenen Welt sich selbst überlassen und haben zum Teil die Rolle der Erwachsenen für die Eltern zu spielen.

Aus einem nahezu hundertstündigen Filmmaterial entstand ein liebevolles Portrait über das Erwachsenwerden dreier Mädchen mit großer Persönlichkeit. So verwundert es nicht, dass der Film auch in die Kinoauswertung kommt. Blümner versteht es, die Geschichte der Mädchen atmosphärisch und in lebhaften Bildern zu erzählen. Der dramaturgisch und visuell sehr fiktional angelehnte Dokumentarfilm hat sehr schöne Erzählbogen, die die unterschiedlichen Handlungsstränge der ausdrucksstarken Protagonistinnen immer wieder gekonnt verknüpft und miteinander verwebt bis zur Auflösung am Ende.

 

Gesehen von Roderik Helms