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Solothurn Menschen stehen Schlange

Schlange vor Abendkasse beim Festival in Solothurn

Wer einen Film hochwertig produziert hat, möchte sicherlich erreichen, dass dieser auch die nötige öffentliche Anerkennung und vielleicht auch einen Filmverleih findet.

 

A Festivals

Ein beliebter Weg dorthin sind Filmfestivals. Doch wie kommt ein Film dort überhaupt hin? Hier muss man sicherlich zwischen den großen internationalen A Festivals und den kleineren B und C Festivals unterscheiden. Die A Festivals interessieren sich weitgehend für Top Regisseure und deren jeweils neueste Arbeiten. Sie beschäftigen in der Regel Programmer, die ähnlich wie Kuratoren eines Museums herumreisen um Filme zu sichten.

 

Die jeweiligen Exportorganisationen wie German Films, Swiss Films oder Austrian Film Commission organisieren für wichtige Festivals auch gebündelt Sichtungstermine an denen dann ein Programmer/ eine Programmerin Filme sichtet.

 

Zuschauer beim Münchner Filmfest im Kinosaal

Zuschauer beim Münchner Filmfest, hier im Carl Orff Saal des Gasteigs

Manchmal erhalten sie Zusagen von den Regisseuren, die dann wieder einkassiert werden. Besonders die verschiedenen Agenten, die sich um den Vertrieb einzelner Filme kümmern, erschweren vieles bei Einreichungen.

 

Oft kämpfen große Festivals regelrecht um die jeweils neuesten Filme renommierter Regisseure Regisseurinnen. Manche Regisseure lassen sich sogar dafür bezahlen, wenn sie persönlich bei einem Festival erscheinen und den Film vorstellen. Grosse Festivals zahlen also durchaus grössere Beträge für eine gewisse Promi-Präsenz.

 

Manchmal helfen auch Retrospektiven der Regisseure oder hochdotierte Wettbewerbe, die Urheber anzulocken.

 

B und C Festivals

Doch wie ist es für Newcomer, für Jene, die noch keinen Namen haben und die versuchen müssen, sich aus der Flut der vielen Einreichungen bei Festivals abzuheben. Was muss man bedenken, was sind Tipps? Nun inzwischen hat praktisch jedes Festival ein eigenes Formular auf seiner Homepage über welches man alle technischen Daten, Namen sowie Kurzinhalt und Fotos hochladen kann. Oft sogar einen Screener für die Auswahl. Es gibt aber auch Webseiten die den eigenen Film automatisch bei vielen Festivals anmelden, so beispielsweise www.filmfestivals.com oder www.reelport.com.

 

Gewissenhaft prüfen, dann einreichen!

Doch man sollte sich nichts vormachen, Festivals haben hohe Ansprüche, sie wollen nur die besten Filme zeigen. Außerdem erheben immer mehr Filmfestivals Anmeldegebühren, so genannte "entry fees", einerseits um eine gewisse Abschreckung auf nicht ernsthafte Produktionen auszustrahlen, andererseirs aber auch als Teil ihrer Finanzierung. Deshalb gilt: Bitte nur Filme zu Festivals einreichen auf die man stolz ist und nicht das Hobbyvideo vom Strandurlaub. Früher gab es bei großen Festivals etwa 150 bis 200 Einreichungen, was schon allein daran lag, dass Film sehr teuer war und deshalb nur begrenzt Titel entstanden. Heute können es bei den gleichen Festivals gut und gerne 800 bei manchen Festivals sogar 6000 Titel sein.

 

Mehr Einreichungen als je zuvor

Das stellt die Festivals vor logistische Probleme. Wer soll so viele Filme eigentlich sichten? Und wer hat die Kraft und Fairness, angesichts von einer im Durchschnitt deutlich schlechteren Auswahl, noch mit gleicher Aufmerksamkeit jeden einzelnen Film anzuschauen? Die meisten Programmer sind sich einig: Die Qualität hat nachgelassen. Es gibt einfach trotz der deutlich höheren Zahl von Einreichungen nicht deutlich mehr starke Filme, die ein Festival unbedingt zeigen möchte. Nachwuchsfilmer sollten so eine Einreichung auch als Chance begreifen und nicht jeden Quatsch einschicken. Man sollte versuchen, einen richtig guten Film zu machen, gut bedeutet vieles, Gestaltung, Botschaft und Handschrift.