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Himmel Feld 4000

 

Darf man Künstler wegen des Angriffs auf die Ukraine pauschal mitverurteilen? Wir alle verurteilen diesen Krieg und unsere Gedanken sind bei all den Menschen, die unter diesem furchtbaren Unrecht leiden.

Ein herausragender Film mit dem Titel "Abteil Nr. 6" wird nun nicht gestartet. Darüber wie menschenverachtend dieser Angriffskrieg auf die Ukraine ist, muss sicher nicht diskutiert werden. Aber wenn ein finnischer Film (Regie: Juho Kuosmanen), der hervorragend und verdientermaßen Oscar Beitrag ist, vom geplanten Kinostart ausgeschlossen und die Premierenveranstaltung abgesagt  wird, weil der Hauptdarsteller, Yuriy Borisov, ein Russe ist, dann handelt die betreffende Kinokette CineStar blind. Der Film war sogar in drei Bereichen für den European Film Award 2021 nominiert, darunter auch Seidi Haarla als beste Hauptdarstellerin und Yuriy Borisov als bester Hauptdarsteller.

Es wird vollkommen verkannt, dass es neben Wissenschaftlern vor allem Künstler sind, die in Russland trotz aller Gefahren, politisch verfolgt zu werden, Kritik äußern an diesem Krieg. Hauptdarsteller Yuriy Borisov und auch die russische Koprodudzentin des Filmes, Natalia Drozd.Makan, haben einen offenen Brief unterzeichnet der "Nein zum Krieg" überschrieben ist. Es ist doch nicht völlig pauschalisiert das russische Volk, welches diesen Krieg gewollt und angezettelt hat und sind erst recht nicht die vielen Filmschaffenden und Künstler*Innen, die sich explizit davon distanzieren und Widerstand leisten.

Zudem ist der betroffene Film "Abteil Nr. 6" geradezu ein Aufruf zur Völkerverständigung, zum sich Einlassen auf Andere, zum Frieden.

Ein undifferenzierter Boykott russischer Künstler*Innen trifft häufig die Falschen. Es ist nicht die Herkunft, der Menschen, sondern ihre Gesinnung, ihre Menschlichkeit, ihre Empathie, die zählen, wenn man denn politische Zeichen setzen will. Der Boykott verurteilt in diesem Fall Menschen auf Grund ihrer Herkunft und verhindert, dass ein starker, zauberhafter Film der sich ganz klar für das Zuhören und für ein Miteinander positioniert, ein Zeichen setzt in einer ungewohnt beunruhigenden Weltsituation.