Alte Objektive

Fotoobjektive

Dereinst mal sehr teuer und eigentlich gut in Form- Foto- Objektive, aber können sie auch HD?

Die immer preiswerteren digitalen HD Kameras schüren in den Anwendern Träume vom preiswerten Produzieren hochwertiger Filme. Wenn man alle nicht zu vernachlässigenden Aspekte wie gutes Drehbuch, gute Besetzung, gute Kameraführung, Licht und Regietalent einmal außer acht lässt und lediglich die Kameraseite betrachtet,- wie steht es da um die Chancen, billig Spitzenqualität zu erzeugen? Immer mehr preiswerte Kameras bieten Wechselbajonette an. Wie sieht es mit der Verwendung älterer Objektive aus?

Auf der Kameraseite sind tatsächlich bedeutende Fortschritte erzielt worden, theoretisch kann man mit DSR Kameras oder HD Videokameras visuell erstaunliche Ergebnisse erzielen. Je mehr professionelle Ansprüche man allerdings stellt, desto dünner wird das Eis.

 

Chipgröße

Hier sind die signifikantesten Fortschritte festzustellen, immer mehr Kameras bieten große Sensoren an, hier sind APS-C oder größere Bildsensoren inzwischen zu erschwinglichen Preisen zu haben und die geringe Schärfentiefe, die man als ein Bestandteil des Kinolooks betrachtet, wird damit möglich. Größere Sensoren lassen zudem höhere Lichtempfindlichkeit ohne Bildrauschen zu.

 

Belichtungsumfang

Hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen, Werte von 14 Blendenstufen wie sie die Alexa von Arri ermöglicht, sind für die preiswerten Kameras noch unerreicht, was bedeutet, dass der Aufwand, ein gut ausgeleuchtetes Bild zu erzielen deutlich höher ist, schließlich müssen hier unter Umständen Kontraste abgemildert werden, die für eine Alexa oder F35 gar kein Problem darstellen würden.

 

Preiswertere Kameras verarbeiten eher 8 oder 9 Blenden Kontrastumfang. In der Realität kommen aber Helligkeitsunterschiede von durchschnittlich 15, 16 Blendenstufen vor.) Sind die Lichtverhältnisse aber günstig, (der berühmte helle, mit leichten weißen Schleierwolken verhangene Himmel, der weiches Licht ohne direkten Sonnenschein auf das Außenmotiv wirft) kann man selbstverständlich ohne großen Aufwand sofort hervorragende Aufnahmen erzielen.

 

Objektive

Ein schwieriges Kapitel, weil eine Menge Faktoren eine Rolle spielen. Es beginnt eigentlich schon damit, dass die Ansprüche von digitalen Kameras, was die Objektive angeht, höher sind, als bei analogem Filmmaterial. Häufig werden die günstigen Preise für gebrauchte Optiken auf ebay vermischt mit der Entscheidung, welches Kamerasystem man sich für seine HD-Filme zulegen will.

Vielleicht hat man sogar noch ein paar Objektive aus alten Zeiten im Schrank liegen, so wird die Entscheidung zu einer Canon, Nikon, Sony oder andere DSR Kamera je nach Objektivmount ausfallen. Doch Vorsicht,- nicht alle Linsen, die für analoge Fotografie okay waren, sind digital zu gebrauchen.

Filmobjektive

Satz Filmkamera-Festoptiken von Taylor Hobsen - Preiswerte Alternativen für HD?

Grundsätzlich muss einem klar sein, dass alle Objektive mehr oder weniger große Abbildungsfehler haben. Die Hersteller bemühen sich, diese Fehler durch besondere Glassorten, hochwertige Vergütungen und spezielle Konstruktionsweisen zu kompensieren, damit man sie nicht bemerkt. Gemeint sind Phänomene wie das Abnehmen der Schärfe und Helligkeit von der Mitte zu den Rändern hin. Auch die chromatische Abberation spielt hier eine Rolle, sie ist am stärksten an den Bildrändern und bei kontrastreichen Motiven, - man korrigiert diese durch die Verwendung sogenannter ED-Gläser aus.

 

Bei modernen Objektiven für digitale Kameras werden teilweise die Informationen über die Bildfehler digital an die Kamera übermittelt, damit die Elektronik der Kamera teilweise die Abbildungsfehler auskorrigiert. (Funktioniert zumeist nur bei Einheit von Objektiv und Kamera vom selben Hersteller oder diese einem gemeinsamen Standard verschiedener Hersteller entsprechen wie Four-Thirds-Standard.) Derartige Informationen übermitteln alte Objektive schlichtweg nicht, das heißt, die Fehler, die sich nicht durch die Konstruktion des Objektivs korrigieren ließen, landen auf dem Sensor und damit im Bild.

Chromatische Abberation 2

Unschöne violette Farbsäume durch chromatische Abberation,- nur bei intelligenten Objektiven korrigiert die Kamera diese Fehler elektronisch

Hinzu kommt, dass die lichtempfindlichen Dioden auf den Sensoren anders auf Licht reagieren, als dies ein analoger Film tut. Sie reagieren streng genommen nur auf Lichtstrahlen, die genau senkrecht auftreffen. Analoger Film hat auch seitlich auftreffendes Licht zur Belichtung (Schwärzung im Negativ) nutzen können. Moderne Objektive für digitale Kameras sind deshalb so konstruiert, dass sie möglichst viele Lichtstrahlen senkrecht auf den Sensor lenken (z.B. telezentrische Objektive).

 

Alte Objektive sind dafür nicht optimiert, ein stärkerer Lichtabfall zu den Rändern hin ist die Folge. Je weiter der Bildwinkel des Objektivs ist, desto eher taucht dieses Problem auf. Weitwinkelobjektive sind deshalb stark betroffen, Teleobjektive, die ohnehin nur einen engen Bildwinkel haben, haben da weniger Probleme.

 

Außerdem reflektieren die Kamerasensoren das auftreffende Licht auch zurück in Richtung Objektiv, so entstehen Streulicht-Effekte. Insbesondere ältere Objektive sind auf dieses Problem hin nicht optimiert, der analoge Film reflektiert viel weniger als ein Kamerasensor.

Viele Abbildungsfehler verschwinden bei der analogen Aufnahme irgendwo zwischen den tanzenden Farbpigmenten und den sanften Unschärfen an den Kanten der Objekte im Bild. Digitale Kamerachips halten mit ihrer hohen Bildauflösung die Bildfehler gnadenlos fest.

 

Faustregel

Grundsätzlich kann man sagen, dass man bei der Verwendung älterer Objektive für analoge Kameras mehr Probleme bei lichtstarken und oder weitwinkligen Objektiven hat.

Man kann also durchaus mit Normal und Teleobjektiven arbeiten, die erst ab Blende 2,8 und höher beginnen.

 

Handling der Objektive

Ein weiterer Wehrmutstropfen der alten sowie neuen Fotoobjektive- Der Schneckenantrieb für die Scharfstellung nutzt nur einen Teil des Weges. Filmobjektive nutzen fast den kompletten 360 Grad Weg zum Scharfstellen, das erleichtert es den Kamerassistent-inn-en, die Schärfe mitzuziehen. Dieses Manko lässt sich bei Fotoobjektiven nur teilweise durch die Untersetzung mit einem Follow-Focus kompensieren.

Außerdem ist die Drehrichtung von Filmobjektiven anders herum als bei Foto-Objektiven, auch hier muss man umdenken.

 

Sorgenkind Auflagemaß

Auflagemaß

Auflagemaß: Abstand zwischen der Auflage des Bajonetts (oder Schraubgewindes) und der Filmebene, hier bei einer Aaton-XTR-Kamera

Bei Kameras mit Wechseloptik kann es immer wieder vorkommen, dass die Feinabstimmung der hinteren Schärfe nicht optimal mit der Kamera übereinstimmt. Dann stimmt das Auflagemaß der Optik nicht mit dem der Kamera überein. Man kann sowohl das Auflagemaß der Kamera als auch das des Objektivs justieren. Das Auflagemaß der Kamera ist der Abstand zwischen der Auflage des Bajonetts (oder Schraubgewindes) und der Filmebene (dem Filmmaterial hinter dem Bildfenster). So ein Abstand kann je nach Bajonett und Kameratyp zum Beispiel 5,2 (Arri SR 2 & 3), 4,0 (Aaton) oder 5,715 (Panavision) Zentimeter betragen. In der Regel ist das Auflagemaß einer Kamera entsprechend dem Bajonett werksseitig mit sehr enger Toleranz (max. 0,02mm) justiert und sollte bei allen Kameras des gleichen Bajonettsystems gleich sein. Sollte es dennoch nicht stimmen, so kann man bei manchen Kameras mit Hilfe einer Messuhr, bei den meisten nur mit einem Collimator kontrolliert werden. Zum Ändern und Justieren verwendet man extrem dünne Unterlegscheiben (0,012 - 0,15 mm), die es vom Hersteller gibt. Je geringer das Kamera-Auflagemaß ist, desto besser kann man ggf. per Adapter andere Objektivsysteme (z. B. Fotooptiken) verwenden. Doch weitaus häufiger als das Kamera-Auflagemaß korrigiert man jenes bei den Objektiven.

 

Wie macht sich eine Abweichung bemerkbar?

Je kleiner das Filmformat ist und je größer es später projiziert wird, desto kritischer ist die Feinabstimmung des Auflagemaßes. Es ist nicht so, dass man mit einer Optik, bei der das Auflagemaß nicht stimmt, nicht drehen könnte. Solange man die Schärfe nur durch den Sucher über die Mattscheibe einstellt, ist die Gefahr von Fehlern gering. Sobald aber ein Kameraassistent die Schärfe zieht, oder man sich selbst auf die Skala am Objektiv verlässt, treten Probleme auf. Das Resultat ist, dass die Werte auf dem Schärfering nicht mit der tatsächlichen Schärfe übereinstimmen.

 

Messgeräte für Filmkameras

Arri-Standardfassung

Arri-Standardfassung (16 St) eines Cooke-Objektivs, der äußere silberne Ring bestimmt das Auflagemaß

Profis prüfen daher im Leihpark beim Entleihen die Optiken an einem Messgerät, dem sogenannten Auto-Collimator. Das ist ein stationäres Tischgerät (Einstellbank), in welchem man die Optik überprüfen kann. Es gibt auch transportable Messgeräte (Field Collimator) für den Drehort. Das Problem: Trotz festgelegter Normen für das Auflagemaß kann es vorkommen, dass man bei einem Kamerawechsel die Objektive wieder neu einstellen muss. Die Wichtigkeit dieses Messvorgangs zeigt sich auch darin, dass der Amerikaner Kenneth Richter 1984 für ein besonders gelungenes Messgerät dieser Art einen Technik-Oscar erhielt.

 

Low-Cost-Testmethode für Filmkameras

Voraussetzung für diesen Test ist, dass die Dioptrieneinstellung am Sucher (Ausgleich für Brillenträger) richtig eingestellt wurde. Das ermittelt man, indem man ohne Objektiv durch den Sucher schaut und die Kamera gegen den Himmel oder eine Lichtquelle richtet. Dann stellt man den Dioptrienausgleich so ein, dass die Einzeichnungen in der Mattscheibe möglichst scharf sind. Dann die Einstellung fixieren! Man prüft mit festen Objekten in 3, 5, 8, 10 Metern Entfernung (Messband verwenden!) jeweils die genaue Schärfeeinstellung mittels Sucher und vergleicht den gefunden Wert jeweils mit dem Entfernungswert auf der Objektivskala. Wenn diese nicht übereinstimmen, so notiert man sich für jeden Wert (3, 5, 8, 10 Meter) die Abweichung auf ein Papier.

 

Wo tritt das Problem auf?

Das Problem einer Abweichung kann sowohl bei Objektiv-Bajonetten als auch bei Schraubgewinden auftreten, wobei letztere durch die Schraubbefestigung noch zusätzliche Toleranzen haben.

 

Korrekturen bei Filmobjektiven

Justierschraube zur Objektiveinstellung

Justierschraube zur Objektiveinstellung

Ohne Messgerät ist die Justage der Optiken ein kleines Abenteuer. Dies sollten nur mechanisch versierte Menschen vornehmen, zu groß ist das Risiko, durch Unachtsamkeit die rückwärtige Linse zu beschädigen. Zunächst sollte man das Objektiv sicher befestigen, so dass man zur Rückseite Zugang hat. Bei vielen Objektiven befindet sich auf der Rückseite eine Öffnung mit einer Einstellschraube. Man arbeitet sich ein wenig vor durch weitere Tests. Um reproduzierbare Ergebnisse zu haben, arbeitet man mit einem System, ähnlich der Uhrskala. Man verstellt diese Schraube in gedachten 5- oder 10-Minuten-Schritten. Dabei kann man mit oder gegen den Uhrzeigersinn justieren. Wenn die richtige Schärfe etwa für 10 Meter auf der Objektiv-Skala als Abweichung 12 Meter anzeigt, dreht man die Schraube im Uhrzeigersinn, zeigt die Skala dagegen einen geringeren Wert etwa 8 Meter, dreht man gegen den Uhrzeigersinn. Nach dem Verstellen wiederholt man den Test und kontrolliert die Übereinstimmung von Schärfe und Objektivring erneut (auf Zettel notieren). So nähert man sich langsam an die optimale Übereinstimmung an.

 

Korrekturen bei Videokameras

Einstellring für Flanschbrennweite

Einstellring (mit Feststellschraube) für Flanschbrennweite

Bei Profikameras lässt sich das Auflagemaß relativ einfach verstellen. Die Objektive haben unmittelbar vor dem Objektiv-Bajonett einen (letzten) Ring mit Feststellschraube, mit der sich das Auflagemaß (in der Videofachsprache auch Flanschbrennweite genannt ) einstellen lässt. Um die Einstellungen vorzunehmen, muss man die Kamera auf ein Stativ stellen und in wenigen Metern Entfernung ein Testbild an die Wand pinnen. Helligkeit der Beleuchtung des Testbildes so wählen, dass die Kameraoptik mit größter (offener) Blende belichtet! Zunächst vergewissert man sich, dass die Optik nicht versehentlich auf Makrobereich gestellt ist. Dann stellt man sein Zoomobjektiv auf längste Brennweite und stellt auf das Testbild scharf. Zurückzoomen auf Weitwinkel! Jetzt die Schraube am Einstellring lösen und mit Hilfe des Ringes scharf stellen! Feststellschraube wieder festdrehen! Zur Sicherheit noch mal lange Brennweite einstellen! Hat man sauber gearbeitet, ist das Testbild scharf.

 

Workshops 2019

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen.

 

26-10--2019 12:00 pm - 27-10--2019 16:00 pm

09-11--2019 12:00 pm - 10-11--2019 16:00 pm

30-11--2019 12:00 pm - 01-12--2019 16:00 pm