Produktion von "Schmerzblatt", eine Doku-Fake einer Gruppe Studierender des Studiengangs Film & Fernsehen der mhmk München

 

Doku-Fake, oder auch Mockumentary genannt, ist ein eigenes Genre ohne eigene Genreregeln. Es bedient sich vorhandener Regeln, die im dokumentarischen Arbeiten der Medien entstanden sind, und kopiert diese, ohne die Realität abzubilden.

 

Doku-Fakes übernehmen lediglich die dokumentarischen Erzählmuster, den Code und seine gestalterischen Vorgaben und verpacken darin inszenierte Inhalte. Diese Inhalte sind stets bewusst falsch, wollen den Zuschauer ganz bewusst täuschen, ohne dass dieser es zunächst bemerkt. Irgendwann allerdings muss er es bemerken, denn das Genre funktioniert nur dann, wenn der Zuschauer den Schwindel bemerkt. Ist dies nicht der Fall, hat der Zuschauer nur einen weiteren Dokumentarfilm gesehen und die falschen Informationen schlichtweg geglaubt, der Film geriete in eine gefährliche Nähe zu Propagandafilmen.

 

Erzählmuster

Dabei zählt man sowohl klassische dokumentarische Konventionen als auch jene des Fernsehens zu den Werkzeugen der Doku-Fakes. Die Filme und Sendungen, die sich dieser Formen bedienen, erzählen nicht nur den vorgegebenen falschen Inhalt, sondern sie machen auch das erzählende Medium selbst zum Thema, haben also eine starke Selbstreferenz. Ein gefälschter Dokumentarfilm ist also immer zugleich auch eine Dokumentation des Genres "Dokumentarfilm" an sich.

 

Je nach Ansatz kann man die Doku-Fakes unterteilen in Parodie, Kritik oder Dekonstruktion eines Genres oder Formates. Oftmals wird quasi als historische Reminiszenz auf zurückliegende Erzählmuster zurückgegriffen, wie den angeblich objektiv beobachtenden Dokumentarfilm oder die argumentative, beweisführende Reportage. Dabei haben insbesondere die Dokumentarfilmer selbst viel dazu beigetragen, Klischees ihres Genres zu generieren, welche von Doku-Fakes dankbar aufgegriffen werden. Dazu gehören:

Wacklige Handkamera
Such- und Einstellarbeit der Kamera (technischer Zoom) werden mit verwendet
Versteckte Kamera
Unzureichende Ausleuchtung in Innenräumen
Bei historischen Fakes Schwarzweiß-Material
Personen, die den Abbruch der Aufnahme einfordern
Dokumentarstil, der den Zuschauer direkt anspricht
Berichterstatter mit Reportermikrofon (z. B. 421er) in der Hand
Seriöse, wahrheitsevozierende Offstimme (Nachrichten, Wochenschau etc.)

Sachverständige, Wissenschaftler mit Statements

Statistiken, Tabellen, Übersichten

Aufnahmen von mangelhafter Qualität, mit technischen Fehlern, die man im Allgemeinen nur verwendet, wenn es sich um einmalige, unwiederbringliche Originale handelt

 

 

Elemente des klassischen Dokumentarfilms werden aus ihrem Zusammenhang gerissen, werden transformiert und mit anderen, inszenierten Inhalten versehen. Das Erkennen der dokumentarischen Erzählweise gehört dabei mit zum Spiel, welches den Zuschauer in einem permanenten Schwebezustand zwischen Wahrheit und Fiktion hält.

 

Kritik am eigenen Genre

Sinn dieser Doku-Fakes ist es, Medienkritik zu üben und den Zuschauer zu einer kritischen Haltung gegenüber der im Dokumentargenre üblichen Tatsachenbehauptung anzustiften. Nicht wirklich nachvollziehbar ist, dass vom Zuschauer Schwarzweiß-Filmmaterial, meistens als authentischer bewertet wird als Farbfilm.

 

Das Fernsehen selbst kennt die Doku-Fake speziell in den diversen Comedy-Formaten, etwa in der Variante der Nachrichtenparodie. Falsche Nachrichten haben in den 70er Jahren schon Rudi Carell oder etwa "Monty Python's Flying Circus" in ihre TV-Shows eingebettet. Dabei wird auch authentisches Filmmaterial durch falsche Kommentierung oder Neumontage manipuliert. Einer der frühesten Doku-Fakes der Mediengeschichte war vermutlich Orson Welles Hörstück "Krieg der Welten" nach H. G. Wells, in welchem den ahnungslosen Radiohörern von einem teilweise hysterischen, verzweifelten Redaktionsstab die Invasion vom Mars als Live-Reportage dargeboten wurde. Bersonders perfide: Ein scheinbar reguläres Musikprogramm wurde ständig unterbrochen von Sondermeldungen und Liveschalten.

 

Doku-Fakes werden durch den Aspekt, dass das darin Gezeigte möglicherweise eben doch wahr sein könnte, besonders perfide. Dabei kann auch ein echter Dokumentarfilm ja stets nur eine Sichtweise oder nur eine Wahrheit aufzeigen, niemals aber eine absolute Wahrheit, denn die gibt es nicht.

 

Beispiele

"Das Millionenspiel", TV-Show mit Dieter Thomas Heck, WDR 1970,  in der unter Zuschauerbeteiligung ein Kandidat von Killern gejagt und daran gehindert werden soll, in die laufende Sendung ins Studio zu gelangen und die Siegerprämie zu kassieren. Drehbuch: Wolfgang Menge, Regie: Tom Toelle. Auf der gleichen Romanvorlage von Robert Sheckley basierte auch 1982 „Le Prix du Danger“ mit Michel Piccoli. Weil die WDR-Verantwortlichen versäumt hatten, die Rechte an der Vorlage zu erwerben, konnte das Fernsehspiel 30 Jahre lang nicht gesendet werden.

 

"Kubrik, Nixon und der Mann im Mond" von Bart Sibrel behauptet, die Amerikaner seien gar nicht auf dem Mond gelandet und belegt diese These durch authentisches Archivmaterial und Interviews mit Politikern aus der Zeit der Mondlandung.

 

"This Is Spinal Tap" von Rob Reiner, USA 1984- die Geschichte der angeblich lautesten Band der Welt, begleitet von Dokumentarist Marti DeBergi (Rob Reiner)

 

"Hard Core Logo" von Bruce McDonald (1996) erzählt in Tradition von "Spinal Tap" die Geschichte einer angeblich legendären Punkband mit allen Exzessen und Lebensträumen, allerdings hat es diese Band nie gegeben.

 

"C'est arrivé près de chez vous": In diesem Film gibt das belgische Dokumentarfilmteam vor, einen Serienkiller in seinem Alltag zu begleiten, der nach und nach auch aus Morden besteht, an denen das Team zuletzt auch teilnimmt. Remy Belvaux, André Bonzel und Benoit Poelvoorde. Belgien 1992

 

Zelig (Woody Allen, USA 1983) - die Geschichte eines menschlichen Chamäleons, eines Menschen, verkörpert von Woody Allen, der sich gänzlich der Zeit und Situation, in der er auftaucht, anpasst.

 

"Im Fadenkreuz", Fahndungs-Show-Fake von Studierenden der Klasse FF03, Macromedia 2005

 

"Schmerzblatt", Trennungs-Show zur erfolgreichen Zerschlagung glücklicher Beziehungen, von Studierenden der Klasse FF04, Macromedia 2006

 

"Dubois" - Kurzfilm von Daniel Vogelmann, Fake-Dokumentation über ein musikalisches Management-Seminar, HFF München 2005

 

 

Off Limits

 

Wer dokumentarisch arbeitet, kommt immer wieder in Situationen, wo der Zugang zu bestimmten Örtlichkeiten, Veranstaltungen, Ereignissen für normal "sterbliche" Menschen versperrt bleibt. Eine Arbeitserleichterung sind in solchen und anderen Situationen Presseausweise. Darüber hinaus gewähren viele Firmen sogenannte Presserabatte, dies kann beim Auto- oder PC-Kauf bares Geld wert sein. Allerdings gibt es zahlreiche Vereinigungen und Verbände, die hübsch gelayoutete Ausweise gegen Gebühren vergeben, deren Anerkennung jedoch längst nicht überall gewährleistet ist.

 

Nicht überall, wo Presseausweis draufsteht ist auch...

 

Es gibt auf diese Weise Presseausweise wie Sand am Meer, allerdings nur einen bundeseinheitlichen Presseausweis für hauptberufliche Journalisten. Auf der Grundlage einer Vereinbarung mit der Innenministerkonferenz gibt es diesen nur über die beiden Vereinigungen für hauptberufliche Journalisten (DJV, DAG und verdi) sowie die beiden Verlegerverbände (Bundesverband Deutscher Zeitschriftenverleger e. V. und Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e. V.). Seit 2005 wird auch der Jugendpresseausweis der Jugendpresse Deutschland e.V. akzeptiert.

 

Dies ist vor allem eine Schutzmaßnahme, um den Missbrauch des Presseausweises als Gratis-Zugang für Privatpersonen etwa zu Konzerten etc. zu verhindern. Nur beruflich tätige Journalisten, die ihre Tätigkeit nachweisen können, sind berechtigt, überhaupt bundeseinheitliche Presseausweise zu beantragen. Auch Studenten journalistischer Studiengänge sind berechtigt, einen solchen Ausweis zu beantragen. Auf den "offiziellen" Ausweisen ist ein Vermerk des Innenministeriums angebracht, den Inhaber des Ausweises bei seiner Tätigkeit zu unterstützen.

 

Personen, die nur ab und an mal etwas schreiben und veröffentlichen, ansonsten aber einem ganz anderen Beruf nachgehen, haben es etwas schwerer, an einen Presseausweis zu gelangen. Sporadische Veröffentlichungen werden gerne als "Liebhaberei" abgetan. Alle anderen, als die bundeseinheitlichen Presseausweise, müssen einen (möglichst nicht kleingedruckten) Zusatz tragen, dass es sich dabei nicht um den Ausweis der hauptberuflichen Verbände handelt.

 

Nachweis journalistischer Tätigkeit

 

Als Nachweis für die hauptberufliche journalistische Tätigkeit gelten etwa Veröffentlichungen, Bestätigungen eines Verlages, Nachweise des Finanzamtes über Einnahmen aus journalistischer Tätigkeit, Verdienstnachweise, etc. Darüber hinaus kann man auch einen internationalen Presseausweis (IPA) beantragen. Verdi und der DJV versuchen, Journalisten, die einen Presseausweis benötigen, gleichzeitig zu einer Mitgliedschaft zu bewegen. Die Kosten für einen Presseausweis sind etwa bei Verdi bereits im Mitgliedbeitrag enthalten, die Mitgliedschaft ist aber nicht Pflicht. Auch der DJV weist darauf hin, dass auch Journalistinnen und Journalisten, die nicht Mitglied im DJV sind, beim DJV-NRW einen Presseausweis beantragen können. Im Fall der Nichtmitgliedschaft kostet der Ausweis ca. 100 Euro.

 

Darüber, wer einen Presseausweis erhält, entscheiden nicht die Verbände, sondern offizielle Richtlinien. Denn der Presseausweis gilt als amtliches Dokument, das Journalisten bei ihrer Tätigkeit als Legitimation dient.

 

Der bundeseinheitliche Presseausweis

 

Über die Gewerkschaft Verdi: Bei Mitgliedschaft ist der Presseausweis nach Nachweis der Tätigkeit kostenlos, Nichtmitglieder zahlen 100 Euro Gebühr. www.verdi.de/bw/fb8/presseausweis

 

Über den deutschen Journalisten-Verband: Für Mitglieder ist der Ausweis kostenlos, Nichtmitglieder zahlen 100 Euro Gebühr. www.djv.de

 

Bundesverband deutscher Zeitungsverleger: www.bdzv.de

 

Verband deutscher Zeitschriftenverleger: www.vdz.de

 

Jugendpresse Deutschland e.V.: www.jugendpresse.de

 

Neuregelung 2006

 

Wie schnell und wie absolut er sich durchsetzen wird ist noch nicht absehbar, doch ab 2006 gibt es einen bundeseinheitlichen Presseausweis, der von den verschiedenen Presseorganisationen sowie der Innenministerkonferenz der Länder ausgestellt wird. Der Ausweis wird durch Hologramm und fälschungssichere Drucktechniken vor Missbrauch geschützt sein. Den Ausweis kann man nicht verlängern, er muss jährlich erneuert werden. Infos gibt es unter: www.presseausweis.org

 

Sonstige, nicht überall anerkannte Presseausweise

 

Wer hauptberuflich journalistisch tätig ist, muss sich darauf verlassen können, dass sein Presseausweis möglichst überall anerkannt wird. Deshalb ist der bundeseinheitliche Ausweis zu bevorzugen. Darüber hinaus bieten aber diverse andere Verbände, von denen es etwa 30 allein in Deutschland gibt, eigene Ausweise an. Hier einige Beispiele:

 

Mitgliedschaft im deutschen Presse-Verband. Als Mitglied kann man, bei Nachweis entsprechender Tätigkeit einen Presseausweis beantragen. Mitgliedschaft: 68 Euro, Ausweis: 20 Euro (www.dpv.org)

 

Bildungs- und Förderverein Deutscher Jugendmedien e.V.: www.bvdj-online.de

 

Deutscher Fachjournalisten-Verband: www.dfjv.de

 

Presseausweise: Österreich, Schweiz

 

Verbände in Österreich

http://www.oejc.or.at/

http://www.jugendpresse.org/

Verbände in der Schweiz

http://www.schweizerpresse.ch/de/index.shtml

 

http://www.jugendpresse.ch/d/index.php?2005

 

http://www.comedia.ch/de/1-Service/Journi-Service/presseausweis.php

 

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