Drucken

Camera Obscura 2000

Das Zelt mit dem Maler musste natürlich zu allen Seiten hin geschlossen sein, damit man die Abbildung, welche durch ein winziges Loch in der Seite auf die Leinwand geworfen wurde, auch erkennen konnte...

 

Eine bahnbrechende Entdeckung, die schon die alten Griechen gemacht haben, hat später die Malerei revolutioniert und den Film erst möglich gemacht...

Schon Aristoteles (384–322 vor Christus) wusste, dass Licht, welches durch ein winziges Loch in einen dunklen Raum fällt, auf der gegenüberliegenden Wand ein auf dem Kopf stehendes Abbild dessen, was auf der anderen Seite ist, produziert. Doch das war nur eine Entdeckung, eine Beobachtung, die auch mehr als tausend Jahre später der Araber Alhazen in einer Theorie versuchte, zu erklären.

Möglicherweise hat diese damalige Erkenntnis sogar Platon zu seinem breühmten Höhlengleichnis inspiriert, bei dem es natürlich nicht um optische Gesetze, sondern um Erkenntnis ging. Doch die Analogie zu den schemenhaften Abbildern, welche die Gefangenen in der Höhle auf der Höhlenwand abgebildet sehen, ist durchaus gegeben.

 

Frühe Anwendungen

Tatsächlich genutzt und zu einer praktischen Verwendung geführt wurde die Camera Obscura erstmals im 13. Jahrhundert durch Astronomen, die damit ohne Blendgefahr Sonnenoberfläche und Sonnenfinsternisse beobachteten. Auch für das Erstellen von Landkarten und Architekturabbildungen kam sie relativ früh zum Einsatz.

Ihren Höhepunkt erlebte die Camera Obscura dann allerdings in der Renaissance. Bis dahin gab es in der Malerei und Grafik nämlich nur Abbildungen der Welt, bei denen alles, was im Vordergrund des gemalten Motivs war, unten im Bild angeordnet wurde und je weiter die Objekte oder Menschen entfernt waren, desto höher im Bild wurden sie angeordnet. Man hat also die räumliche Tiefe in den Abbildungen schlicht als Schichtung nach oben dargestellt.

Die Renaissance mit dem wachsenden Wissensbedürfnis der Menschen brachte dank der Camera Obscura einen Wandel mit sich. Die Idee von der Zentral,- bzw. Fluchtpunktperspektive breitete sich aus, bei der die räumliche Tiefe hintereinander gestaffelt und anhand von Hilfslinien realistischer dargestellt werden konnte. Die Maler wollten endlich perpektivisch richtig abbilden und so nutzten sie die Camera Obscura, um die Orte und Landschaften, die sie abbilden wollten, vor Ort räumlich korrekt zu skizzieren. Leonardo Da Vinci etwa, der legendäre Maler, Forscher und Erfinder, bediente sich schon früh der Camera Obscura.

Die Camera war tatsächlich ein kleiner Raum, genauer ein Zelt oder auch eine Kutsche, welche es möglich machten, im Innern abzudunkeln, sodass die Realität durch ein winziges Loch in einer Seitenwand auf eine gegenüber angebrachte Leinwand oder Papier abgebildet wurde. Dabei wurde das Abbild, genau wie bei heutigen Kameras auch, auf dem Kopf stehend und spiegelbildlich abgebildet. Die Maler und Zeichner skizzierten dieses Abbild und malten dann später in ihren Ateliers die Bilder mit Ölfarbe etc. aus oder fertigten danach Kupferstiche.

Da man in der Renaissance auch schon Linsen herstellen konnte, wurden manchmal bald statt der reinen Lochöffnung bereits Sammellinsen eingesetzt, welche mehr Licht in den dunklen Raum ließen.

Bereits im 17. Jahrhundert gab es kompaktere Camera Obscuras (Johann Zahn), bei denen das Abbild auf eine im 45 Grad Winkel angeordnete Mattscheibe geworfen und so bequemer abgezeichnet werden konnte. Diese waren nicht mehr Zelte sonder Kästen, die man bequemer transportieren konnte. Johann Wolfgang Goethe hatte bei seinen Reisen eine solche kompakte Camera Obscura dabei.

 

Fotografie

Es waren die Pioniere der Fotografie (Joseph Nicéphore Niépce, Louis Daguerre), welche das Prinzip im frühen 19 ten Jahrhundert wieder aufgriffen und sich bei ihren Kameras von diesem Vorbild inspirieren ließen. Die Kameras waren natürlich längst keine kleinen "Räume" mehr sondern kleine Gehäuse und es musste auch Niemand mehr skizzieren, denn eine mit Silberteilchen beschicktete Kupfer bzw. Glasplatte wurde in dem Gehäuse belichtet und zeigte nach dem chemischen Prozess des Entwickelns und Fixierens die Welt in einem Schwarzweiß-Abbild.

Allerdings waren diese frühen Bildplatten so lichtunempfindlich, dass man schnell von dem winzigen Loch der "Lochkamera" weg kam und statt dessen Objektive einsetzte, welche die Fähigkeit hatten, mehr Licht in die Kamera herein zu lassen und trotzdem ein scharfes Abbild auf die Fotoplatte werfen zu können.

Letztlich lagen also die Anfänge unserer heutigen modernen Kameras irgendwo im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.