Übungsfilm, die Erste

Die Drehbuchdozentin, Nathalie Weidenfeld, und die beiden Professoren des Studiengangs "Film und Fernsehen" hatten ihre Filmstudenten bei der Entwicklung der Drehbücher seit Januar unterstützt. Im Mai nun war es an der Zeit, drei der Bücher filmische Realität werden zu lassen:

Für die Szene in einem Krankenhaus-Aufzug muss der rückseitige Spiegel mit einer Matt-Folie überzogen werden, damit sich Scheinwerferlicht und Kamera nicht spiegeln.

Für die Szene in einem Krankenhaus-Aufzug muss der rückseitige Spiegel mit einer Matt-Folie überzogen werden, damit sich Scheinwerferlicht und Kamera nicht spiegeln.

Seit Wochen haben sie fieberhaft geplant, haben Auszüge aus ihren Drehbüchern gemacht, Drehpläne erstellt und Dispos vorbereitet. Für ihre ersten Übungsfilme haben die Filmstudenten des zweiten Semsters Locations gesucht, Drehgenehmigungen eingeholt und Schauspieler gecastet. Die Herstellungsleiterin der m-hmk, Doris Wedemeier, stand den Studierenden des zweiten Semesters bei ihren Vorbereitungen mit Rat und Tat zur Seite. Beim Dreh selbst werden die Studierenden von den Professoren sowie dem seit Jahren mit der m-hmk verbundenen Lehrbeauftragten, Max Plettau, betreut. Drei Kurzfilme sollen parallel entstehen, die vorhandenen zwei Dollys und Schienen müssen gerecht auf die drei Teams verteilt werden. Bei den Drehs machen die Filmstudenten wertvolle Erfahrungen, einige davon wollen wir hier festhalten:

 

Klappe

 

Für den Kurzfilm "Nächstenliebe" benötigt das Team einen Krankenhausfahrstuhl. Es ist ziemlich leicht nachvollziehbar, dass in einem echten Krankenhaus die Fahrstühle keineswegs für Dreharbeiten blockiert werden dürfen. Also entscheidet sich das Team, einen der beiden Aufzüge in der m-hmk für Filmzwecke zu missbrauchen. Um den Betrieb nicht zu sehr zu behindern, wird der Aufzug immer nur in Intervallen kurzzeitig blockiert.

 

Lichtkonzept: Um Spiegelungen zu vermeiden, wird der Spiegel im Inneren des Fahrstuhls mit Mattfolie abgeklebt. Das Team ist bestens vorbereitet: Die Spezialfolie hinterlässt keinerlei Rückstände und ist leicht wieder abzuziehen. Als Lichtquelle dient eine Four-Bank-Fluoreszenzleuchte, die gleichzeitig den Gang beleuchtet (man soll sehen, wie die Hauptperson in den Aufzug einsteigt), als auch in den Aufzug hinein leuchtet. Die tatsächliche Treppenhausbeleuchtung wird ausgeschaltet, die Neonröhren würden einen unschönen Grünstich erzeugen. Fahrstühle sind zwar einfach strukturiert, dennoch bedarf es einigen Geschicks, für die Aufnahmen im richtigen Rhythmus den Aufzug ankommen zu lassen, Türöffnen und -schließen zum richtigen Zeitpunkt zu bekommen. Stephanie Olthoff, die Regiestudentin und Autorin des Drehbuchs, gibt ihren Darstellern, dem Mann einer todkranken Frau und dem Arzt, dem er im Aufzug begegnet, ihre Anweisungen.

Ganz hinten hinter der Glastrennwand soll durch das obere rechte Fenster eine 1,2 KW Arri Daylight für eine

Ganz hinten hinter der Glastrennwand soll durch das obere rechte Fenster eine 1,2 KW Arri Daylight für eine "Kante" sorgen.

Am Nachmittag wird dann in einem echten Krankenhaus weitergedreht, ein Klinikum war so freundlich, einen Krankenhausgang zur Verfügung zu stellen. Der betreuende Professor bespricht mit den Kamerastudenten Manuel Stallforth und Francesco Luggeri das Licht. 

 

Lichtkonzept: Hinter die Glastrennwand wird möglichst hoch oben eine 1,2 Kw Arri Daylight Stufe (mit CTO-Folie auf Kunstlicht gefiltert) aufgebaut und so geneigt, dass die Darsteller bei ihrer Szene auf dem Gang überall eine saubere Lichtkante bekommen. Die Grundidee, die Schauspieler ins Gegenlicht zu stellen und dann nur noch von vorn mit einem Führungslicht und ggf. einer Aufhellung zu arbeiten, wird beim Film häufig verwendet, auch in diesem Fall bewährt sich das Prinzip. Für die Aufhellung kommt wieder eine Four-Bank zum Einsatz, da diese mit ihrem weichen Licht nicht so weit leuchten, muss sie bis ganz knapp zum Bildrand herangeschoben werden.

 

Wohnungen

Schublade, aus der Zeitungsauschnitte quillen

Der enge Wohnungsgang vor der Ausleuchtung und dem Abdecken mit Molton
 

Das zweite Team, welches den Kurzfilm "Augenblick" umsetzt, muss den Drehplan wegen der Wetterbedingungen immer wieder anpassen. Bei schönem Wetter wird draußen gedreht, bei Regen geht es an die Innenszenen. Immer wieder schwierig ist es, Wohnungen als Drehort zu bekommen. Wer will schon gerne ein paar Tage lang aus der eigenen Wohnung ausziehen und statt dessen ein ganzes Team samt Darstellern dort herumwirbeln lassen? Kaum Jemand, der schon einmal ein Filmteam in der eigenen Wohnung erlebt hat, wird diese Erfahrung leichten Herzens wiederholen. Oft genug findet sich einfach keine Fremdlocation, so funktionieren die Studenten notgedrungen ihre eigene Bleibe zum Drehort um. Leider entsprechen diese dann nicht unbedingt den visuellen oder auch organisatorischen Notwendigkeiten. Plötzlich findet sich das Team in einer winzigen Neubauwohnung wieder, die Deckenhöhe ist gering, man kann von oben kaum Scheinwerfer nutzen. Jeder steht Jedem beim Aufbau im Weg herum. Es fehlen Räume, um das Equipment zu lagern, es fehlen Aufenthaltsräume für Team und Darsteller, irgendwie drängen sich alle in der Zwei-Personen-Küche oder im Motiv, einem schmalen Gang.

 

Das Team ist erschöpft, die letzten Drehtage waren lang und es wird klar, wie wichtig eine straffe Setorganisation ist. Wenn man verschiedene Situationen parallel vorbereitet und baut, spart man kostbare Zeit. Da das Team klein ist, arbeitet Regiestudent Matthias Kahnt vor dem Eintreffen der Schauspieler beim Aufbau und Ausleuchten mit. Alle haben Doppelfunktionen übernommen, nur so lässt sich der Dreh stemmen.

In dem engen Gang soll eine Kussszene gedreht werden, bei der von den Hauptdarstellern, Martina Schölzhorn und Normen Sonnleitner, nur Silhouetten vor einem angedeuteten Fensterkreuz-Schatten zu sehen sind.

 

Lichtkonzept: Die gewünschte Nacht-Situation soll lediglich vom Licht einer Laterne oder des Mondes beleuchtet werden. Um diesen Effekt herzustellen, muss mit Hilfe einer harten Stufenlinse (Arri 1,2 KW Daylight) und einem mit Gaffer-Tape geklebten Kreuzes der Schatten eines Fensterkreuzes auf der linken Wand des Ganges abgebildet werden. Damit nicht unnötiges Streulicht trotzdem die Silhouetten aufhellt, müssen die anderen, nicht im Bild sichtbaren Wände sowie der Boden des Ganges mit schwarzem Mollton abgehängt werden. Da das künstliche Laternenlicht-Fensterkreuz aus der Kameraposition recht schmal ist, müssen die Schauspieler sehr genau ihre Positionen einhalten, damit die Silhouetten der Gesichter auch tatsächlich zu erkennen sind. 

 

Kamerakonzept: Kamerastudent Moritz Rautenberg justiert sich per Farbbalken den externen Monitor genau, um sicher zu gehen, dass ihn das Display der HVX 200 HD Kamera nicht täuscht. Zusätzlich misst er mit dem Belichtungsmesser die Helligkeit im simulierten Laternenlicht und achtet darauf, dass die Köpfe der Schauspieler 2-3 Blenden unterbelichtet sind. Wichtig ist bei Nachtsituationen: Es gibt Bildteile, die richtig belichtet sind. Bloß nicht die Blende an der Kamera nach Geschmack zumachen, bis das ganze Bild unterbelichtet ist! Es ist vor allem das Licht-Schatten-Verhältnis und die Lichtrichtung, welche Nacht signalisieren, nicht Unterbelichtung. Wenn man die ganze Szene dunkler machen möchte, kann man das dann in der Postproduktion mit der Farbkorrektur tun. 

 

Weil man während des Drehtages großzügige Pausen gemacht hat und auch die Schauspieler nicht durchgängig Zeit hatten, wird es auch an diesem Drehtag spät. Filmstudent Micha Kaiser, der die Aufnahmeleitung übernommen hat, schickt die Dispo für den nächsten Tag erst um Mitternacht per Mail an das Team.