Hart an der Praxis

Einige Requisiten, die dazu beitragen sollen, das Set, die Wohnung vom menschenscheuen Vermieter Gäberle glaubwürdig auszustatten

Ein für Film- und Fernsehstudiengänge ungewöhnliches Konzept verwirklichen die Studierenden des Studiengangs Film und Fernsehen der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (m-hmk) in München.

Da werden nun bereits zum zweiten Mal seit 2007 mehrere Seminare der Fachrichtungen Kamera und Regie zusammengeworfen und statt theorielastig in der Hochschule, unter professionellen Bedingungen und dicht an der Praxis "On Location" durchgeführt.

Dabei sind die Professoren über zwei Wochen lang selbst vor Ort, was für die Hochschullandschaft sehr ungewöhnlich ist und begleiten die Studierenden im Arbeitsprozess.

Die verschiedenen Arbeitsschritte des Seminars werden als Fortsetzungsreihe an dieser Stelle vorgestellt.

 

Vorbereitung

Schon der Vorlauf stellt für die Studierenden eine besondere Herausforderung dar. Knapp 2 Wochen vor dem ersten Drehtag bekommen sie ein nur in Teilen fertiges, noch unverfilmtes Drehbuch zu einem abendfüllenden Spielfilm in die Hände, aus dem die Regie-Studenten etwa 10 Szenen auswählen.

Handouts mit wichtigen Grundregeln zur Vorbereitung geben den Studierenden ein größeres Päckchen Aufgaben an die Hand. Kreative Hausaufgaben quasi.

 

Buchbesprechungen

Möbel und Requisiten für die Wohnräume des einsamen und kontaktarmen Hausbesitzers Gäberle (so das Drehbuch) wurden von den Studenten zusammengetragen und warten darauf, die Räume zu vollenden.

Es ist fester Bestandteil des Regieseminars, dass jeweils der/die Regisseur-in seine / ihre Szene inhaltlich und dramaturgisch optimiert. Das Buch ist bewusst in einem unfertigen Zustand, keine gesetzte unveränderbare Vorlage, sondern gestaltbar.

Nur wer zu seiner Szene einen straffen Fragenkatalog zu den Filmfiguren beantworten kann, wer sich traut, Abläufe, Dialoge für den optimalen Ablauf der Szene von dem Einstieg bis zu Höhepunkt und Ende hin zu optimieren, zu kürzen und ggf. umzuschreiben, schafft sich die bestmögliche Grundlage für die spätere Umsetzung.

Was ist vor der jeweiligen Szene geschehen? In welchem emotionalen Zustand befindet sich die Filmfigur zu Beginn der Szene? Was will sie in der Szene erreichen? Kernfragen, die Schauspieler zu ihren Rollen und Szenen stellen werden, müssen die Regiestudenten im Vorfeld beantworten können.

Nach der Regiebesprechung geht es zum Kamera-Professor, werden die gefundenen emotionalen und dramaturgischen  Entwicklungen in Bildsprache umgesetzt. Floorplan und Auflösung werden erstellt, Equipment und Ausleuchtung besprochen.

 

Vorbereitungen

Start der Ausstattungsarbeit in der leerstehenden Wohnung. So weiß dürfen die Räume auf keinen Fall bleiben. Kamerastudenten wählen gemeinsam mit Professor Leuthner (Kamera) die richtigen Farben für die Wände aus

Parallel dazu müssen eine Vielzahl organisatorischer Aufgaben geleistet werden, die weitgehend von den Kamera- und Regiestudenten bewältigt werden müssen. Ihre Postpro-Kollegen haben zur gleichen Zeit Seminare in fortgeschrittenem Editing, sie können nur bedingt helfen. Drehpläne müssen erstellt, Drehorte müssen organisiert, Genehmigungen eingeholt und Schauspieler gecastet werden. Catering, Maskenbild wollen geplant sein und all das ohne Gagen zahlen zu können.

Bei allen organisatorischen Fragen steht die Herstellungsleiterin der Hochschule, Doris Wedemeier, beratend zur Seite. Gleichzeitig macht sie "Dampf", die Tage bis zum Drehbeginn werden immer weniger. Bereits jetzt sind aus den sonst üblichen 8 X 45 Minuten Unterricht am Tag Arbeitszeiten geworden, wie sie auch bei Profidrehs üblich sind. Ein ständiges Auf- und Ab aus Zusagen und Absagen, aus gefundenen Lösungen und brennenden Problemen hält die Studierenden in Atem.

Ein zentraler Google-Kalender, auf den das ganze Team zugreifen kann, sowie zahlreiche Dispos und Pläne werden per Mail an alle Beteiligten versandt.

 

Location

Farbtest- die Gesichter der Schauspieler müssen sich gut abheben und die Farbstimmung soll zu der Szene passen

Leerstehende Gebäude, die grundsaniert werden, dürfen die Studierenden für einen Teil der Innen-Szenen verwenden. Solche Gebäude haben den Vorteil, dass man nach dem Dreh nicht wieder alles zurückbauen muss. Doch um die gewünschte filmische Aussage treffen zu können, müssen die kahlen Räume erst angestrichen und eingerichtet werden. Speziell die Kamera-Studenten wissen, dass weiße Wände tödlich sind, um Schauspieler und Räume sinnvoll ausleuchten zu können.

Wer Filme bewusst daraufhin anschaut, wird bemerken, dass die Wände meistens in eher gedeckten, dunkleren Farbtönen gestrichen sind. Das entspricht zwar nicht dem Durchschnitt hiesiger Wohnungen, verhindert aber dass Gesichter sich im weißen Hintergrund verlieren, und dass sich das Scheinwerferlicht wegen der reflektierenden Wände und Decken schlecht steuern lässt.

Um auch verschiedene Stimmungen herstellen zu können, wird der eine Raum mit einem eher grünlichen Grau, der zweite mit einem mehr rötlichen Grau gestaltet.

Zwei Wohnungen im Erdgeschoss, eine als Aufenthaltsraum, die andere als Set, stehen zur Verfügung. Das erlaubt, von Außen durch die Fenster kräftige HMI Scheinwerfer einsetzen zu können. Ein nicht ganz unwichtiges Problem: Es wird Strom gebraucht, das Haus aber vorerst vom Netzt abgeklemmt. Für die Scheinwerfer, aber vor allem auch für ein paar Öfen (unbeheizte Gebäude sind schlimmer als Kühlschränke...) wird dringend Strom benötigt. Zieht Euch warm an, es wird kalt am Set...

 

Kurz vor Drehbeginn

Das letzte Wochenende vor Drehbeginn. Trotz Feiertag und Wochenende finden sich die Studierenden und die Professoren am Samstagmorgen am Set ein, um die Ausstattung durchzusprechen und vorzunehmen.