Professor mit Studierenden

 

Ein Seminar am Original-Filmset, das bedeutet lange Tage, viel Arbeit und jede Menge Erfahrungen. Der zweite Teil (siehe auch: Teil eins) unseres Berichts vom Drehworkshop der Münchner Filmstudenten der Macromedia University erzählt von den großen und kleinen Tricks, den Zufällen und Glücksfällen die einem bei solch einem Vorhaben so über den Weg laufen.

 

Neuer Drehtag, neue Szene. Lena wacht auf, bemerkt, dass Ben auf der falschen Seite des Bettes schläft, sie zieht sich an, nimmt ihre Tasche und verlässt das Zimmer. Was sich so einfach liest, hat es in sich. Es dauert, wie die Stellprobe zeigt, ewig bis der Vorgang abgeschlossen ist. Kein Zuschauer will sich das wirklich in voller Länge anschauen.

 

Soll sie sich wirklich im Bild anziehen oder spart es Zeit wenn sie ihre Sachen in die Hand nimmt und damit geht? Natürlich ist die kürzere Variante besser. In der Stellprobe wird auch noch ohne Emotionen gespielt. Sie findet auf jeden Fall statt mit Text reinlesen (durch Regieassistenz z.B.) oder ohne Emotionen Sprechen (durch die Schauspieler selbst).

 

Studierende drehen eine Schienenfahrt

 

Licht- der Raum ist lichtdurchflutet. Von wo kommt man mit der Kamera? Geht man zur Fensterseite und dreht die Schauspieler auflichtig, also aus Kamerarichtung beleuchtet oder geht man dagegen auf die andere Seite mit der Kamera und dreht gegenlichtig?

 

Kameradozent Volker Tittel ist da eindeutig: Gegenlichtig immer besser! Das bedeutet für die Umbauten: Fensterläden schließen. Jibarm aufbauen. Lichtstreifen der Fensterläden mit Lassoband simulieren. Es geht darum, eine interessante Struktur an der Zimmerwand zu erzeugen.

 

Volker Tittel sieht es pragamtisch: Statt Klebeband wird kurzerhand ein Einkaufskorb vor einen Spot gehängt, der liefert eine perfekte Schattenstruktur und es macht keinen großen Arbeitsaufwand.

 

Einkaufkorb als Schatteneffekt

  Einkaufkorb vor 200 Watt Arri Daylight Stufe als unkonventioneller Schatteneffekt

 

Immernoch ist im Raum zu flaches Licht, zuviel Streulicht wegen der weissen Wände. Normalerweise streicht man für Filmaufnahmen die Wände in dunkleren, gedeckten Farben, das schluckt reflektierendes Licht und hebt die Gesichter der Schauspieler besser hervor. An diesem Set war das nicht möglich, also muss man die ungewünschten Reflexionen in den Griff bekommen. Das bedeutet: Wände abhängen negativ fill. Eine Molton-Fahne wird in einen Gobohead gespannt. Je näher diese am Gesicht ist, desto besser. Der Belichtungsmesser beweist,- die Gesichtshälfte die dunkler sein soll wird dadurch eine halbe Blende dunkler. Filmszenen ausleuchten heißt eben in vielen Fällen auch einfach Licht wegnehmen, abschatten.

 

Professor mit Studierenden

 

Und immer wieder geht es auch darum, was die Filmfiguren motiviert, bestimmte Dinge zu wollen, zu fühlen, auszulösen. Eine höchst individuelle Angelegenheit, nicht nur durch die individuellen Schauspieler-innen, welche die Rolle verkörpern, sondern auch natürlich durch die Rollenvorgaben durch das Drehbuch und die eigenen Umsetzungswünsche.

 

Die kleine Lampe, die im Hintergrund im Bild steht, brennt sehr gelbstichig. Für die Prakticals im Bild, wie man sichtbare Lichtquellen beim Film nennt, sollte man stets Daylight (Tageslicht) sowie Tungsten (Kunstlicht) Glühbirnen dabei haben. Die dürfen auch gerne in LED Ausführung sein, da holt man mehr Helligkeit bei weniger Hitzeentwicklung heraus.


Es zeigt sich, dass es viele Anlaufschwierigkeiten mit dem Jibarm gibt, weil eine Rückbewegung und seitliche Fahrt sehr schwer koordinierbar ist. Das sind zu viele Ungenauigkeiten, auch für die Schärfe. Dass die Studierenden dann dennoch eine gute Bewegung in den Kasten kriegen, beweist einmal mehr, dass es sich lohnt, seine Vorstellungen umzusetzen.

 

Zum Gelingen des Workshops haben ganz entscheidend auch Studierende des vierten Semesters beigetragen, die sich nahtlos in das Team der Zweitsemester eingefügt und ihre Kenntnisse eingebracht haben.

 

Filmstudenten zusammen mit Kameradozent Thomas merker

  Filmstudierende des Studiengangs Film und Fernsehen bei der Bedienung des Remote-Heads eines ABC Kamerakrans zusammen mit dem Kameradozenten des ersten Workshoptages, Thomas Merker