Cinec 2014 Film- und Medientechnik

Schublade, aus der Zeitungsausschnitte quillen

Am Dienstag, dem 23. September, war sie dann auch schon wieder vorbei, die Cinec 2014. Drei Tage voller Kameras, Optiken, Licht und der Suche nach der Technik fürs perfekte Bild. Aussteller aus aller Welt versammelten sich im MOC-Veranstaltungscenter, um ihre neuesten Produkte zu präsentieren und vielleicht sogar einen der beliebten "Cinec-Awards" zu erhalten.

 

Kommunikation ist alles

Fachmessen wie die Cinec sind nicht nur Leistungsshow und Verkaufsmöglichkeit, sie sind, und das wird gerne übersehen, auch die Orte, an denen Anwender und Hersteller in einen regen Dialog treten können.

 

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Längst nicht alle filmtechnischen Geräte entstammen der Praxis. Die Zeiten, in denen Kameraleute wie Sachtler, Weigert etc. ihre Arbeitserfahrungen und die Mängelverwaltung am Set in zukunftweisende Produkte einfließen ließen, sind vorbei. Heute entwickeln auch gerne fachfremde Ingenieure und Designer Produkte, die dann eben auch mal die entscheidenden Features nicht besitzen, die sich die Anwender in der Praxis erhoffen.

 

Kameras von eher fachfremden Herstellern wie Blackmagic oder Aja mussten erst einige mehr oder weniger steinige Umwege gehen, um langsam vom Kameradesign her dort zu landen, wo vielleicht erfahrene Kamerahersteller wie Arri oder Aaton schon lange waren.

Auf der Cinec spricht man miteinander, fachsimpelt, weist auf Stärken und Schwächen hin und kann den Herstellern wichtige Impulse direkt in den Wunschzettel hinein diktieren.

 

Tendenzen

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Man möchte ja immer erspüren, wohin sich die Trends bewegen, was wirklich wichtig wird, wo sich das Investment lohnt. War die Cinec vor vier Jahren plötzlich unübersehbar von 3D-Aufnahmeequipment geprägt, so haben sich die Anbieter des Dreidimensionalen auf ein gesundes Maß wieder reduziert. Es sind eher die Ultra-HD-Formate, die in diesem Jahr verstärkt in Erscheinung traten. 

 

Dem tragen auch die Objektivhersteller Rechenschaft, die schon seit längerer Zeit Aufwind verspüren. Während die digitalen Videokameras nach nur wenigen Jahren technisch möglicherweise abgehängt sind, kann man Objektive über viel längere Nutzungszyklen hinweg behalten, an unterschiedlichste Kameras adaptieren. A Propos adaptieren: Auch viele alte Objektive lassen sich dank der Produkte diverser Anbieter weiter verwenden. Was sich inzwischen auch herumgesprochen hat, ist der Umstand, dass die technische Präzision und Auflösung modernster Spitzenobjektive vielleicht gar nicht den Charme und Charakter alter Objektive erreichen können.

Ebenfalls weniger anfällig gegen den permanenten Modernisierungszwang sind auch die Licht- und Supporthersteller. Stative tragen alle Arten von Kameras, egal, ob analog, digital, hoch- oder ultrahochauflösend, und die Scheinwerfer erleuchten jedes Bild...

 

Bleibendes

Interessant sind immer wieder die Dinge, die von der großen Zeit des analogen Films erzählen: Filmkameras, von denen Niemand mehr neue baut, obwohl in der Welt durchaus noch analog gedreht wird, Anamorphoten und unzählige andere technische Geräte, wie optische Sucher usw.

Ab und zu schaut jemand wehmütig hinüber zur alten 65mm-Arri oder man hört Kollegen darüber fachsimpeln, was eigentlich alles in analogem Film drin steckt, wovon die digitale Welt noch meilenweit entfernt ist.

 

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Preisträger

Sie sollen besonders innovative und herausragende Produkte ehren. Diese intern auch "Technik-Oscars" genannten Preise wurden diesen Dienstag verliehen und es gibt einen großen Gewinner: Arri. 

Die Münchner Firma konnte sogar 2 Awards mit nach Hause nehmen. Zum einen wurde das neue "Arri AMIRA camera system" in der Kategorie Kameratechnologie ausgezeichnet. Dem Benutzer bleibt hier die Wahl zwischen dem Rec709 und LogC selbst überlassen. Rec 709 gibt dem Kameramann den aktuellen Farbstandard im HDTV an die Hand und bietet ihm die Möglichkeit auf dem Monitor relativ genau zu sehen, wie sich die Farben zueinander verhalten. Doch Rec 709 zeige dem Koloristen später deutliche Grenzen auf. Deshalb könne die AMIRA auch direkt auf LogC umgestellt werden, um so im Colourgrading mehr Freiheiten zu haben. Doch den wahrscheinlich größten Fortschritt setzt die AMIRA im Bereich der Look-Up-Tables (LUT). So könne der Kameramann zusammen mit Regisseur und dem Rest der Beteiligten schon in der Pre-Production einen LUT herstellen, bei dem auch der Regisseur seine Wünsche einfließen lassen kann. Dieser LUT wird daraufhin in die Kamera geladen und kann während der Dreharbeiten auch verändert werden. 

So werde dem Missstand entgegengewirkt, dass viele Regisseure in schlechten Farbformaten aufnehmen, da sie die Befürchtung haben, dass ihnen im Colorgrading die Kontrolle über ihr Bild verloren geht. Mit den neuen LUT-Möglichkeiten habe aber jeder schon von Anfang an einen genauen Eindruck davon, wie die Bilder später aussehen werden. 

 

Arri gewann zum anderen mit seinen "Arri/Zeiss Master Anamorphic Lenses" in der Kategorie Optiken. 

 

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Weitere Gewinner waren:

Panther GmbH für: Precision Levelling Track

AATON-Digital für Ihr Tonaufnahmesystem Cantar-X3

Dedo Weigert Film GmbH für ihre fokussierbaren LED-Scheinwerfer mit asphärischen Linsen

Vantage für die Optiken Vantage One

SERVICEVISION BIS SLU für SCORPIOLENS ANAMORPHIC 2X

tectum raum&zeit für NiceDice - ein Anschluss- Befestigungssystem für Kamerazubehör

Screen Plane GmbH für Ultra Macro 3D System

 

Stand der Technik

Doch auch andere Firmen konnten interessante Konzepte aufweisen. RED stellte beispielsweise ein Verfahren vor, in welchem Aufnahmen und Stills in einer Auflösung von 6k festgehalten werden können. Generell ging der Trend im Kamerabereich zu Möglichkeiten die Kamera zu bewegen und so mehr Dynamik in das Bild zu bekommen. 

Neben den bereits bekannten Dolly- und Slidersystemen kamen dieses Jahr unzählige Konstruktionen, die ein Rollen, Schwenken und Neigen voll automatisch möglich machen und das auch bei hohen Geschwindigkeiten. Umgebaute "Segways" wurden als Möglichkeit präsentiert, Handkamera zu nutzen und gleichzeitig schnellen Bewegungen des Objekts folgen zu können. Gesteuert wird das Ganze mit dem Gleichgewichtssinn des Kameramanns. 

Die Bewegung macht auch vor dem Himmel keinen Halt. Oktokopter tragen Kameras zu neuen Horizonten und lassen sich als Extremform der Kamerabewegung ansehen. Doch auch etwas weniger gewagte Systeme, die die Kamera in einem Cage an einem Stahlseil entlang fahren lassen, wurden auf der Cinec präsentiert. Dieses Seilsystem findet bereits bei Liveübertragungen im Sportbereich und bei Konzerten Verwendung. Für interessierte Besucher und die Presse waren vor allem jede Menge Optiken von verschiedensten Herstellern zu begutachten, die allein schon durch ihre Größe beeindruckten.

Die "Cinec" war also auch dieses Jahr wieder ein voller Erfolg und hat Filmemachern bewiesen, dass es neue und überzeugende technische Möglichkeiten gibt eine Vision auf die Leinwand zu bringen.