Die Jungfrau Maria erscheint einer Landvermesserin und bringt deren Leben und eine Großbaustelle ziemlich durcheinander...

 

Regie: Gianni Zanasi, 110 Minuten

 

Mit Alba Rohrwacher, Elio Germano, Carlotta Natoli u.v.a.

 

Die junge Landvermesserin Lucia, gespielt von Alba Rohrwacher hat eines Tages, kurz nach einer vorübergehenden Trennung von ihrem untreuen Mann, auf einem Feld Besuch von der Jungfrau Maria. Diese fordert sie auf, das Bauprojekt für das sie ein Feld vermessen hat, zu stoppen. Allerdings kann niemand außer ihr die Maria sehen. Man kennt solche Elemente aus der großen Zeit des neorealistischen Kinos, aber auch aus Filmreihen wie Don Camillo und Peppone in den 50er Jahren.

 

Lucia zweifelt an ihrem Verstand, hat Angst, verrückt zu werden. Doch die Maria erscheint ihr weiter regelmäßig. Zugleich ringt Lucia um und mit ihrer pubertierenden Tochter, welche das seltsame Verhalten der Mutter nicht begreifen kann. Nachdem die Marienerscheinung immer beharrlicher ja sogar rabiat wird, versucht Lucia tatsächlich die Forderung eines Baustops dem Bauunternehmer mitzuteilen. Dabei wirken viele lustig gemeinte Elemente fast wie Slapstick, das vermeintliche Wunder oder Rätsel der Erscheinung wird selbst vom Filmautor nicht wirklich ernst genommen. Auf der weiten Tastatur einer Komödie wird leider nur eine Oktave genutzt.

 

Die Maria taucht einfach immer wieder mal auf, so wie eine Nachttischlampe ein,- und ausgeschaltet wird,- die Chance, aktuelle Bezüge herzustellen, schließlich wäre Maria heute mehr oder weniger ein Flüchtling aus Syrien, oder die Gegensätze ihrer eher einfachen Herkunft zu den Industriellenkreisen, welche die Großbaustelle vorantreiben, wird komplett vertan.

 

 

Manche Dinge werden nur angerissen, aber nie auserzählt, etwa ein Nebenbogen mit falschen Grundrissen des Areals. Oder einer unerklärlichen Überschwemmung die mit Hilfe von VFX (Computerbearbeitung) die Straßen der Kleinstadt flutet. Da auch dieses Wunder nicht hilft, den Bau zu stoppen, fordert die Maria Lucia auf, alles in die Luft zu sprengen.

 

Ganz am Ende des Filmes beschließen ziemlich aus dem Hut gezaubert, Lucias Mann und ihr früherer Arbeitskollege, zu dem Areal zu schleichen und es in die Luft zu sprengen, was sie ohne größere Überlegung oder Vorbereitung auch tun. Irgendwie wirkt die Rahmenhandlung so, als gäbe es sie nur, damit die Maria erscheinen kann.

 

Der Film ist handwerklich sehr gut gemacht. Kameraführung, Licht, Ausstattung, alles beste Kinoqualität. Doch die ersten 15 bis 20 Minuten des Filmes fallen wirklich schwer, man weiß nicht so recht, was da erzählt werden soll. Es ist der Hauptdarstellerin Alba Rohrwacher (siehe auch Figlia Mia), nicht aber der Geschichte zu verdanken, dass man trotzdem dranbleibt.

 

In den Eingangs genannten Don Camillo und Peppone Filmen spricht auch ab und an die Stimme von Jesus zu dem raubeinigen katholischen Priester Don Camillo. Doch in den alten Schwarzweißstreifen (Regie: Julien Duvivier) geht es um mehr. Es geht um arme Bauern, es geht um existentielle Nöte der Armen, soziale Ungerechtigkeit, es geht um Liebe, Mut und Menschlichkeit. All das haben die Drehbuchautoren leider sträflich vernachlässigt.

 

In der Vorstellung im Münchner Rio Kino anlässlich des Filmfests 2018 saßen viele Italiener, die mit dem etwas vordergründigen Humor sichtlich mehr anfangen konnten und immer wieder gelacht haben. Es hat schon Gründe, weshalb deutsche Komödien im Ausland nicht funktionieren,- es sind wohl die gleichen, weshalb so wenige italienische Komödien in den Nachbarländern in Kinos laufen. Auch Filme können kleine oder auch größere Wunder sein. Aber dafür muss man alle Figuren ernst nehmen, selbst "Erscheinungen". Man braucht vielleicht einfach eine ziemlich italienische Seele, um mit der Geschichte wirklich zufrieden zu sein.

 

(Gesehen von Mathias Allary)

 

Interview mit dem Regisseur Gianni Zanasi

 

 

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Bilder: Standfotos Filmfest München / Pupkin Production srl.

 

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