Das Tagebuch der Anne Frank

Daten

128 Min., Deutschland, Niederlande 2015

REGIE: Hans Steinbichler
PRODUKTION: M. Walid Nakschbandi, Michael Souvignier
DREHBUCH: Fred Breinersdorfer
KAMERA: Bella Halben
SCHNITT: Wolfgang Weigl
MUSIK: Sebastian Pille
SZENENBILD: Volker Schaefer
KOSTÜME: Katharina Ost

DARSTELLER: Lea van Acken, Martina Gedeck, Ulrich Noethen, Stella Kunkat, André Jung, Margarita Broich , etc.

Foto: FilmPressKit

 

Regie: Hans Steinbichler
Kinostart: 3. März 2016

 

Hans Steinbichler führt in die Welt der Anne Frank im Hinterhaus...

Inhalt:

Anne Frank ist ein normales, jüdisches Mädchen in Amsterdam 1942, mit typischen pupertären Problemen, Freuden und Ängsten. Zu ihrem dreizehnten Geburtstag bekommt sie ein Tagebuch geschenkt, was sich fortan stetig füllt. Als jedoch ihre Schwester Margot in ein Arbeitslager abtransportiert werden soll, ändert sich Annas Lage und die ihrer Familie auf einmal drastisch. Überstürzt fliehen sie in ein Versteck in der Firma von Annes Vater Otto. Dieser hat über Monate das Hinterhaus erschaffen, eine geheime Wohnung, versteckt hinter einem Aktenregal. Dort wird die Familie zusammen mit weiteren Flüchtigen sich eine lange Zeit verstecken und Anne beginnt die Erlebnisse in ihrem Tagebuch festzuhalten, einem Werk voll Geist, Hoffnung, Zweifel, Liebe und Geheimnissen.

Dieses Buch wurde nach dem zweiten Weltkrieg veröffentlicht und ist nun vermutlich jedem Schulkind als "Das Tagebuch der Anne Frank" bekannt.

 

Kritik:

Eine weitere Verfilmung der legendären Geschichte des jungen Mädchens aus Amsterdam. Jeden, der das Buch gelesen hat und sich mit Anne identifizieren kann, wird diese Geschichte nicht kalt lassen. So auch mich. Deswegen ist es sehr schwer über diesen Film eine Kritik zu schreiben. Das ist vermutlich auch die Stärke dieser Verfilmung. Der Film holt einen sanft ab und schmeißt einen dann in so einen Mix aus pupertären Emotionen und Spannung, dass man kaum noch Zeit hat, einmal Luft zu holen und sich den Film objektiv anzuschauen.

 

Von der Story her hält sich Steinbichler recht eng an das Buch, so kommt es zu keinen Überraschungen, was bei einer Geschichte, die auf realen Ereignissen beruht, auch wohl unpassend wäre. Die Liebesgeschichte wird dabei jedoch mehr in den Vordergrund gestellt, als es im Buch der Fall war. Trotzdem bleibt der Film kinderfreundlich und spricht die unangenehmen Themen (Sexualität, Erwachsenwerden), die Anne beschäftigen haben, eher oberflächlich an.

 

Die Besetzung wurde mit den beiden Jungdarstellern Lea van Acken und Stella Kunkat als das Geschwisterpaar und deren Eltern, gespielt von Ulrich Noethen und Martina Gedeck gut besetzt und überzeugend gespielt. Auch die Nebenrollen, wie Margarita Broich und André Jung als Ehepaar van Daan, waren durchweg überzeugend.

 

Das einzige, was ein wenig zu kurz kam, war meiner Meinung nach die Beengtheit und die Tatsache, dass die Familien über zwei Jahre lang kein einziges Mal an die frische Luft konnten. Zwar werden Annes "Visionen" Ausdruck ihres Fernwehs, dennoch wurde nicht deutlich gemacht, wie unangenehm es gewesen sein muss, so beengt zu leben. Das lag vermutlich aber daran, dass nicht, wie im Buch explizit aus Annes Sicht erzählt wird, sondern eine Außenposition angenommen wird. Das gibt dem Film aber auch ein durchaus interessantes Element. Man hat die Möglichkeit, zu sehen, wie das Leben war, einfach objektiv zu sehen, wie das Hinterhaus aussah und auch Anne, mit deren Weltansicht das Buch erzählt, und ihre Ansichten und Meinungen von außen zu betrachten.

 

Insgesamt ist der Film von vorne bis hinten faszinierend und spannend. Man fiebert mit den Versteckten mit, obwohl man weiß, was das Ende des Films sein wird. Das macht den Film auf tragische Weise schön, auch wenn man erkennt, inwieweit Annes Wünsche und Träume in Erfüllung gegangen sind. Dass dabei nicht nur die Nähe zu den damaligen Geschehnissen, sondern auch zu Annes Haltung beibehalten wurde, ist dem Regisseur hoch anzurechnen. Empfehlenswert für jeden, auch gut für Schulkinder, die das Buch lesen wollen/müssen.

Gesehen von Theresa Koehnsen.