Komparsen

Eine Welt voller Menschen...

Claus Eberth als Herr Garlei in „Liebe, Leben, Tod“
Claus Eberth als Herr Garlei in „Liebe, Leben, Tod“

Ein ganz gewöhnlicher Drehtag. Herr Garlei, der Weltverbesserer, steht in der vollen Fußgängerzone und mahnt mit seinem Schild, der Wissenschaft nicht zu vertrauen.
Es ist kalt, Ostern, und außer dem Filmteam ist kein Mensch in der Fußgängerzone.

Welch ein Glück, dass wir Komparsen ans Set bestellt haben, die den Eindruck einer gut gefüllten Fußgängerzone vermitteln helfen.

Es gelingt so gut wie nie, selbst wenn welche vorhanden wären, Passanten im Vorder- oder Hintergrund einzubinden. Sie haben keinen Sinn für Film-Kontinuität...

Die Welt ist nun mal voller Menschen. Szenen sehen schnell steril und künstlich aus, wenn etwa außer den beiden Hauptdarstellern niemand sonst in dem netten Straßencafé sitzt. Objektiv gesehen liegt es daran, dass der Aufnahmeleiter gründlich abgesperrt hat und das Café wegen Dreharbeiten geschlossen ist. Um hier also Leben reinzubringen, benötigt man Komparsen (Extras). Auch sie wollen inszeniert, ihre Bewegungen geplant und der Umgang mit ihnen gelernt sein.

 

Nicht nur im Kino...

Beliebt sind nicht nur Spielfilme, auch die nicht enden wollenden Gerichtsshows haben einen unstillbaren Hunger nach Komparsen. Es gibt umgekehrt Komparsen die einen unstillbaren Hunger nach Dreharbeiten haben. Sie telefonieren täglich die einschlägigen Agenturen an oder hängen in der Nähe von Dreharbeiten herum, in der Hoffnung plötzlich vom Aufnahmeleiter oder der Regieassistenz angesprochen zu werden, falls jemand ausgefallen ist oder noch Bedarf an Komparsen besteht.

Der Aufwand, mit Komparsen zu arbeiten, beinhaltet auch eine gute Informationspolitik und Betreuung, damit die oft Berufsfremden auch längere Wartezeiten oder komplizierte Abläufe im Bildhintergrund klaglos bewältigen können. Häufig haben Komparsen auch keinerlei Sensibilität für exakt wiederkehrende Abläufe zur Vermeidung von Anschlussfehlern.

Das Thema ist vielschichtig und man sollte genauer hinschauen um es zu erfassen. Einerseits arbeiten, auch wenn niemand gerne darüber spricht, auch ausgebildete Schauspieler als Komparsen, um irgendetwas zu tun.

 

Von der Nahaufnahme bis zum Teil einer Masse

Wo man als Komparse eingesetzt wird, kann ganz unterschiedlich sein. Es kann eine Handlung im Vordergrund gemeinsam mit den Hauptdarstellern sein, aber ebenso kann es sein, dass man irgendwo in der Masse im Bildhintergrund eingesetzt wird.

Produktionsfirmen, die einen hohen Komparsenbedarf haben, telefonieren nicht mehr selbst mit den individuellen Personen, sondern sie kaufen ganze Pakete von einschlägigen Agenturen. Es gibt Fälle, in denen Agenturen, wie etwa eine nicht unbekannte in München, plötzlich Konkurs angemeldet haben und zahlreiche bereits geleistete Komparseriejobs insbesondere für Münchner Serien-Produzenten blieben unbezahlt.

Komparsen bekommen in der Regel individuelle Aufgaben zugeteilt, während Statisten einfach nur da sind, damit eben im Bild Menschen zu sehen sind.

Für die Planung ist es hilfreich, wenn Komparsen per Handy erreichbar sind. Zu oft gibt es Drehplanänderungen, Verschiebungen etc. Beim Film. Auch werden Komparsen meistens kurzfristig gesucht, was verwunderlich ist, weil Produktionen ihren Drehplan oft längere Zeit vor Drehbeginn schon fertig haben.

 

Regeln und Honorare

Um einen Schulhof nur licht zu füllen benötigt man schnell 50 Komparsen (im Bild sind etwa 20 zu sehen). Nur das Polizeiauto ist übrigens „echt“
Um einen Schulhof nur licht zu füllen benötigt man schnell 50 Komparsen (im Bild sind etwa 20 zu sehen). Nur das Polizeiauto ist übrigens „echt“

Zu den goldenen Regeln, die jeder Komparse beachten sollte, gehört es, unter gar keinen Umständen mit den Schauspielern zu reden, untereinander nur in Aufenthaltsräumen oder abseits vom Set zu reden und nie in die Kameras zu schauen.

Wenn es um die Verpflegung etwa beim Catering am Set geht, werden meistens die Schauspieler und das Team mit Vorrang versorgt, weil diese meistens schnell wieder weiterarbeiten müssen, während die Komparsen mehr Wartezeiten kennen.

Die Honorare schwanken zwischen 0 und ca. 80 Euro, abhängig von der Produktion und dem Aufwand. Manchen Produktionen zahlen Nachtzuschläge, wenn es länger dauert. Zuschläge kann es auch manchmal geben, etwa wenn Komparsen Haustiere mitbringen sollen oder ihr eigenes Fahrzeug etc. Auch das Auftreten in nasser Kleidung (Regenszenen), Body-Makeup oder gefährliche Situationen erhöhen die Tarife etwas.

Für Seminarteilnehmer:
Was man beachten muss, Tricks sie zu koordinieren, welche Beweggründe sie haben, was sie verdienen, wie man sie findet – im Online-Seminar.

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