Wenn Sie die Regie eines Spielfilms vorbereiten, ist es wichtig, dass Sie
für Ihre Filmfiguren einen virtuellen Fahrplan erstellen. Beim realen
Schienennetz einer Eisenbahngesellschaft erlauben die verlegten Gleise nur
ganz bestimmte Abzweigungen, Geschwindigkeiten und Fahrziele. Von jeder Ihrer
Filmfiguren sollten Sie ähnlich klare Vorstellungen haben, wie diese sich in
jeder Phase der Filmhandlung verhalten sollten.
Wenn Sie aus ihrem persönlichen Umfeld Personen kennen, die so ähnlich
wie ihre Filmfiguren sind, dann werden Sie intuitiv wissen, welche
Grundstimmungen und Verhaltensweisen diese in unterschiedlichsten Situationen
an den Tag legen werden.
Ist dies nicht der Fall, so können Ihnen auch einfache psychologische
Grundmuster weiterhelfen, für Ihre Filmfiguren grobe Richtungen vorzugeben.
Für den therapeutischen Einsatz viel zu vereinfachend und problematisch
können die Grundmuster bei der Anlage von Filmcharakteren durchaus hilfreich
sein.
Seien Sie sich bewusst darüber, dass über diese groben Grundformen stets
eine individuelle Persönlichkeit gelegt werden muss, die vom Reichtum der
Unterschiedlichkeit der Menschen geprägt ist. Dann können Ihnen diese
Raster helfen, schlüssige und folgerichtige Entwicklungen zu inszenieren.
Vergessen Sie nicht, dass Regie nicht nur Schauspielführung beinhaltet.
Alle gestalterischen Elemente eines Filmes sollte die Regie im Sinne der
Gesamtwirkung mitbestimmen. Tonebene,
Ausstattung, Kostüm, Farb- und Motivwahl, all
diese Arbeitsbereiche sollten die Filmfiguren optimal unterstützen.
Die zwei vielleicht wichtigsten Typisierungen sind die der
Extrovertiertheit und Introvertiertheit. Die zwei gegensätzlichsten Pole im
Zustand eines Menschen sind der ruhige, stabile Zustand und der unsichere,
labile Zustand. In vielen Filmen lernt man die Figuren zunächst in ihrer
ruhigen, normalen Umgebung kennen, bevor dann etwas Ungewöhnliches eintritt
und die Figuren in jenen Zustand der gespannten Unsicherheit versetzt, der
uns 90 Minuten am Zuschauen hält.
Farben und Elemente extravertierter
Emotionalität in gestörtem Zustand
Die Eigenschaften sind nicht verbindlich, sie sollen Sie beim Lesen
lediglich einstimmen, auf Varianten bringen, die für Ihre Filmfigur geeignet
erscheinen. Die sinnvolle Auswahl ist entscheidend. Kein Mensch durchlebt
alle Zustände gleichzeitig. Die Aufgabe, die richtigen Verhaltensweisen den
entsprechenden Situationen im Drehbuch zuzuordnen, bleibt Ihre Aufgabe. Die
oben genannten Stichwörter können Ihnen dabei helfen, entlang der Route,
die Ihr Film nehmen soll, die richtigen Hinweisschilder aufzustellen.