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Auf diesem Bild ist das Licht für die Kante dominierend und es beleuchtet zu viel, es sollte vorne auf dem Pullover und Kragen gar nicht zu sehen sein

 

Lichtökonomie und Kante

Die Kante (auch Haarlicht oder Kicker) ist eine der drei klassischen Lichtquellen, die bei der 3-Punkt Ausleuchtung einer Person zur Anwendung kommt. Auf Englisch wird sie als Backlight, Rim light oder auch Hairlight bezeichnet. Ihre Hauptaufgabe ist es, die ausgeleuchteten Personen besser vom Bildhintergrund abheben zu können und sie attraktiver aussehen zu lassen. (Die Bilder dieses Kapitels zeigen zur besseren Verständlichkeit unvollständige Lichtsituationen, bei denen lediglich die Kante gesetzt wurde.)

Früher war sie unverzichtbarer Bestandteil jeder Ausleuchtung von Personen, heute ist sie zwar nicht aus der Mode gekommen, doch sie wird anders eingesetzt. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Lichtphilosophien oder auch der Geschmack verändert und viele Kameraleute verzichten ganz auf die Kante oder reduzieren sie so, dass sie nur noch wenig über dem Lichtniveau des Führungslichts oder der Aufhellung liegt. Möglich wurde dies auch durch immer bessere Kamerasensoren und durch das Drehen in Fullframe. Letzteres ermöglicht geringere Schärfentiefe, wodurch man Personen auch ohne Kante optisch sehr gut vom Hintergrund trennen kann. Wir wollen uns mal genauer anschauen, wie sie sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Im Studio hängen alle erforderlichen Scheinwerfer von der Decke, sind in ihrer Position und Höhe verstellbar und erlauben eine recht freie Lichtgestaltung mit Führung, Aufhellung, Kante und Raumlicht. Die schönsten Lichttheorien können aber erhebliche Schwierigkeiten bereiten, wenn man keinen Platz, keine Befestigungsmöglichkeiten für das erforderliche Equipment oder zu wenig Strom zur Verfügung hat. Dann ist sparsamer Einsatz von Lichtquellen gefragt. Ein weiteres Argument für ökonomische Lichtplanung sind die niedrigeren Temperaturen, damit der Raum nicht vor Scheinwerferhitze dampft und den Schauspielern vor jedem Take der Schweiß abgetupft werden muss.

 

Kante

Kante oder auch Kicker genannt. Von den drei Scheinwerfern der 3-Punkt Lichtführung ist nur der Hintere für die Kante eingeschaltet

 

On Location drehen bedeutet, dass die Scheinwerfer meist auf Stativen stehen, die man im Bild oder als Spiegelung in Glasscheiben oder Spiegeln auf keinen Fall sehen darf. Je weniger Stative am Set herumstehen, desto übersichtlicher ist es, desto freier können sich Team und Darsteller bewegen.

Da das Licht für die Kante meist hinter dem Darsteller installiert wird, ist das Stativ gefährdet, im Bild aufzutauchen. Wird nur mit einer Kamera gedreht, so werden die Scheinwerfer für Führungslicht und Aufhellung jeweils im Winkel von etwa 45 Grad links und rechts der Kamera aufgestellt, sodass die Stative der Scheinwerfer nicht im Bild auftauchen.

Häufig genug gibt es in Innenräumen auch Fenster, durch die bereits Licht auf das Motiv fällt. Je nach Intensität kann man durch das vorhandene Licht auch Führung oder Aufhellung ersetzen, um Platz und Strom zu sparen (vielleicht ist das Stromnetz ohnehin bereits an seiner Belastungsgrenze) und das konkurrenzlos weiche Tageslicht zu nutzen.

Eine weitere Möglichkeit, Ressourcen zu sparen, besteht darin, das Führungslicht zu nutzen und mithilfe eines Reflektors von der anderen Seite des Darstellers indirekt aufzuhellen. Der Reflektor kann im einfachsten (und meist auch schnellsten) Fall von Hand ausgerichtet werden oder aber auf einem Stativ befestigt werden. Es vereinfacht die optimale Ausrichtung des Reflektors ungemein, wenn dieser an einem Magic Arm (beweglicher Gelenkarm mit Kugelgelenken) befestigt wird. Ändert der Darsteller während der Einstellung seine Position, so ist es häufig sinnvoll, die Aufhellung von Hand nachzuführen.

Betrachten wir die Kante (auch: Kopflicht, Back Light) etwas genauer. Noch mal zur Erinnerung: Die Kante sollte nach den Lichttheorien aus Hollywoods Glanzeiten einen hellen Lichtrand um den Darsteller herum erzeugen, um diesen vom Hintergrund abzuheben. Ein geschickter Umgang mit diesem Teil der Drei-Punkt-Lichtführung im Zusammenspiel mit dem Führungslicht erhöhte entscheidend die Plastizität der Aufnahme. Gerade der Kontrast zwischen einem weicheren Führungslicht und Aufhellung zu einer harten Kante verbesserte den Bildeindruck. Doch heute macht man sich mehr Gedanken über natürlichen Bildeindruck und logische Lichterklärungen und die Kante wird eher weich und subtil eingesetzt.

 

Kante

Kleine Licht-Einheiten: Da die Kante früher nur einen sehr engen Bereich treffen musste, konnte man mit kleineren, stark fokussierbaren Lichtquellen (Stufenlinser, Fresnel) arbeiten. Der Scheinwerfer für die Kante brauchte nicht so viel Abstand zum Darsteller wie Führung und Aufhellung.

 

Position

Meistens bestimmen die Aufnahmebedingungen, wo Platz für den Scheinwerfer für die Kante ist. Viele Kameraleute setzen die Kante zuletzt, wenn Führung und Aufhellung schon stehen. Der Scheinwerfer soll sich oberhalb und hinter dem Darsteller befinden, kann sogar direkt dahinter sein und vom Darsteller verdeckt werden; ein Winkel von 45 Grad zur Achse "Kamera-Darsteller" ist aber günstiger.

Wenn der Raum hinter den Darstellern gering ist, hat man keine Möglichkeit, durch entsprechende Entfernung und einen passenden Winkel das Scheinwerferstativ außerhalb des Bildausschnitts aufzustellen. In diesem Fall kann man den Scheinwerfer entweder oberhalb der Darsteller anklemmen (z. B. an einem Regal oder Wasserrohr) oder zwischen zwei Raumwände ein Polecat spannen und den Scheinwerfer mit einer Uni-Klemme daran befestigen.

Wer mit wenig Geld auskommen muss, kann auch mit zwei Leitern, über die eine Holzlatte oder ein PVC (Abflussrohr) gelegt wird, über den Schauspielern ein Rig für die Befestigung des Scheinwerfers anbringen. Eine weitere Alternative wäre es, einen leichten Reflektor (z. B. mit Reflektionsfolie bespannter Styropor) in einem entsprechenden Winkel über den Schauspielern an die Decke zu hängen und diesen mit einem Scheinwerfer (Fresnel, Stufenlinser) außerhalb des Bildausschnitts anzustrahlen. Das von der Folie reflektierte Licht bildet dann die Kante für die Schauspieler.

 

Höhe

Wichtig ist in jedem Fall die richtige Höhe. Hängt der Reflektor oder Scheinwerfer zu tief, besteht das Risiko, dass Licht in die Kamera strahlt. Hängen Reflektor oder Scheinwerfer zu hoch, kann es passieren, dass die Kante nicht nur Haar und Schultern, sondern über den Kopf des Darstellers dessen Nase beleuchtet, ein absolutes Tabu! Während diese evtl. den Darsteller selbst in einer Halbtotalen ausreichend beleuchten müssen, braucht die Kante immer nur Hinterkopf und Schulter zu treffen. Ein kleiner Spot mit niedrigerer Watt-Leistung kann dafür völlig ausreichen.

Eine Variante für Nahe bis Halbnahe, den Aufwand zu reduzieren, besteht darin, das Licht für die Kante mit einem Reflektor, der sich vor dem Darsteller befindet, indirekt auch für die Aufhellung zu verwenden. Dafür muss der Lichtkegel des Scheinwerfers für die Kante etwas breiter und die Leistung ähnlich wie die des Führungslichts sein. Auf diese Weise kann man mit zwei Scheinwerfern und einem Reflektor ein Drei-Punkt-Licht realisieren.

Eine weitere Variation liegt vor, wenn durch eine logische Lichterklärung im Raum (z. B. ein Fenster) seitliches Licht auf den Darsteller fällt. Dies kann unter Umständen die Funktion von Führungslicht und Kante gleichzeitig übernehmen. Dann ist ebenfalls nur noch eine zusätzliche Lichtquelle für die Aufhellung erforderlich und der Gesamteindruck ist natürlicher.

Wichtig ist, dass das Licht der Kante die Ausleuchtung von Führung und Aufhellung nicht unangenehm stört. Oft sieht man, wie die Kante sich noch über eine Gesichtshälfte des Darstellers hinweg zieht und diese aufgrund der Grundhelligkeit in diesem Bereich zu Überbelichtung führt. Deshalb sollte man darauf achten, mit dem Scheinwerfer für die Kante möglichst nur Haare und Schultern zu treffen. Anders verhält es sich, wenn die Kante weich geleuchtet ist, dann darf sie die Person auch ein wenig zu den Seiten umschmeicheln.

Wo die klassische Kante von früher noch immer zum Einsatz kommt, sind Corporate Videos (Imagefilme) & Interviews. Auch bei Nachrichtensendungen wird das Hairlight noch immer klassisch gesetzt, um mehr Tiefe im Bild zu erzeugen und die Sprecher*Innen von eingespielten Hintergrundbildern und Videos abzuheben. Auch bei Porträt- und Beauty-Aufnahmen ist die Kante wichtiges Gestaltungsmittel, um Haaren Glanz zu verleihen.

 

Kante heute

Heute wird die Kante meist sehr subtil und einer logischen Lichterklärung (das Fenster hinten links) folgend eingesetzt (KI-Illustration)

 

Für heutige Filme gilt: Die Kante ist weiterhin absolut üblich, doch ihr Stilrichtung hat sich radikal verändert. Das klassische, je nach Haarfarbe eine bis mehrere Blenden über dem Führungslicht liegende, helle und künstliche „Kantenlicht“ aus Hollywoods großen Zeiten oder dem Fernsehen im letzten Jahrhundert ist in heutigen, cineastischen Filmen obsolet geworden. Die Kante wird heute subtiler und motivierter eingesetzt.

Das früher übliche harte weiße Gegenlicht ohne jegliche Lichterklärung, also unmotiviertes Licht, wirkt heute oft billig oder wie aus einer Daily Soap. Regisseure und Kameraleute suchen heute meist einen authentischen, realistischen, dokumentarischen Look, bei dem die Figuren ganz natürliches Licht erhalten. Die Kante erhält heute fast immer eine logische Lichterklärung die in der Szene erkennbar ist, beispielsweise von einer sichtbaren Straßenbeleuchtung, einer Tischlampe oder durch ein Fenster im Raum.

Gleichzeitig nutzen Kameraleute die Kante heute gerne für leichte farbige Akzente (z.B. Blaugrün und Orange). Sie hat dann oft eine wärmere (orange) oder kältere (blaue) Farbtemperatur als das Führungslicht. Statt hart kontrastierend wie früher wird sie heute eher als Wrap-Around-Light eingesetzt. Das rückseitige Licht ist heute oft eher weich, sodass es sich leicht um die Wange oder Schulter der Person schmiegt.

 

Thema: Licht Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Licht. Mehr zu Filmlicht
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