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Übungsfilm 1, die Zweite"Nächstenliebe", jener Kurzfilm, von dem wir bereits im ersten Drehbericht den Krankenhausflur kennen gelernt haben, spielt auch in der Wohnung des Mannes, der im Gewissenskonflikt steht, seiner unheilbar kranken Frau Sterbehilfe zu leisten. Der Drehort war gut gewählt, neben dem Schlafzimmer, in welchem zwei Szenen gedreht werden sollten, gab es noch ein Wohnzimmer, einen Balkon und eine Küche als Aufenthaltsräume für Team und Darsteller. Wer schon einmal unter sehr beengten Bedingungen drehen musste, weiß, wie wichtig die Rahmenbedingungen sind. LichtplanungDie erste Szene des Innendrehs war eine Nachtsituation, also wurde erst einmal das Tageslicht abgehängt, um dann innen ohne Mischlicht in einer einheitlichen Farbtemperatur eine Nachtsituation leuchten zu können. Eine Ehefrau sitzt vor ihrem Schlafzimmerspiegel, die Kamera sieht sie von Hinten, ihr Gesicht spiegelt sich. Im Spiegel ebenfalls zu sehen ist ihr Mann, der sie beobachtet und schließlich zum Tanz auffordert. Darauf gehen beide in den hinteren Teil des Raumes und man sieht sie im Spiegel tanzen. Dass man bei Aufnahmen in den Spiegel äußerst genau prüfen muss, dass nicht versehentlich Kamera oder ein Teammitglied im Bild zu sehen sind, versteht sich von selbst. Wie die meisten Zimmer war auch dieses weiß gestrichen, das macht es natürlich schwieriger, Nacht zu leuchten, weiße Wände reflektieren unkontrolliert. Kamerastudent Manuel Stallforth arbeitete zusammen mit seinem Assistenten Francesco Luggeri mit kleinen Lichteinheiten.
Um nicht alle nicht im Bild sichtbaren Wände schwarz abhängen zu müssen, werden zwei Lichterklärungen, zwei kleine Tischlampen in das Bild gestellt. Die verwendeten beiden Scheinwerfer, zwei Dedolights haben die gleiche Farbtemperatur wie die im Bild vorhandenen Lampen (Prakticals). Eine im Raum hängende Deckenlampe mit China Graspapier-Schirm wirft Schatten. Der Lampenschirm wird abgenommen, die Glühbirne und Fassung wird mit Gaffer-Tape hochgeklebt. Die Dedolights erzeugen zwei Lichtinseln, eine als Führungslicht sowie Kante am Spiegel und die andere hinten im Raum. Da in dem kleinen Raum mit 240 cm Höhe kaum Platz für Lichtstative ist, werden zwei Polecats unter der Raumdecke eingeklemmt und die Dedolights mit Uniklemmen daran befestigt. Damit eine einzelne Dedolight mehrere Aufgaben (Führung/Kante etc.) bei den beiden Personen übernehmen kann, klemmt man kleine Streifen mit Frostfolie bzw. Brushed Silk Folie vor die Tore. So kann man die Intensität und Lichtverteilung einer einzigen Lichtquelle differenzieren. Tipp: Brushed Silk macht das Licht weicher, ohne so viel Helligkeit zu schlucken wie eine Frostfolie. Tag-Szene
Für eine andere Szene, die Tagsüber im Schlafzimmer spielt, wird das natürliche Licht von Draußen genutzt, es soll als Kante dienen. Die Reflektion des Tageslichts durch die weißen Wände nutzt als Aufhellung, und eine aufgestellte Four-Bank Fluorezenzleuchte (mit Tageslicht-Röhren) bildet die Führung. Auch hier wird durch das gezielte Vorhängen von Folien dafür gesorgt, dass das Gesicht des Hauptdarstellers die volle Lichtleistung erhält, während sein Oberkörper das Licht durch eine ND Filterfolie reduziert trifft. Das wäre nicht so wichtig, weil der Hauptdarsteller ein dunkles Hemd trägt, welches das Licht schluckt, aber da ein wichtiges Requisit, ein Kleid der in dem Film schwer erkrankten Ehefrau des Mannes, weiß ist, würde dies zu sehr reflektieren. Deshalb ist das Führungslicht dort abgedunkelt. RegieRegiestudentin Stephanie Olthoff, die auch das Drehbuch zu "Nächstenliebe" schrieb, geht ihre Szenen mit Ruhe und Besonnenheit an. Wie bei ersten Filmen üblich, beschäftigt sie sich auch mit Dingen, die normalerweise nicht Regiearbeit sind. Doch in einem kleinen Team gibt es keine Ausstatter, keine Requisiteure, da legt auch die Regie selbst Hand an. Der Stoff, der sich um Sterbehilfe dreht, ist sehr anspruchsvoll, besonders spannend das Konzept, ganz ohne Dialoge auszukommen. Das bedeutet aber längst nicht, dass hier ein Stummfilm gedreht wird,- die O-Töne, Geräusche und Atmos sind von dramaturgischer Bedeutung. Am Set helfen auch Studenten des höheren Jahrgangs mit, eine gute Gelegenheit, die anderen Jahrgänge kennen zu lernen und Erfahrungen weiterzugeben. Nach anstrengenden Drehtagen, die eine ganze Woche lang gingen, haben die Studierenden des Studiengangs Film an der m-hmk erst einmal Schnittunterricht bei Peter Gardner an Avid-Schnittsystemen und danach Zeit, das Erlernte gleich am frisch gedrehten Material einzusetzen. Danach folgt konsequenterweise Unterricht in Sound-Editing mit ProTools bei Peter Giehl und Sound-Design und Mischung bei Jörg Elsner. Und danach werden die eigenen Filme vertont... Lesen Sie auch: Übungsfilm Team 1, Übungsfilm Team 3 |
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