Bei aufwendigen Actionszenen ist es bereits gang und gebe mit mehreren
Kameras zu arbeiten, aber auch im normalen szenischen Bereich setzt man diese
Technik immer öfter ein.
Jeder der selber schon einmal eine Dialog-Szene zwischen zwei Personen aus
mehreren Blickwinkeln gedreht hat, weis, wie schwer es ist Kontinuität beim
hin- und herschneiden zu bewahren. Da steht der eine Schauspieler mal etwas
weiter rechts oder links, die Hand ist auf dem Tisch, statt auf dem Stuhl,
das Licht bzw. der Sonnenstand haben sich geändert usw. Auch bedeutet es
einen höheren Zeitaufwand, ein und dieselbe Szene mehrmals aus verschiedenen
Positionen zu drehen. Deshalb wird des öfteren auch beim Film (vor allem
natürlich in Hollywood) mit zwei oder mehr Kameras gearbeitet, die die ganze
Szene gleichzeitig aus mehreren Blickwinkeln und/oder Einstellungsgrößen
aufnehmen. Damit dies nicht wie die schnell abgedrehten Daily-Soaps aussieht
(wo man auf aufwendiges Licht und Kameraführung aufgrund von
Produktionskosten verzichtet), braucht es einen Regisseur und einen
Kameramann mit viel Erfahrung und eine gute Abstimmung der einzelnen
Abteilungen Regie, Kamera, Ton, Licht und Bühne.
Anwendung: z.B. Dialogszenen zwischen zwei Menschen
Die Kameras werden für eine Schuss und eine Gegenschussaufnahme gleichzeitig
aufgebaut. Dies erfordert natürlich einen Kompromiss für das Licht, da ja
relativ viel vom Set insgesamt zu sehen ist, und beide Schauspieler
gleichzeitig in eine passende Lichtsituation gestellt werden müssen. Der Ton
hat nun eine Kamera mehr zu beachten, in der er nicht zu sehen sein darf. Die
Schauspieler bekommen den Vorteil, eine Szene nicht so oft spielen zu müssen
und können aufgrund der perfekten Kontinuität ineinander sprechen, was das
Spiel noch einmal flüssiger macht. Bei nur einer Kamera müssten sie für
den Schnitt Sprechpausen lassen.
Verschiedene Einstellungsgrößen:
Anwendung: z.B. Szene, bei der wir die Reaktion des Schauspielers genau sehen
wollen, z.B. durch Sprung von einer Halbtotalen auf eine Nahaufnahme
Die Kameras werden an gleicher Position und Blickrichtung, aber mit
unterschiedlichen Objektiven, aufgestellt. Der Kompromiss für das Licht ist
nicht so groß wie bei verschiedenen Bildwinkeln, und man kann ohne einen
sprunghaft wirkenden Schnitt näher an den Schauspieler heran (oder
natürlich auch umgekehrt von ihm weg ...). Manche Schauspieler bevorzugen
allerdings hier die Aufnahme mit jeweils nur einer Kamera, da sie natürlich
für eine Nahaufnahme anders spielen, als für eine Halbtotale. Der Ton hat
zusätzlich das Problem, für die Nahaufnahme nicht so nah angeln zu können,
wie sonst üblich (man würde Ihn ja in der Halbtotalen sehen). Aber auch
hier kann man eventuell über Ansteckmikrofone bzw. angepassten
Bildausschnitt (Headroom) eine akzeptable Lösung finden.
Mischung der zwei Techniken, z.B. bei langen Szenen:
Der Angeklagte und seine Anwälte lauschen gebannt den Worten des
Staatsanwalts. Dieser verlässt seinen Platz und läuft durch den
Gerichtssaal bis er vor der Anklagebank zum Stehen kommt. Es kommt zu einem
Wortwechsel und entsprechenden Reaktionen der Beteiligten.
So, oder ähnlich, könnte eine Szenerie aufgebaut sein, in der man mit
einer Mischung aus den zwei vorher genannten Methoden arbeiten könnte. Die
Kamera 1 beginnt mit einer engen Dreier und fährt in eine offenere Dreier
zurück. Die Kamera 2 führt im Gegenschuss den Staatsanwalt von seinem Platz
in eine Over-The-Shoulder Dreier.
Um diese Vielzahl an einzelnen Einstellungen bewältigen zu können, wird
dann auch des öfteren ein sogenannter Arbeitszoom (oder Off-Zoom)
eingesetzt, um die passenden Bildausschnitte zu bekommen. Dieser Arbeitszoom
wird so getimt, dass er immer in Zeiträumen liegt, in denen das Bild der
anderen Kamera wichtiger ist, bzw. bereits klar ist, dass in der
Postproduktion zu diesem Zeitpunkt das Bild der anderen Kamera zu sehen ist.
perfekte Kontinuität , dadurch auch mehr Möglichkeiten im Schnitt
angenehmer für die Schauspieler, eine Szene muss nicht so oft gedreht
werden, keine Sprechpausen nötig
eventuelle Kostenersparnis, falls sich durch kürzere Drehzeit die
zweite Kamera + Team rechnet
Nachteile:
Kompromisse beim Licht
Längere Aufbauzeiten vor dem Dreh, wegen Licht, Ton und Kameraführung
eventuelle Mehrkosten, falls sich die 2.te Kamera + Team nicht durch
kürzere Drehzeit ausbezahlt
Wenn man mal genau darauf achtet, entdeckt man vielleicht hier und da
einmal den Einsatz von mehr als einer Kamera. Zum Beispiel in der deutschen
Fernsehserie "Edel&Starck" auf Sat.1 wird des öfteren
erfolgreich mit der Zweikameratechnik gearbeitet. Vielen Dank an dieser
Stelle an den Kameramann Michael Boxrucker, bvk, der bei zahlreichen Folgen
dieser Serie für Licht und Bildgestaltung verantwortlich war. Die
vorgenannten Varianten erläuterte er dem Movie-College in einem Interview.