
Stimme geben
Viele renommierte Schauspieler leihen ihre Stimme internationalen Kollegen, wenn deren Filme für die deutschsprachige Verwertung synchronisiert werden. Doch über die praktischen Abläufe, die Arbeitsbedingungen und Voraussetzungen ist allgemein wenig bekannt. Da in Deutschland sehr viel synchronisiert wird, gibt es entsprechend viel Arbeit, allerdings oft für die immer gleichen Stimmen... In diesem Bereich findet Ihr Berichte über Abläufe, Technik, oder auch einen Insider Bericht von Schauspieler Jan Kurbjuweit wie er neben der Schauspielerei zum Synchronsprechen kam, welche Voraussetzungen diese Tätigkeit erfordert und wie der Arbeitsalltag aussieht.
Vorarbeiten
Bevor es ans Synchronisieren geht, sind umfangreiche Vorarbeiten notwendig. Dazu gehört einmal eine Übersetzung aus der Originalsprache in die gewünschte Zielsprache, in unserem Fall ins Deutsche. Dabei muss vieles beachtet werden, die Emotionalität, der Stil, die Anmutung der Szene und die Haltung der Filmfiguren. Doch das lässt sich so noch nicht sprechen. Es muss aus den übersetzen Dialogen ein Dialogbuch/Synchronbuch erstellt werden, welches die Texte so umformuliert, dass sie von der Länge und von den Lippenbewegungen her passen. Worte, Betonungen und Längen werden dabei angepasst.
Besetzung
Wie bei einem Filmdreh müssen für die verschiedenen Originalschauspieler passende entsprechende Stimmen gefunden werden. Oft gibt es Festlegungen, gerade bei Stars, dass diese nur von bestimmten Deutschen Sprechern synchronisisert werden. Dann muss man die Sprecher disponieren, planen, wann die Synchronaufnahmen mit ihnen gemacht werden können.
Synchronregie
Synchronregisseur müssen mit den Sprecher*Innen gemeinsam eine möglichst stimmige Deutsche Version aufnehmen. Nicht selten sind Synchronregisseure auch selbst Sprecher oder haben selbst schon Synchronbücher geschrieben. Synchronregisseur in Deutschland sind manchmal die Kinder von Synchronregisseuren,- es ist erstaunlich auch wie oft bereits die Eltern von Synchronsprecher selbst diesen Beruf ausgeübt haben. Kurzum, die Synchronszene ist ein wenig wie eine Großfamilie.
Aufnahme

Die Sprecher*Innen befinden sich in einem Aufnahmeraum oder einer Aufnahmekabine, sie stehen vor einem Stehpult auf dem das Synchronbuch ausgedruckt liegt, davor ist ein Mikrofon, meistens ein Großmembranmikrofon mit einem Popschutz und sie sehen auf einer Leinwand bzw. einem großen Flatscreen die jeweiligen Takes, die aufgenommen werden. Jeder Film wird nämlich in einzelne kleine Einheiten zerlegt, an denen man so lange verschiedene Versionen eines Dialogsatzes aufnimmt, bis diese passen. Damit sind die Emotionen, die Lautstärke, die Satzmelodie, ja auch der Atem gemeint.
ADR
Im Gegensatz zu Sprachsynchron (Dubbing), wo aus einer anderen Sprache etwa ins Deutsche übersetzt wird, versteht man unter ADR (Automated Dialogue Replacement) Neuaufnahmen von Dialogen in der gleichen Sprache. Beispielsweise weil es am Set Störgeräusche gab, weil die Regie nicht zufrieden ist mit dem Originalton, weil Schauspieler undeutlich gesprochen haben oder auch, weil man da Informationen unterbringen muss, welche für das Verständnis oder für Veränderungen im erzählerischen Aufbau notwendig sind. Hier sprechen die gleichen Schauspieler wie im Bild auch ihre eigenen Dialoge noch einmal neu.
In Deutschland entstehen übrigens neben Frankreich, Italien und Spanien die meisten Synchronisationen. Anders etwa in den Niederlanden oder Skandinavien, wo man untertitelte Originalfassungen gewohnt ist.
