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Rekorder 4000 

 

Natürlich kauft sich heute kaum noch jemand einen Videorekorder, die Zeiten sind vorbei. Aber viele besitzen noch einen, allein schon, um alte Videoaufnahmen sichten oder endlich digitalisieren zu können. Doch was tun, wenn das Gerät versagt? Es ist schon merkwürdig: Die Lebensdauer selbst hochwertiger professioneller Geräte wird oft durch Materialschwächen relativ banaler Bauteile enorm verkürzt. Wegen ungenügender Stabilität oder zu rascher Abnutzung immer gleicher Materialien landen jährlich Hunderttausende von Videorekordern, Kassettenrekordern und Tonbandgeräten auf dem Müll.

Der größte Feind all dieser Geräte hat einen Namen: Gummi. Man findet ihn als Andruckrolle für den Transport des Bandes (Capstan) oder als Antriebsriemen für Bewegungsübertragungen etwa von Motoren zu Schwungscheiben oder Einfädelmechanismen in praktisch allen Geräten, in denen Ton- oder Videosignale auf Bandmaterial aufgezeichnet werden.

 

Kurzlebiges Material

Rekorder Komplett 4000

 

Längst ist mit Gummi nicht mehr der Naturkautschuk gemeint, der lange teuer importiert werden musste und den Mitte des 19. Jahrhunderts Herr Goodyear durch Vulkanisierung für Reifen verfügbar machte. Gummi wird heute bei der Herstellung mit diversen Zusätzen wie Schwefel oder Weichmachern fast wie Kunststoffe in die gewünschte Dichte, Elastizität und Form gebracht. Bedauerlicherweise wird bei diesem Vorgang die Haltbarkeit der Produkte manchmal außer Acht gelassen.

 

Die Schwachstellen

Die häufigsten Schwachstellen sind einseitig abgenutzte Andruckrollen oder ausgeleierte Gummiriemen. Aber auch Andruckrollen, deren Gummi aufweicht, klebrig oder krümelig wird oder Risse bekommt, kommen immer wieder vor. Das Ergebnis sind Videorekorder, die das Videoband am Rand beschädigen („rädern“), fressen oder gar nicht mehr richtig transportieren. Da manche Servicewerkstätten ihre Leistungen an den Stundensätzen von Herzchirurgen orientieren, werden ständig eigentlich funktionsfähige Geräte als „Lohnt sich nicht mehr“-Kandidaten verschrottet.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Manche Reparaturen erfordern hohes Fachwissen und aufwändige Messtechnik. Und häufig lohnt ein ohnehin billiges Gerät, das bereits eine lange Lebenszeit hinter sich hat, tatsächlich keine aufwändigen Reparaturen mehr. Doch wenn die Fehler nur auf schlecht verarbeitetes Gummi zurückzuführen sind, wäre die Reparatur – etwas handwerkliches Geschick vorausgesetzt – oft selbst mit überschaubarem Aufwand zu bewältigen. Längst müsst Ihr Ersatzteile nicht mehr zwingend vom Rekorder-Hersteller beziehen, diverse Spezialanbieter versenden passende Andruckrollen oder Antriebsriemen auch per Post.

 

Selber reparieren

Wenn also Euer Gerät als „nicht mehr wert zu reparieren“ gilt und die Fehler etwas mit Bandbeschädigung oder fehlendem Transport zu tun haben, könnt Ihr statt es wegzuwerfen versuchen, es selbst zu reparieren.

Aber! Beginnt die Reparatur nur, wenn:

  • Die Garantie für Euer Gerät abgelaufen ist! (Das ist gegeben, weil seit Jahren keine neuen Geräte mehr hergestellt werden)
  • Ihr ein gewisses feinmechanisches Geschick habt!
  • Ihr vor dem Öffnen des Gerätes den Netzstecker aus der Steckdose gezogen habt!

 

Das Movie-College möchte Euch Hinweise geben, da aber Gerätetypen und Fehlerursachen vielfältig sind, können wir nicht für Euren Erfolg bei der Reparatur garantieren. Die Reparatur erfolgt auf eigene Verantwortung und auf eigene Gefahr!

Erster Schritt wäre, das Gehäuse vom Gerät abzunehmen. Dazu benötigt Ihr meistens einen kleinen Kreuzschlitz-Schraubenzieher und viel seelische Kraft, denn so manches teure Amateur-Gerät ist im Innern so primitiv aufgebaut, dass einem der Atem stockt. Früher übliche verwindungsfeste Alu-Druckguss-Chassis sind längst windigen Plastik-Konstruktionen gewichen. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, aber dennoch: Alle Schrauben bitte gut aufheben – in ein Kästchen, eine Tasse etc. –, sie werden wieder benötigt. Schrauben unterschiedlicher Größe getrennt aufbewahren und notieren, an welche Stelle sie gehören. Die obere Abdeckung besteht meist aus Ober- und Seitenabdeckungen, während die Unterseite meist aus einem Bodenblech besteht.

 

Reparatur der Gummiriemen

Gummiriemen von Videorekorder

Gummiriemen für den Antrieb

 

Ob Ihr die obere oder untere Abdeckung öffnen solltet, hängt vom Fehler ab: Wenn Euer Videorekorder das Band zwar einfädelt, dann aber nicht transportiert, könnte es neben anderen Ursachen (z. B. verharzte Schmiermittel) an einem der Gummiriemen liegen, die sich meist auf der Unterseite des Videorekorders befinden. Manchmal ist es zusätzlich notwendig, auf der Unterseite eine Platine zu entfernen oder zur Seite zu klappen. Diese kann mit Schrauben oder durch Plastikclips gesichert sein. Wenn die Gummiriemen sichtbar sind, könnt Ihr deren Zustand leicht mit den Fingern testen. Sind sie lappig, ausgeleiert und haben kaum mehr Elastizität, könnten sie die Ursache für Antriebsfehler sein.

Statt die Motorkraft etwa auf Schwungscheibe (Capstan) oder Kassettentransport weiterzuleiten, rutschen sie durch oder laufen völlig leer. Dann solltet Ihr sie auswechseln. Dazu kann man sie meist einfach von den Rädern abziehen, zwischen denen sie gespannt sind. Die passenden Ersatzriemen könnt Ihr bestellen, oft gibt es sie im Set, die Kosten sind gering.

 

Reparatur der Andruckrolle

Wenn das Videoband am Rand beschädigt („gerädert“) oder geknittert wird, könnte es an der Andruckrolle liegen. Das ist die Gummirolle, welche das Band beim Transport gegen die Metallachse des Capstan-Antriebs drückt. Vielleicht die häufigste Fehlerursache bei Videorekordern. Um hier heranzukommen, muss die obere Abdeckung abgeschraubt werden. Wenn die Andruckrolle abgenutzt, einseitig schräg oder abgeschliffen ist, kann sie die Ursache für Bandbeschädigungen sein. Diese können dann Bildstörungen zur Folge haben.

 

Gummirolle 4000

Achse der Schwungscheibe – die neue Andruckrolle wird auf den Zapfen gesteckt

 

Meist könnt Ihr sie einfach nach oben von der Achse abziehen, auf der sie sitzt. Manche Modelle sind zusätzlich durch einen Plastikstöpsel auf der Achse gesichert, dann muss dieser zuvor entfernt werden. Oder im Inneren befindet sich eine kleine Schraube, die man von oben lösen und die Andruckrolle danach abziehen kann.

Für die meisten nicht zu alten Geräte lassen sich Ersatzteile noch nachbestellen. Die Kosten sind meist überschaubar, da aber einige exotischere Teile etwas teurer ausfallen können, solltet Ihr vorher nachfragen und nur bestellen, wenn Ihr Euch sicher seid.

Achtung: Bildstörungen ohne Bandbeschädigungen (Videokassette anschauen, vordere Klappe öffnen und das Band im Licht betrachten) haben meist andere Ursachen.

 

Und wenn der Recorder ausgemustert werden soll...

Solltet Ihr Euch insgeheim aber freuen, dass die Videokiste fehlerhaft ist und endlich ein Argument haben, Euch einen DVD-Player oder Festplattenrekorder zuzulegen, dann schmeißt den alten Videorekorder nicht weg. Verschenkt ihn lieber über kostenlose Kleinanzeigen, damit jemand anderes sich daraus wieder ein funktionstüchtiges Gerät herstellen kann.

 

Hinweis:

Das Movie-College haftet nicht für eventuell entstehende Schäden an Personen oder Geräten. Da es sich um netzbetriebene Geräte handelt (die Berührung spannungsführender Teile kann lebensgefährlich sein), sind die erforderlichen Schutzmaßnahmen unbedingt einzuhalten.

 

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