
Lange Jahre gab es lediglich grüne, rote oder gelbe LEDs, die hauptsächlich als Anzeigeelemente in Geräten verwendet wurden. Je mehr blinkende LEDs eine Stereoanlage besaß, desto futuristischer wirkte sie auf viele Käufer. Auch die Lichtleistung dieser frühen „Light Emitting Diodes“ war äußerst gering. Das hat sich inzwischen grundlegend verändert: Moderne LEDs erreichen enorme Lichtleistungen und haben sich zu einer der wichtigsten Lichtquellen im Film- und Videobereich entwickelt.
Lange Zeit hielt man es für nahezu unmöglich, weiße LEDs herzustellen. Erst die Entwicklung leistungsfähiger blauer LEDs Anfang der 1990er Jahre ermöglichte den entscheidenden Durchbruch. 2014 wurde die Entwicklung der blauen Hochleistungs-LEDs sogar mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Erst dadurch wurden moderne weiße LEDs und viele heutige LED-Scheinwerfer überhaupt realisierbar.
Die ursprünglich nur zur Signalisierung von Schaltzuständen verwendete LED hat inzwischen Leistungsgrade erreicht, die sie für den Einsatz als Filmlicht hochinteressant machen. Gleichzeitig sollte man einige technische Grundlagen kennen, um die Möglichkeiten und Grenzen der Technologie richtig einschätzen zu können.
Streng genommen gibt es nämlich keine „weißen“ LEDs. Weißes Licht wird erst durch technische Verfahren erzeugt, die unser Auge als weiß interpretiert. Dabei existieren grundsätzlich verschiedene Ansätze.
Zum einen kann weißes Licht durch die Mischung separater RGB-LEDs entstehen. Zum anderen basiert der heute häufigste Ansatz auf blauen LEDs mit einer Phosphorbeschichtung. Ein Teil des blauen Lichtes wird dabei durch den Leuchtstoff in gelbliche Spektralanteile umgewandelt. Die Kombination aus blauem und gelbem Licht erscheint unserem Auge schließlich als weiß.
Moderne professionelle Filmleuchten gehen heute oft deutlich weiter. Hochwertige RGBWW-Systeme kombinieren rote, grüne und blaue LEDs zusätzlich mit warmweißen und kaltweißen LEDs. Noch aufwendiger arbeiten sogenannte Vollspektrum-LEDs oder Mehrkanal-Systeme, die zusätzliche Farbsegmente wie Amber, Lime oder Cyan verwenden. Dadurch wird das Farbspektrum deutlich breiter und natürlicher.
Weiß oder nicht Weiß...

Genau hierin lag lange Zeit eines der größten Probleme von LED-Lichtquellen. Das erzeugte Licht wurde zwar als weiß wahrgenommen, besaß jedoch kein kontinuierliches Farbspektrum wie Sonnenlicht, Halogenlicht oder klassische Glühlampen. Gerade frühe LEDs arbeiteten mit sehr schmalbandigen Spektren. Zwischen den einzelnen Farbanteilen lagen deutliche Lücken. Dadurch wurden bestimmte Farben von Objekten unnatürlich wiedergegeben oder unterschiedlich reflektiert. Besonders Hauttöne reagierten empfindlich auf diese spektralen Defizite.
Dieses Verhalten beschreibt man unter anderem mit dem Farbwiedergabeindex CRI (Color Rendering Index). Inzwischen wird häufig der modernere TLCI-Wert (Television Lighting Consistency Index) verwendet, weil er genauer auf Kamerasysteme abgestimmt ist. Frühere LED-Leuchten erreichten oft nur mäßige CRI- oder TLCI-Werte. Moderne Vollspektrum-LEDs dagegen erzielen inzwischen sehr hohe Werte und liefern deutlich natürlichere Hauttöne sowie bessere Mischbarkeit mit anderen Lichtquellen.
Dennoch bleibt die spektrale Zusammensetzung vieler LEDs anders als bei klassischen Lichtquellen. Während Halogenlicht oder Sonnenlicht nahezu kontinuierliche Spektren erzeugen, arbeiten LEDs meist weiterhin mit einzelnen spektralen Peaks. Je hochwertiger die LED-Technologie, desto breiter und ausgewogener werden diese Spektren.
Besonders problematisch war früher Mischlicht. Wenn LED-Licht mit Tageslicht, HMI, Neonlicht oder Halogen kombiniert wurde, entstanden häufig Farbstiche, die sich nur schwer korrigieren ließen. Moderne RGBWW- und Vollspektrum-Systeme haben diese Probleme inzwischen deutlich reduziert. Film,- und Videokameras reagieren zudem oft empfindlicher auf spektrale Lücken als das menschliche Auge. Licht, das subjektiv neutral wirkt, kann auf der Kamera plötzlich grünlich oder magentafarben erscheinen. Deshalb spielen sorgfältige Tests vor Dreharbeiten weiterhin eine wichtige Rolle.
RGBWW und Vollspektrum LEDs
Eine wichtige Weiterentwicklung sind RGBWW-LEDs. Neben Rot, Grün und Blau enthalten sie zusätzliche warmweiße und kaltweiße LEDs. Dadurch lassen sich Farbtemperaturen natürlicher darstellen und Hauttöne wesentlich besser reproduzieren.
Noch weiter gehen moderne Vollspektrum-LEDs. Sie arbeiten mit zusätzlichen Farbkanälen wie Amber, Mint, Lime oder Cyan und erzeugen ein wesentlich dichteres Spektrum. Dadurch können sie Tageslicht, Kunstlicht oder Mischlicht glaubwürdiger simulieren und liefern deutlich harmonischere Hautfarben.
Gerade im professionellen Filmlichtbereich haben sich solche Systeme inzwischen etabliert. Viele moderne Scheinwerfer von Arri, Aputure, Creamsource, Astera oder Kino Flo nutzen Mehrkanal-LED-Systeme, um die Nachteile früher LED-Technologien zu minimieren.
Mechanische Grundfragen

Auch der mechanische Aufbau der Leuchten spielt eine wichtige Rolle. Wie werden die LEDs angeordnet? Direkt sichtbare LED-Matrizen erzeugen oft Mehrfachschatten, die in Filmaufnahmen störend wirken können. Deshalb arbeiten viele professionelle Leuchten mit Diffusoren oder Reflektorsystemen. Diffusionsmaterialien verbessern die Lichtqualität deutlich, reduzieren allerdings auch die Lichtleistung. Moderne COB-LEDs („Chip on Board“) versuchen dieses Problem zu lösen, indem sie große einzelne Lichtquellen simulieren und sich besser mit klassischen Lichtformern kombinieren lassen.
Auch Kühlung und Gehäusekonstruktion bleiben entscheidende Themen. Entgegen der verbreiteten Annahme erzeugen leistungsstarke LEDs durchaus erhebliche Wärme. Professionelle Filmleuchten benötigen deshalb effiziente Kühlkörper oder aktive Lüftungssysteme.
Viele aktuelle Leuchten besitzen intelligente Steuerungen, DMX-, CRMX- oder App-Anbindungen sowie programmierbare Effekte. Damit lassen sich heute nicht nur Farbtemperaturen, sondern auch komplexe Lichtstimmungen, Animationen oder virtuelle Lichtquellen simulieren.
All dies ist allerdings so komplex, dass sich der Eigenbau von LED-Leuchten nicht lohnt. Trotz aller Fortschritte bleibt Lichtgestaltung weit mehr als reine Technik. Entscheidend sind weiterhin Beobachtungsgabe, Erfahrung und die Fähigkeit, Licht emotional und erzählerisch einzusetzen. Moderne LEDs haben dafür die kreativen Möglichkeiten erheblich erweitert.
