Startseite
Medientage 2002
Nach oben Filmschule Aktuell Community Seminare
 
 
Suche Startseite Druckansicht E-Mail ans Movie-College

Ein Projekt von

Das Movie-College sucht Partner und Sponsoren! mehr...

Auf dieser Seite Verwandte Seiten

Medientage München 2002

Preisgekrönt und kostspielig

Nirgendwo in Afrika oder Vergiss Amerika

TV-Festivals

Weltvertrieb

Festivals

Medientage München 2002

"Umbruch und Neuorientierung im Medienmarkt: Woher kommt das Wachstum der Zukunft?" Diese Frage stellen die Medientage München vom 16.10 - 18.10.2002. Nach dem Zusammenbruch der New Economy und der Kirchpleite ist die Sorge um die Zukunft der Medienbranche schließlich naheliegend. Eine Insolvenz jagt die andere, Pleite um Pleite lässt den großen Entscheidern die Haare zu Berge stehen. Die Medien berichten von ihrem eigenen Untergang. Aber soweit soll es nicht kommen! Mit "guten Vermarktungskonzepten" und "attraktiven Inhalten" möchte man "neue Umsatzquellen" erschließen, wie man dem Editorial der 16. Medientage München entnehmen kann. Ein weiteres großen Themengebiet, dem man sich genauestens widmen möchte, ist die Frage nach der Verantwortlichkeit der Medien gegenüber der Jugend. Mit dem Hintergrund des Erfurter Amoklaufes wird über die ethischen Aspekte der Berichterstattung und deren Ausmaße debattiert. Auch die besondere Rolle der Medien und deren Bedeutung hinsichtlich der öffentlichen Meinungsbildung im Wahljahr wird thematisiert. Die Medientage bieten unter Rubriken wie "Medienpolitik", "Film/Produktion", "Internet" und "Multimedia" Podiumsdiskussionen über verschiedenste Themengebiete an. Teilnehmer dieser Debatten sind u.a. Christiane zu Salm (Geschäftsführerin Neun Live), Helmut Markwort (Chefredakteur FOCUS), Nico Hofmann (Geschäftsführer teamWorX) und Kurt Beck (Ministerpräsident Rheinland-Pfalz). Die Eröffnungsrede hielt Dr. Edmund Stoiber (Ministerpräsident Freistaat Bayern).

Das Movie-College berichtet unter besonderer Berücksichtigung der filmbezogenen Themenbereiche von Podiumsdiskussionen der Medientagen.

Preisgekrönt und kostspielig: Vom "Tunnel" bis zum Jahrhundertroman "Die Manns" - Gibt es eine Nische für anspruchsvolle Unterhaltung?

Am Eröffnungstag der Medientage 2002 treffen sich am Panel 5.1 die großen Fernsehmacher von gestern, heute und morgen (eher gestern und heute) um gemeinsam nach einer Nische für Anspruch im deutschen Fernsehen zu suchen. Teilnehmer an dieser Expedition sind Nico Hofmann (Geschäftsführer teamWorX), Martin Hoffmann (Geschäftsführer Sat1), Hans Janke (stv. Programmdirektor ZDF), Prof. Dr. Horst Königstein (Autor, Regisseur für NDR) und stellvertretend für Sybille Simon-Zülch Thomas Gangloff (Film- und TV-Kritiker). Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Georg Feil (Produzent und Prorektor der HFF München)

Nach einem Vorwort von Bernd Gäbler (Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts), der einmal mehr auf die Ursache und Wirkung der allgemeinen Medienkrise hinweist, bilden sich schon die ersten Fronten. Hans Janke, als Vertreter des ZDF, erklärt, wieso es besonders den öffentlich-rechtlichen Programmen sehr schlecht geht, woraufhin Martin Hoffmann, für Sat1 sprechend, entgegenstellt, dass es die Privaten seien, die auf Grund ihrer Abhängigkeit der Werbung ärger gebeutelt seien. Hier kann Nico Hofmann, der für Sat1 einst "Der Tunnel" produzierte, nur zustimmen. Der allgemeine Tenor ist jedoch "Früher war alles besser". Und als dieser Tenor dann immer lauter wird, fühlt sich der NDR-Dinosaurier Königstein an die gute, alte Zeit erinnert und erzählt ein wenig von den siebziger Jahren, in denen er im Auftrag seines Senders noch Filme für unter 300.000 Mark drehte, die ab und an mit einem Grimme-Preis geehrt wurden.

Heute verschlingen Fernsehfilme wie "Die Manns" oder "Der Tunnel" zweistellige Millionenbeträge und ob dies ein Garant für qualitativ hochwertige Fernsehunterhaltung darstellt, ist eher fragwürdig. Allerdings nicht für die Musketiere an Panel 5.1: "Qualität findet immer sein Publikum", träumt Nico Hofmann.

Qualität wird nun auch von Sat1 verkörpert und zwar durch ein Produkt, das der Sender bescheiden TV-Event nennt. Finden alle klasse. Außer Herr Janke, für den das Wort Event mit zu viel Gedöns verbunden ist. Am Schluss kam man dann  zu dem Konsens, dass die anscheinend unbestrittene Qualität des deutschen Fernsehfilms Bestand haben wird, die Menge der Produktionen jedoch gesenkt werden muss. Oder mit den Worten Gäblers: "Die Spitze bleibt. Nur die Breite der Spitze wird schmäler."

Daniel Vogelmann, 16.10.02

Nirgendwo in Afrika oder Vergiss Amerika

Das erfreulich durchdacht besetzte Panel, veranstaltet vom FFF Bayern, thematisierte einmal mehr das alte Thema, ob und in welchem Umfang deutsche Filme sich im Ausland verkaufen lassen. Entgegen den üblichen Bauchschmerzen hatten sich die Diskussionspartner Optimismus verordnet.

In seiner Einleitung nannte Tom Blieninger (Blickpunkt Film) statistische Indizien für die Verwertbarkeit deutscher Filme im Ausland. Gleich die erste Zahl, 0,65 % = 9,7 Millionen Zuschauer Marktanteil deutscher Filme im US-Kino 2001 stimmte optimistisch, Blieninger ließ die Hoffnungen im Auditorium allerdings jäh abstürzen, als er aus dieser Zahl die Zuschauer von "Enemy at the Gates" (deutscher Investorenfilm) herausrechnete. Für alle übrigen deutschen Filme in den US-Kinos blieben lediglich 160.000 Zuschauer übrig.

Ex-Vertriebschefin Christa Saredi, die in diesem Jahr ihre Bemühungen eingestellt hat, deutete an, wie hart und schwer die Arbeit war, wie verärgert sie sei und wie unvernünftig das Filmbusiness geworden sei.

Michael Weber, der mit Bavaria International die meisten Filme von Christa Saredi übernimmt, berichtet über aktuelle Erfolgsstories. Über das Experiment etwa oder "Bella Martha" und darüber, dass die Aufführung dieses Films in Toronto just einen Tag nach dem 11. September 2001 stattfand. Alle seien furchtbar schockiert gewesen von den Anschlägen und die Einkäufer in Toronto froh, einen Film zu sehen, der ihnen half, zumindest für zwei Stunden die schrecklichen Ereignisse zu vergessen. Nachdem der Film in die USA verkauft war, kamen auch erste Verkäufe in Europa. Der Film hat in den USA bis jetzt immerhin 3,2 Millionen Dollar eingespielt.

Oliver Shiflish, ungarischer Verleiher, ermuntert die Vertriebsleute, den osteuropäischen Markt mutiger zu betreten. Dabei macht er kein Hehl daraus, dass er die Subventionen, mit denen die Franzosen ihre Filme in die Märkte drücken, als Verleihmann sehr hilfreich empfindet. Von den Franzosen werden Kopien und Übersetzungen finanziert, in Kolumbien, so berichtet Weber, betreiben die Franzosen gar ein eigenes Kino, in dem ausschließlich französische Filme laufen.

Ob sie damit mehr Kasse machen, ist unwahrscheinlich, aber in jedem Fall wird französische Filmkultur intensiv in neue Märkte hineingetragen. Export Union und Goethe Institute bräuchten mehr Unterstützung bei Ihren Bemühungen deutsche Filme in der Welt bekannt zu machen. Auch im Inland habe man gravierende Fehler gemacht, die eigenen Filme auf den nationalen Märkten zu sichern, wusste Christa Saredi zu berichten..

Der britische Journalist Simon Kingsley legte wieder den Finger auf die offene Wunde deutscher Film indem er diesen wie folgt charakterisierte: "Herzschmerz, Ärger, Selbstmord. So etwas haben die Menschen Zuhause, dafür gehe man nicht ins Kino". Man dürfe sich nichts vormachen, Hollywood sei vor allem eine gewaltige Maschinerie zur Herstellung von Mainstream-Ware, maßgeschneidert auf den Weltmarkt, eine Leistung, welche die anderen Länder einfach nicht erbringen könnten.

Internationale Produzenten würden regelmäßig auf den Vertriebsmessen an den deutschen Ständen Schlange stehen, hervorhebend, wie sehr sie "Germany" liebten und insbesondere die Filmförderung. Die beabsichtigten Koproduktionen seien, wie fast immer, finanzielle Einbahnstraßen. Es sei ebenso müßig, deutsche Filme auf Englisch zu drehen, es gäbe hierzulande schlicht und einfach keine Stars, die internationales Publikum ins Kino ziehen könnten.

Bessere Filme, mehr Vertriebsförderung im In- und Ausland und Marketingstrategen für den Eintritt in andere Märkte, dies sind die Rezepturen die das Panel für eine Verbesserung der Situation empfahl. Zum Glück stellte niemand die Frage nach der Finanzierbarkeit, so konnte man mit einem beunruhigend guten Gefühl wieder nach Hause gehen.

Mathias Allary, 18.10.2002

 

 

 
© 1999-2011
Movie-College

Allary Film,
TV & Media
 
 
 

Titel:   Medientage 2002
Zugriff:
Adresse:

Quelle: Movie-College (www.movie-college.de)

Allary Film, TV & Media (München) – Alle Rechte vorbehalten