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Film-Schau

Girl with a Pearl Earring

Bloom

Love's Brother - Eine italienische Hochzeit

Super Size Me

Marseille

Motorcycle Diaries

Coffee and Cigarettes

Z Channel: A Magnificent Obsession

Shattered Glass

Caterina in the big city

God is brazilian

Bin Ich Sexy?

Saniyes Lust

Kleine Schwester

RHYTHM IS IT!

Metallica - Some kind of Monster

FFM '04 Programm
Filmfest München 2004
Filmfest München 2001
Filmfest München 2002
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Kritiken-Archiv

offzielle Website FFM 2004

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Filmfest München 2004 Eröffnung

Auftaktveranstaltung im Künstlerhaus  

Film-Schau 

Um auf dem Münchner Filmfest die Filme zu sehen, die man gerne möchte, benötigt man Überblick und entweder Geld für die Kinokarten oder man besorgt sich eine Akkreditierung als Presse. Genau das haben wir gemacht und unsere gesamte Redaktion ist unterwegs, um möglichst viel zu sehen und berichten.

Also werden wir die Kinosessel und unser Sitzfleisch wieder stark strapazieren und uns den Filmen, der aus aller Welt angereisten Filmemacher, die auf dem Münchner Filmfest Ihre neusten Werke präsentieren, widmen. 

Und wie jedes Jahr hat man auch die Chance mal nicht nur Hollywood-Produktionen zu erleben, sondern internationale Filme, die wahrscheinlich nicht außerhalb von Festivals bei uns laufen werden.

 

 

Girl with a Pearl Earring

Gesehen von Mathias Allary

 

 

Bloom 

Bloom

In der Gedankenwelt Molly Blooms.  

Eine Reise in die Gedankenwelt

Joyce-Fans feiern jedes Jahr am 16. Juni den ‚Bloomsday', der sich dieses Jahr zum einhundertsten Mal jährte. Jetzt wurde James Joyces Meisterwerk "Ulysses", das als nur schwer verfilmbar galt, zum zweiten Mal auf die Leinwand gebracht. 

"Bloom" verfolgt im Lauf eines Tages, des 16. Juni 1904, drei Menschen. Regisseur Sean Walsh nimmt uns dabei mit in die Bewusstseinströme der Hauptpersonen - Leopold Bloom, Molly Bloom und Stephen Dedalus. 
Den Rahmen der Geschichte bildet ein innerer Monolog Molly Blooms über ihre Ehe, ihre Affäre mit einem anderen Mann und ihre Existenz als Person. Danach beginnen wir Leopold Bloom und Stephen Dedalus durch ihren Tag zu folgen. Stephen, ein junger Poet, arbeitet als Lehrer und hält mit seinen Freunden Trinkgelage ab. Bloom geht zum Fleischer einkaufen, in den Pup, oder holt sich am Strand einen runter, während er fremde Frauen beobachtet . Doch uns wird auch offenbart, was wir eigentlich tun, wenn wir die Nebensächlichkeiten des Tages erledigen: Denken. Wir hören Dedalus Gedanken über seine tote Mutter oder wenn er mal wieder über den Geist aus Shakespeares Hamlet grübelt. Bloom muss meistens über seinen toten Sohn Rudy nachdenken und unüberraschenderweise an seine Lustbefriedigung. Schließlich kreuzen sich die Wege der Beiden und gipfeln in einem Mix ihrer abstrusen Gedankenwelten - einem Alptraum der sich von Sado-Maso bis hin zu einer Gerichtsverhandlung zieht. Aus dem Tagtraum erwacht, kehrt Bloom wieder nach Hause zurück und wir schließen, wie wir begonnen haben: mit dem Monolog Mollys, diesmal über den Heiratsantrag, den ihr Leopold vor Jahren macht und dem Wörtchen ‚Yes'. 

Man sieht die drei Personen nur selten reden, vielmehr hört man ihre Gedanken während sie ihrem alltäglichem Leben folgen, begleitet von großartigen Mimikleistungen der drei Hauptdarsteller Stephen Rea (Leopold Bloom), Angeline Ball (Molly Bloom) und Hugh O'Connor (Stephen Dedalus). Das Spiel sucht seinesgleichen. Genau wie die Story. Langsam und träge am Anfang steigert sie sich bis ins Undurchschaubare, und immer wieder wird man geschockt und fragt sich, wie man jetzt dahin geraten ist. Wirklichkeit und Tagträume sind ineinander gewoben und die Gedankenwelt erscheint manchmal so abstrakt, dass man ihr nicht folgen kann. 

"Je mehr mir Leute erzählten, ich könne Bloom nicht realisieren, desto entschlossener wurde ich, ihnen das Gegenteil zu beweisen." (Sean Walsh) Verfilmt wurde das Werk nun, jedoch sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden. Vielleicht ist es ganz ratsam Joyces "Ulysses" einmal zur Hilfe zu ziehen. 
Prädikat: Besonders Merkwürdig.

Gesehen von Kathrin Metzner

Love' Brother - Eine italienische Hochzeit 

Eine italienische Hochzeit

Zwei ungleiche Brüder in den Wirren der Liebe.  

Vorhersehbare "Oh-wie-schön-Romantik"

Das Erstlingswerk von Jan Sardi, der international durch sein Oscar-nominiertes Drehbuch zu "Shine" bekannt wurde, geht auf eine Anekdote zurück, die ihm sein aus Italien eingewanderter Großvater einst erzählte: 

Ein verzaubertes Stücken Italien im Australien der Fünfziger Jahre. Viele junge italienische Männer sind nach dem Krieg der Armut entflohen und nach Australien ausgewandert. Jetzt fehlen auf dem neuen Kontinent nur noch die Frauen, die in Italien ohne Mann dastehen. Eine Heiratsvermittlerin arrangiert deswegen ‚Fernhochzeiten' - die Braut heiratet in Italien einen Mann, den sie nur von einem Bild her kennt, und der Bräutigam wartet derweil auf ihre Ankunft. 

Genau darin sieht auch Angelo seine letzte Chance eine Frau zu finden. Jedoch ist er nicht gerade ein Frauenliebling. Als mal wieder ein Brief mit einer Ablehnung zurückkommt, sieht Angelo den einzigen Ausweg darin den letzten Brief, den er sich vornimmt zu schreiben, nicht mit seinem Bild, sondern dem seines Bruders Gino darin zu versehen. Die Auserwählte Rosetta verliebt sich prompt in das Bild, malt sich die erste Begegnung, die ersten Worte, den ersten Kuss, den sie ja nie hatten, in romantischen Bildern aus und schreibt alles in ihrem Tagebuch nieder. Die Hochzeit folgt und der Tag ihrer Ankunft in Amerika rückt näher. Das Chaos lässt nicht lang auf sich warten. Die Braut trifft einen ganz anderen Ehemann vor und findet in seinem Bruder ihre große Liebe, der allerdings seine Freundin Connie hat, die jetzt, da der ältere Bruder verheiratet ist darauf hofft den jüngeren zu ehelichen. Natürlich verliebt sich Rosetta nicht Hals über Kopf in Angelo, wie alle hoffen und ihr seine Vorzüge präsentieren, sondern bleibt bei Gino, der schließlich auch Gefühle für sie entdeckt, besonders als sie ihm ihr Tagebuch zu lesen gibt. Da Gino aber seinen Bruder nicht verletzen will, lügt er weiterhin die Liebe zu Connie vor, und verdrängt die zu Rosetta. Diese beschließt enttäuscht zurückreisen. Doch Angelo und Connie, denen das nicht verborgen geblieben ist, wollen die beiden nicht unglücklich lassen… 

Diese Geschichte über Männer und Frauen, Liebe und Träume zergeht auf der Zunge, wie Tiramisu, aber auch genauso leicht weiter runter in den Magen. Es geht um zwei Dinge, ohne die man nicht leben kann, um Liebe und Espresso. Immer wieder gespickt mit humorvollen Szenen, die vor allem Giovanni Ribisi, der mit einer Paten-Stimme die Rolle des Angelo übernahm, zu verantworten hat, (v.a. die Ankunft der ersten Espresso-Maschine in Australien, die vom Priester vor der ersten Tasse gesegnet wurde) ist ein schöner Film für einen gemütlichen Sonntagabend auf der Couch. Ein Triumph der Gefühle, der mitten ins Herz trifft.

Gesehen von Kathrin Metzner

Super Size Me 

Super Size Me

"Amerika ist die fetteste Nation auf Erden. Herzlichen Glückwunsch." (Morgan Spurlock)  

McAttack - Wie ruiniere ich meine Gesundheit in weniger als 30 Tagen?

Regie / Buch / Versuchskaninchen: Morgan Spurlock

"Der Patient begibt sich in eine 30-Tage-Fast-Food-Diät", schrieb einer der drei Ärzte, die Morgan Spurlock während seines Selbstversuchs beobachteten, am ersten Tag in seinen Block. Wie der "I Bet You Will"-Erfinder auf die Idee kam?

Ein Bericht im Fernsehen, der Auskunft über die Essensgewohnheiten in den USA gab: Die Zahl der Übergewichtigen und Fetten in den USA hat sich seit 1980 verdoppelt. Betroffen sind fast 37 Prozent der Amerikaner. Fast Food ist immer und überall verfügbar (Flughäfen, Raststätten, Einkaufszentren und sogar in Krankenhäusern) und es ist billig. Liegt die Verantwortung für die eigene Gesundheit bei jedem selbst, oder sind die Fast-Food-Ketten daran schuld? Aber anstatt Sport zu treiben oder das Problem auf eine andere verantwortliche Weise zu lösen, tun die Amerikaner das, was sie am besten können: die Bastarde verklagen! Um die Klage durchzubringen musste die Anklagevertretung zweier übergewichtiger Mädchen jedoch beweisen, dass die gesundheitlichen Schäden der Kläger wirklich auf den Konsum von Fast Food zurück zu führen sind. McDonalds bestritt vehement, dass Burger, Fritten und Coke etwas damit zu tun habe, schließlich sei das Essen gesund und ausgewogen. 

Das nahm Morgan Spurlock, Filmemacher aus West Virginia, zum Anlass selbst als Versuchskaninchen der tief schürfende Frage "Warum sind die Amerikaner so fett?" nachzugehen. Das war der Ausgangspunkt und 30 Tage lang Frühstück, Mittag und Abendbrot bei der größten Fast-Food-Kette der Welt: McDonalds, die Folge. Ganz zum Entsetzen seiner Freundin, die vegetarische Köchin ist. Nichts anderes, als was es bei McDonalds gibt. Aufessen ist Pflicht. Keine Entschuldigungen. 

Vor dem Versuch lies er sich von einem Arzt der inneren Medizin, einer Ärztin für Gastroenterologie und Hepatologie, einen Arzt für Kardiologie, eine Ernährungsberaterin und einen Fitness-Trainer untersuchen, die ihm auch während des Monats beobachteten. Sie attestierten ihm Gesundheit und absolute körperliche Fitness. Schlimmstenfalls könnte er etwas zunehmen, und sein Cholesterinspiegel würde wohl etwas ansteigen, aber man könne nie wissen, wurde prognostiziert. Am ersten Tag beim ersten Frühstück fühlte sich Morgan Spurlock noch wie ein Achtjähriger, dem ein Wunsch in Erfüllung geht. Nach Tag 10 wurde das Experiment zu einer wahren Herausforderung. Und am 20. Tag rieten ihm die Ärzte ab den Selbstversuch fortzusetzen. Das Ende vom Lied waren fast 13 Kilo mehr auf die Waage und Leber- und Blutwerte, die jeden seiner Ärzte in Alarmbereitschaft setzten. Er ist depressiv, hat Kopfschmerzen und fühlt sich lustlos. Und auch im Bett ist er laut seiner Freundin nicht das, was er einmal war. 

Spurlock belässt es aber nicht bei dem Selbstversuch. Er reist durch 20 amerikanische Städte, u.a. Houston - die fetteste Stadt der Vereinigten Staaten, interviewt Chirurgen, die Magenverkleinerungen vornehmen, Sportlehrer an High Schools, die sich beschweren, dass Schüler viel zu wenig dazu angehalten werden Sport zu treiben, Köche, die in Schulküchen arbeiten, Politiker, Lobbyisten, Werbefachkräfte, Ernährungswissenschaftler und Fastfood-Fans und kommt am Ende zu dem Ergebnis, dass alles nur um Geld geht, das mit der Fastfood-Kultur gemacht wird. Das gibt sogar der Anwalt zu, der gegen die Fastfood-Ketten vorgeht. ("Sie fragen mich nach einem noblem Grund, außer Geld? Mmmmmhhhhh??")

Spurlock vermischt gekonnt seine subjektiven Erfahrungen mit in Michael-Moore-Manier recherchierten Fakten. Unterhaltung und Gesellschaftskritik in einem. Am Ende bekommen alle Fast-Food-Esser und die amerikanische Gesellschaft einen satirischen Schlag in den Magen. 

Weltweit gibt es mehr als 30.000 McDonalds-Restaurants, in denen täglich 46 Millionen Menschen essen. Das entspricht der Bevölkerung von Spanien. Vielleicht sollte man sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, denn wo die Chicken McNuggets herkommen, ist immer noch nicht geklärt. 
"Gehen wir zu McDonalds?", wird nie wieder so klingen, wie zuvor.

Gesehen von Kathrin Metzner

 

 

Marseille

endloser Stadtspaziergang

Gesehen von Kathrin Metzner

 

 

Motorcycle Diaries

Wie Ernesto zu Che wurde

Gesehen von Kathrin Metzner

 

 

Coffee and Cigarettes

Coffee and Cigarettes

Schauspieler und Musiker im Kaffee- und Zigaretten-Rausch. 

Kinostart: 19.08.2004

Der neue Spielfilm "Coffee and Cigarettes" vom Vorreiter der Independentwelle in Amerika - Jim Jarmusch - ist ein Episodenfilm über bizarre Menschen, die ihre Zigarettenpausen mit absurden und urkomischen Dialogen füllen und sich dabei noch mit Unmengen von Kaffee betrinken. 

Die Episoden sind entstanden, als Jim Jarmusch 1986 von der amerikanischen TV Sendung "Saturday Night Live" beauftragt wurde, ein paar Sketche für sie zu machen. Der Regisseur hat die unterschiedlichsten, renommierten Schauspieler und Musiker wie Iggy Popp, Tom Waits, Steve Buscemi, Cate Blanchett, Bill Murray, Roberto Benigni, Steven Wright u.v.a. zum Kaffeebreak eingeladen. In diesen Kurzfilmen dürfen sie sich selbst darstellen, aber die Storys sind fiktiv. Einerseits kommt der Film sehr authentisch rüber, andererseits ist der Stoff so wirr, dass er weit von der Realität entfernt ist. So brilliert Cate Blanchett in einer Doppelrolle als erfolgreicher Filmstar und ihre Cousine, die im Gegensatz zu ihr von Pech verfolgt wird und nichts auf die Reihe bekommt.

Die Hauptdarsteller aber sind der schwarze Kaffe und die verfluchten Zigaretten, die als Leitfaden des Filmes dienen. Fast scheint es so, als wären "Coffee and Cigarretes" für Jarmusch eine ästhetische Vorlage. In entschlossener Konsequenz begibt sich der Regisseur auf einen durchgezogenen schwarz-weiß Kontrast, der sinnbildlich für Kaffee und Zigaretten steht. Dieses Prinzip ist das einzige beständige Element des Filmes inmitten der vielen Situationswechsel, die geprägt sind von schrägen Charakteren und ihren schlechten Angewohnheiten. Kaffee und Zigaretten sind bei Jarmusch kein bloßer Konsum, sie sind eine zelebrierte Lebensform, die selbst Mahlzeiten zu ersetzen droht.

Zur "Handlung" (wenn man dies als solche bezeichnen darf): Jarmusch setzt seine Protagonisten einfach an einen Tisch in irgendeiner Kaffebude, ohne dem Zuschauer den genauen Schauplatz zu erörtern. Das interessiert uns eigentlich auch gar nicht, wenn Bill Murray oder Steve Buscemi als Kellner verkleidet im Bild erscheinen und literweise das dunkle Zeug, das nach einem sehr starken Kaffe aussieht, aus der Kanne schlucken oder Theorien über Elvisverschwörungen aufstellen. Die anderen sind total aufgedreht nach einer zehnten Tasse und versuchen einen Smalltalk zu führen. Skurril ist auch das Duell zwischen zwei legendären Musikern wie Iggy Popp und Tom Waits, die seinen Namen in der Jukebox einer Absteige nicht wieder finden. Oder wir sehen eine geheimnisvolle Dame, die eine Marlboro Lights nach der anderen verspeist und einen Waffenkatalog durchblättert. 
Absurd? Ja, wahrscheinlich. Aber das ist es doch, was uns so oft grenzenlos begeistert. Wir sehen die Realität, die Jarmusch durch die Kameralinse beobachtet, jedoch nicht verurteilt. Für einen Augenblick entblößt er die einsamen Seelen, während sie eine kurze Pause auf einem schwarz-weißen Schachbrett einlegen und sich mit Nikotin und Koffein voll dröhnen. Und mit jeder neuen Geschichte freut man sich jedes Mal neu über die erkannten Gesichter toller Persönlichkeiten.

Gesehen von Xenia Sigalova

Z Channel: A Magnificent Obsession 

Z Channel

Der Hollywood-Kult-Sender Z Channel  

Eine Doku über den Kult-Sender Hollywoods

Es gab Zeiten ohne Blockbuster und Videos. Wirklich! 
Dies war die Zeit von dem kleinen, in LA beheimateten Pay TV-Sender Z-Channel, der sich jenen Filmen verschrieben hatte, die sonst wohl nie ein Amerikaner zu Gesicht bekommen hätte. Von ungeschnittenen Lang-Versionen bis Director Cuts, von europäischen bis Night-Owl Filmen. Z erreichte nur ein kleines, aber dafür ein umso leidenschaftlicheres Publikum - rund 90 000 Menschen. Wie das aber so mit LA ist, leben da besonders viele Menschen, die in der Filmbranche arbeiten. So beeinflusst der Sender, teilweise entscheidend, das Sehverhalten Hollywoods und zukünftiger Film-Generationen zu denen u.a. Alexander Payne und Quentin Tarantino gehörten. 
Seinen Erfolg verdankte der Sender v.a. dem filmbesessenen, brillanten aber leicht verrückten Programmgestalter Jerry Harvey, der immer wieder Raritäten und längst vergessene Meisterwerke, wie die ungekürzte Version von Sam Peckinpahs "The Wild Buch", "Berlin Alexanderplatz" oder Michal Ciminos Epos "Heaven's Gate" ausgrub und ausstrahlen lies. Mit dem Mord an seiner Frau und dem eigenen Selbstmord fand sein kaputtes Leben und der Sender ein Ende. Sicher spielte auch die zunehmende Konkurrenz und die geplante Änderung Sport mit ins Programm zu nehmen, mit hinein.

Prominente Namen, wie Robert Altman, Jaqueline Bisset, James Woods, Quentin Tarantino, Jim Jarmusch, Alexander Payne und Theresa Russell setzten sich für Xan Cassavetes, der Tochter von John Cassavetes und Gena Rowlands, vor die Kamera um den Sender und die Arbeit Harveys zu würdigen und sich zurück zu erinnern. Neben den Interviews (auch von ehemaligen Mitarbeitern von Z und Vertrauten Jerry Harveys) werden Ausschnitte aus vielen der Filme gezeigt, die Z Channel einst ausstrahlte. Zwischenrein spielen immer wieder verfremdete Bilder von LA, unterlegt mit der Stimme Harveys während eines Interviews.

Teilweise wirkt der Film langwierig, jedoch überwiegen die Szenen, aus denen man einiges Interessantes aus dem Filmbusiness Hollywoods lernt, dass teilweise mit der Geschichte des Senders eng zusammenhängt. Wussten Sie, dass Oliver Stones "Salvador" (1986) durch den Sender so eine Aufmerksamkeit erhielt, dass der Hauptdarsteller James Woods für den Oscar nominiert wurde? Oder, dass die halbe Videosammlung Tarantinos, von der er sein Handwerk erlernte, aus Mitschnitten von Z Channel besteht? Oder dass viele europäische und deutsche Filme ("Das Boot") Einmarsch in Hollywood hielten, durch deren Ausstrahlung bei Z?...

Gesehen von Kathrin Metzner

Shattered Glass 

Shattered Glass

Stephen Glass (Hayden Christensen) mit seiner Kollegin (Chloë Sevigny)  

Erfundene Fakten und ein zerbrochenes Leben

"Did I do anything wrong? Are you mad with me? I'm sorry!" Standardsätze von Reporter Stephen Glass (Hayden Christensen), dem Büroliebling von "The New Republic", der mit keinerlei Selbstvertrauen, aber einer umso größeren Portion Charme ausgestattet ist. Alle lieben ihn, bis auf seinen Kollegen Chuck Lane (Peter Sarsgaard), der ihm schon immer mit Skepsis gegenüber stand. Er begeistert alle, inklusive Editor und Chef, mit seinen lebhaften Geschichten, die gedruckt werden, obwohl sie alle frei erfunden sind. Niemand kontrolliert die Fakten und unüberprüft gelangen sie in die Druckerei und in die Zeitung. 
Jedoch wird sein Freund und Editor Martin, der ihm immer völlig aus der Hand gefressen hatte (wie alle anderen auch) eines Tages wegen Zwist mit dem Chef durch Chuck ersetzt, der von da an die Zeitung leitet. Alle sind gegen ihn, und als er Stephen Zweifel entgegen bringt, heißt es, er sortiere die ‚Martin-Treuen' aus. Doch sein Misstrauen wird eines Tages überraschend von einem anderen Journalisten gestützt - Adam Penenberg (Steve Zahn). Er rückt Glass auf die Pelle und entlarvt schließlich die Lügengeschichten, die er allen aufgetischt hat. So steht Stephen mit seinen zwar spannenden, toll geschriebenen aber halt rein erfundenen Münchhausen-Geschichten plötzlich vor dem Aus seiner Karriere.

Billy Rays Erstlingswerk als Regisseur ist ein Film, der die Verantwortung von Journalisten gegenüber der Welt behandelt und dabei fast die Schwelle zum Thriller übertritt. Christensen liefert, nachdem er in den Star Wars Filmen noch nach der Pfeife von George Lucas tanzte, neben "Das Haus am Meer" eine weitere beeindruckende schauspielerische Leistung ab. Er spielt den verwirrten, scheinbar unschuldigen Jungen, der eine gestörte Kindheit hinter sich hat und sich schließlich trunken von dem nicht verdienten Erfolg immer weiter in seine Phantasien hineinsteigert. Leider wurde Steve Zahns Rolle nicht so behandelt, wie sie es verdient hätte. Ein paar Sätze mehr wären sicher nicht schlimm gewesen. Auch der plötzliche Sympathiewechsel von Stephen zu Chuck, vollzieht sich etwas zu schnell. Eigentlich mag man noch Stephen, der ist aber leider von jetzt auf nachher der Arsch ist. Aber dafür ist es schließlich eine wahre Geschichte, die es sich sicher lohnt anzuschauen.

Gesehen von Kathrin Metzner

Caterina in the big city

Caterina in the big city

Caterina genießt und erleidet das neue Leben im Herzen Roms  

Die 13 jährige Caterina (Alice Teghil) zieht mit ihren Eltern aus irgendeinem italienischen Provinznest nach Rom. Und plötzlich verändert sich ihr ganzes Leben. 

Ist Pubertät auch sonst schon schwierig genug, kommen unzählige Sinnfragen vor allem die nach der richtigen Clique hinzu. Ist die Tochter des bekannten linksgerichteten Denkers, die ihr Alkohol eintrichtert, ihr sodann ein selbst gemachtes Tatoo verpasst, die Richtige oder das verwöhnte Töchterchen eines rechtsgerichteten Politikers? 

Und wo bleibt sie selbst ohne sich in irgendwelchen Modeerscheinungen zu verlieren. Und was macht man mit den hilflosen Annäherungsversuchen ebenfalls mit der Pubertät überforderter Jungs? Und wie entgeht man der peinlichen Nähe des eigenen Vaters wenn man mit Freunden zusammen ist?

Die Eltern, die eigentlich Antworten auf diese Fragen haben sollten, haben nicht einmal Antworten auf ihre eigenen Lebenskrisen. Caterinas Vater, der in bester Tradition italienischer Filmhelden mit gespielter Aufmüpfigkeit und künstlicher Erregtheit gegen die Ungerechtigkeit der Welt anstürmt, übersieht die Nöte der Tochter gänzlich.

Ein einfühlsamer, autenthischer Film in dem Gesellschaftsstrukturen von leichter Hand entlarvt und Lebenslügen der Erwachsenenwelt über ein Lächeln aufgedeckt werden. Wie toll sind die pseudovergeistigten Erwachsenen, die Hinterlektuellen wirklich, wie ernst zu nehmen die verantwortlichen Politiker? 

Der Film atmet, hat lebendige Figuren, ein schönes Erzähltempo, eine abwechslungsreiche Dramaturgie und eine funktionierende Geschichte. Die Kamera ist häufig bewegt, gibt der Bildsprache ihren Fluss auch die Ein- und Ausstiege in die Szenen sind hervorragend gelöst. 

Wer noch mit seiner Pubertät zu kämpfen hat oder die eigenen Kämpfe der Jugend noch nicht ins Unbewusste verdrängt hat, wird an dem Film seine Freude haben.

Gesehen von Mathias Allary

God is Brazilian

God is Brazilian

God is Brazilian 

"God is brazilian" ist ein warmherziger Film über Brasilien und die Menschen, die dieses kontrastvolle Land bewohnen. Der Regisseur erzählt mit Liebe und in kraftvollen Bildern die lustige, aber gleichzeitig traurige Geschichte des jungen Fischers Taoca, sympathisch gespielt von Wagner Moura. 

Eines wunderschönen Morgens wacht er in seinem Boot auf und vor ihm steht der Mann, der die Welt erschaffen hat. Der liebe Gott ist gestresst und genervt von seinem Posten und braucht unbedingt Ferien. Er ist natürlich ein waschechter Brasilianer und es gibt keinen besseren Platz auf dieser Welt als dieses Land, um hier ein paar ruhige Wochen zu verbringen. Aber mit den Einwohnern ist es alles andere als entspannend und der Herr begibt sich auf der Suche nach einem Vertreter. 

Der Junge kommt mit, weil seiner Meinung nach, Gott ohne seine Hilfe nicht weiter kommt. Auf der Suche nach einer warmen Mahlzeit bringt Taoca sie auf eine Beerdigung, wo sie die schöne Mada kennen lernen. Sie schleicht sich mit und begleitet die beiden auf ihrer Neuentdeckung der Welt. Für jeden des Trios bringt das turbulente Abenteuer große Veränderungen in ihr Leben. Sie finden neue Ideale für sich, lernen sonderbare Menschen kennen und am Ende kommt für Taoca und Mada natürlich die Liebe. Und das alles passiert vor einer lebendblühenden Kulisse - Brasilien. 

Die Bilder sind sehr schön und berührend, doch die Handlung ist an manchen Stellen ein wenig langatmig. Aber für diejenigen, die eine Begeisterung von der süd-amerikanischen Lebensart verspüren oder sich einfach für das Land interessieren wird der Film eine Bereicherung. Er zeigt Brasilien und seine Menschen authentisch, und manchmal auch mit kritischem Blick.

Gesehen von Xenia Sigalova

Bin Ich Sexy? 

Bin Ich Sexy?

Bin Ich Sexy? 

Bin ich sexy?" ist eine tragikomische Familiengeschichte, die mit dem Drehbuchpreis der MFG-Filmförderung Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde. Hauptdarstellerin Mareike (Marie-Luise Schramm) ist eine fünfzehnjährige Realschülerin mit einem festem Ziel: sie will Model werden. Ihre Umwelt jedoch traut es ihr nicht zu. Sie lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter Jutter, 43 (Birge Schade), und ihrer Stiefschwester Franca 9 (Johanna Fritz) und Stiefbruder Timmi 6 (Ismail Streit) in einem Vorort von Mannheim. Ihr Stiefvater ist verstorben und dies hat sie, wie ihre Mutter, noch nicht verarbeitet. 

Ihre Mutter jobt als Kaufhaus Detektivin und verdient wenig Geld, daher sind Mareike's Pläne, eine teuere Model Ausbildung zu machen, gefährdet. Sie fängt bei ihrem Großvater auf dem Markt an zu arbeiten um Geld zu sparen. Sie ist sehr aufgeweckt, reagiert immer spontan auf ihre Ideen. So fängt sie zum Beispiel einen Bauchtanz -Kurs an um Samir zu beeindrucken, einen arabischen Jungen, den sie auf dem Markt kennengelernt und in den sie sich verliebt hat.

Mann bekommt einen sehr ehrlichen Einblick in ihre Gefühleswelt: sie fühlt sich seit dem Tod ihres Stiefvaters alleingelassen, hat ein sehr niedriges Selbstwertgefühl, und die Beziehung zu ihrer Mutter ist auch nicht besonders leicht, wie es bei den meisten Teenagern üblich ist. Sie fühlt sich von ihrer Mutter nicht verstanden und vernachlässigt, deshalb tut sie alles, um für andere, und sich selbst, begehrenswert zu sein. Durch das Tanzen bekommt sie mehr Selbstvertrauen und eine neue Lebenslust. Doch dann kommt ein Schock, ihre Haare fangen an aus zu fallen, eine unheilbare Störung ist diagnostiziert. Mareikes Welt bricht zusammen.

Besonders beeindruckend an dem Film ist, wie Regisseurin Katinka Feistl ohne viel zusätzlichen Schnickschnack alle Gefühle der Hauptdarsteller klar rüberbringt, mit viel Humor aber auch Tiefsinnigkeit. Im Großen und Ganzen ein unterhaltsamer Film der einem einen guten Einblick in das Leben einer fünfzehn Jährigen in dieser Situation gibt.

Gesehen von Melanie Buchholz

Saniyes Lust

Saniyes Lust

Idil Üner als Saniyes 

Die türkisch-stämmige Saniye und der Deutsche Tom heiraten. Alles scheint perfekt, Tom steht am Anfang seiner Karriere als Bauleiter und Saniye soll in ihrer Firma befördert werden. Doch die berufliche Weiterentwicklung und der Wunsch ein Kind zu bekommen, geraten immer mehr aneinander. Tom hat es eigentlich noch nicht so eilig und geht auch davon aus, dass beide noch warten wollen. Doch Saniye entschließt sich für ein Baby und gegen die Karriere. Sie setzt heimlich die Pille ab, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Als Tom endlich merkt, wie ernst es Saniye mit dem Kinderkriegen ist, versucht diese schon seit über einem halben Jahr schwanger zu werden. 
Auf Drängen der Frau entschließen sich die beiden der Natur ein wenig nachzuhelfen und suchen einen Spezialisten in Sachen Kinderwunsch auf, denn mit dem jungen Paar scheint eigentlich alles okay zu sein. 
Auf dem Weg zum eigenen Kind gerät Saniye aber immer mehr in eine Art Teufelskreis. 

Ich als Zuschauer, der anfangs so fasziniert von der jungen Frau ist, die Glück in der Liebe und im Beruf hat, fange zunehmend an, sie gar nicht mehr zu mögen und ihre Meinung keineswegs zu teilen. Sicher wird sie aber auch sehr viel Zuspruch und Verständnis bei manchen weiblichen Zuschauern finden, die selber schon einmal in einer solchen Situation steckten. Sei es der Familie wegen, wobei gerade in der türkischen Tradition oft direkt nach der Hochzeit erwartet wird, dass man schwanger wird, oder weil vielleicht einfach nur der Wunsch nach einem Baby besteht, um das Familienglück perfekt zu machen. Und dann dieses Hineinsteigern in den Gedanken, der aber nicht zum Ziel führt. "Saniyes Lust" wird sicherlich mehr Zuspruch bei dem weiblichen Geschlecht finden, da diese einfach verstehen, wie sich Saniye fühlt, weil sich alles um die Frau, ihren Körper, das Schwanger werden und die Probleme dabei dreht.

Die junge Regisseurin Sülbiye Günar behandelt mit ihrem Diplomfilm (an der dffb) ein schwieriges, ethisches Thema, mit welchem sie sich aber keineswegs auf eine bestimmte Seite stellt oder aufzeigt, was falsch oder richtig ist. Vielmehr übermittelt sie die Gefühlswelten einer jungen Frau, die gedrängt von ihrer Familie, von den Arbeitskollegen und am meisten von sich selbst in ein totales Chaos führen und ihre Ehe und ihren Beruf auf eine harte Probe stellen. Durch die Bilder bekommt das Publikum einen unglaublichen Einblick in die Welt des medizinischen Eindringens in die Natur.

Ein topaktuelles Thema, dessen Befürworter immer weiter gehen werden und keine Grenzen mehr kennen und dessen Gegner durch ethische Hinterfragungen verbieten lassen wollen, dass die Forscher zu Göttern werden, die eine Welt kreieren, in der es keine Makel mehr gibt und in der nichts mehr den Zufall überlassen wird und in der wohlmöglich die genetisch nicht perfekten Menschen bald einem "Outcast" gleich kommen werden (auch wenn diese nur an einer mittlerweile eher unbedeutenden Krankheit wie Diabetes oder ähnlichem leiden oder einfach nur die falsche Augenfarbe haben oder keine Sporttalente sind). Dieses Thema biete eine gewaltige Fülle an Diskussionsstoff und "Saniyes Lust" regt dazu an.

Wie weit darf man gehen? Bei der jungen türkischen Frau (gespielt von Idil Üner) bekommt man einen Einblick in die Schwierigkeiten des Kinderkriegens, wenn auch noch am "untersten" Level ("nur" künstliche Befruchtung). Saniye kann nicht mehr stoppen, geht immer weiter, ohne dass sie auf ihren Mann, ihren Job, das Geld und ihren Körper hört. Ihr Arzt wird zum "Herrscher über Leben und Tod". Dieser übernimmt ironischerweise auch die Rolle des Erzeugers, als er in einer Szene im Krankenhaus zwischen ihren Beinen kniet, um der Frau die befruchteten Eizellen einzusetzen. Auch sehr irritierend aber dadurch schockierenderweise begreiflich: die eigentliche Befruchtung, welche nicht, wie üblich, durch Mann und Frau passiert, sondern nun die Ärzte übernehmen, indem sie mit Hilfe von medizinischem Werkzeug neues Leben entstehen lassen.

Gesehen von Caroline Klenke

Kleine Schwester

Kleine Schwester

Maria Simon und Esther Zimmering 

Die Filmfest-Reihe deutscher Fernsehfilme soll Werke zeigen, die sich deutlich abheben aus dem zunehmend belangloser  werdenden Brei des heimischen Fernsehschaffens. Soll die wenigen Glanzlichter hervorheben, die einen anderen Atem haben, die aus der Bildröhre hinaustreten können.

Unter Sabine Derflingers Regie spielen Maria Simon (als "Kathrin") und Esther Zimmering (als "Romy") Halbgeschwister mit gegensätzlichen Weltbildern, die an der Deutsch-Tschechischen Grenze aufgewachsen sind. Kathrin ist ehrgeizige BGS-Beamtin, Romy eher planlos und mit einem Neonazi verbandelt. 

Kathrins Freund Ulf (Benno Fürmann), ihr Vorgesetzter auf der Dienststelle, der sie heiraten will, stammt aus dem Westen und will möglichst schnell weg aus dem Grenzgebiet. Romy führt eine Begegnung zwischen Kathrin und ihrem lange nicht gesehenen Vater (Michael Gwisdek) herbei, mischt sich zunehmend in Kathrins Leben ein.

Wie die meisten ordentlichen Fernsehspiele arbeitet der Film wie ein Lego-Baukasten, man kennt seine Bausteine, wechselt die weißen freundlichen mit den roten dynamischeren und den schwarzen, ernsten Steinchen ab und setzt an den Schluss noch einen versöhnlichen Stein, einen durchsichtigen, so wie die Dramaturgie selbst. Und damit das Gebäude trotz wiederholter Nähe zum Klischee nicht einstürzt, wird es durch solides Kamera-Handwerk (Bernhard Pötscher) und die Autorität der aufwändig durchkomponierten Musik (Ulrich Reuter) abgesichert.

Tatsächlich sind die Bilder, dafür dass mit Digi-Beta gedreht wurde, absolut filmisch und Leinwand-tauglich, sie retten, wie auch das glaubwürdige Spiel von Esther Zimmering und der sensible Ton über so manche dünne Szene hinweg. Maria Simon schafft es trotz starker Momente, nicht durchgehend, die von Buch und Regie vorgegebenen Muster zu überwinden und Benno Fürmann spielt Benno Fürmann. 

Trotz mancher Schwächen, das Fernsehspiel ist handwerklich ordentlich gemacht. Dass "Kleine Schwester" aus dem Angebot an Fernsehware herausragt, liegt weniger an der Story und ihrer Umsetzung, als an dem Niveau des übrigen  Fernsehschaffens. Vieles wird behauptet und nicht fühlbar, ernste Gesichter bedeuten nicht automatisch inhaltliche Tiefe. Der Film bleibt über weite Strecken dort, wo auch die Protagonisten ihre Arbeitsstelle haben,- im Grenzgebiet. Die Grundidee hätte weitaus mehr erlaubt.

Der Produzent des Films (Christian Granderath für Colonia Media) erhielt für "Kleine Schwester" auf dem Münchner Filmfest den VFF TV-Movie Award.

Gesehen von Mathias Allary

 

 

"RHYTHM IS IT!" 

"Rhythm is it" - ein Film über die Berliner Philharmoniker. 

Gesehen von Melanie Buchholz

 

 

Metallica - Some kind of Monster

"Schrei mal Fuck so laut du kannst."

Metallica - Some kind of Monster

Es ist als ob sich eine Band für eine Jam-Session in einer Garage trifft. Nur dass die Band eben Metallica heißt.

Kinostart: 26.08.2004

Man muss schon ein großer Fan sein, um sich eine zweieinhalbstündige Dokumentation über die berühmteste Heavy-Metal-Band der Welt anzusehen, und danach noch seine letzte S-Bahn zu verpassen und auf die nächste halb drei zu warten, die auch nicht kommt - mitten in der Woche. Dachten wir zumindest. Ok, das Kino war zur Hälfte voll mit Fans, leicht an Metallicashirts, Bierflaschengeklirre und erhobenen Fingern zu erkennen, doch waren auch viele Leute dabei, wo man sofort erkannte, dass sie weder mit der Musik, noch mit der Band viel zu tun hatten.

In einen solchen Film geht man oftmals mit einer bestimmten Erwartungshaltung. So auch in diesen, denn wer hat nicht die zahlreichen Dinge über Alkohol, Drogen, Tod eines Bandmitglieds, Streit innerhalb der Band und Napster-Klagen gehört. Dieser Film, ist aber soviel mehr. Eigentlich sollten die Regisseure Joe Berlinger und Bruce Sinofsky einen Hintergrundbericht zu dem neuem Metallica-Album "St. Anger" machen. Jedoch erwischten sie die Band in einer ihrer kritischsten Phasen. So darf man nicht nur an der Studioarbeit teilnehmen, sehen wie sie zusammen sitzen, Kauderwelsch reden ohne Ende und so ihre Lieder komponieren und texten, sondern man ist auch dabei, wenn es heißt: ‚Oh fast vier Uhr? Schluß für heute!', weil James Hetfields Therapie nur Arbeit von 12 bis 4 zulässt.

Mit Kind und Kegel sitzen die Musiker im Studio, trinken Wasser oder Saft und man fragt sich, was ist aus denen geworden?? Wo ist das Bier? Sex, Drugs, Groupies? - Kaugummi-Dauerkauen anstatt "42 Beer - I love you dude!" Jetzt haben sie regelmäßig Sitzungen bei einem vom Management bestimmten Psychotherapeuten. Jetzt müssen die harten Jungs ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Ehrlich, Verletzlich, vom Tür-Knallen bis hin zum "You are such a fuckin' Dick".

Heraus gekommen ist schließlich ein gekonnter Mix aus alten Konzertausschnitten, bei denen man Ganzkörpergänsehaut bekommt, der Dokumentation über die Schaffenskrise und privaten Einblicken - eine Hommage an die Heavy-Metal-Band. James Hetfield, Kirk Hammett und Lars Ulrich mal ganz anders - als Väter, Künstler, Cowboy, Surfer, Freunde... Und Robert Trujillo gerade mal 5 Minuten in der Band und schon ein Icon. Eine Musik-Dokumentation und gleichzeitig ein intimes Portrait der berühmtesten Heavy Metal Band, zusammengeschnitten aus 1200 Stunden Filmmaterial, das entstand während die Filmemacher der Band Tag und Nacht folgten. Schnell wird klar, dass die Musik das Herz des Films ist und auch der eigentliche Grund, warum die Band noch existiert. Auch wenn sie sich eine Zeit lang nichts mehr zu sagen hatten, gab es noch die Musik. Metallica existiert(e) Metallica wegen, denn es ist nicht nur eine Band, sondern eine Lebenseinstellung.

Am Ende entdecken Fans, Gegner und Unbeteiligte dass Metallica doch gar nicht so sehr Monster ist. Sie sind 20 Jahre hart gewesen. Zeit sich um sich selbst und die eigenen Familien zu kümmern. Und dass ein Job, als Psychotherapeut nicht nur aufschlussreich, sondern auch sehr lukrativ ist.

Good Bye Depression. Welcome St. Anger. Thank you Metallica.

Gesehen von Kathrin Metzner und Juliane Roschke

 

 
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