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Berlinale Bär

Berlinale 2011 und immer wieder dabei der Bär!

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Berlinale 2011 - Hinter den Kulissen und drum herum
(Ein persönlicher Auszug)

Treffpunkt: Haltestelle Potsdamer Platz: volle Kinosäle, ein beißender Wind, Nils, der nette Brezelverkäufer, der der Kälte trotzt, exquisite BMWs geparkt in den Seitenstraßen und Ich mittendrin. Die 61. Berlinale ist in vollem Gange! Besucher stehen Schlange, um eins der begehrten Tickets für den Berlinale Filmpalast zu ergattern. Am roten Teppich wartet man darauf, dass ein paar Stars vorbeihuschen. Journalisten sausen herum - auf der Jagd nach ‚dem' Promifoto; andere sind auf dem Weg zur nächsten Pressekonferenz oder dem Photocall (das ist eine blaue Wand vor der die Prominenten kurz halten, um sich dem Blitzlichtgewitter der Kameras für ein paar Minuten auszusetzen). Zwischen all dem Getümmel noch einen Kaffee trinken und dann los zur nächsten Filmpremiere.
Die Berlinale nicht als Besucher, sondern als rasende Reporterin zu erleben - und rasen tut man tatsächlich: vom Potsdamer Platz zum Oranienburger Tor und wieder woandershin; und das alles mit Bus und Bahn - Hauptsache so schnell wie möglich zur nächsten Vorstellung gelangen, das ist die Devise. Zwischendrin die Zeit nutzen, um sich aufzuwärmen und kurz zu verschnaufen. Bei so vielen aufeinander folgenden Filmen ist es wirklich eine Herausforderung die Eindrücke sacken zu lassen und spätestens am Ende des Tages merkt man, wie anstrengend dies sein kann- die klirrende Kälte trägt auch noch ein gutes Stück dazu bei, dass man sich ausgelaugt fühlt. Am Abend war das warme Bett weitaus ansprechender als jede Party - und dennoch ist die Nacht zu kurz. Am nächsten Morgen heißt es wieder früh aufstehen: Empfänge, Filmmarktbesuche und wichtig der Besuch im Hyatt, denn dort gibt es ab 8.30 Uhr die Kinokarten für die Presse und die Anzahl ist begrenzt! Danach schnell die Tagesplanung machen, obwohl man jetzt schon weiß, dass diese sich komplett ändern wird - egal, keine Zeit zum nachdenken, denn es geht schon wieder weiter. Auf den Gängen tummeln sich Journalisten aus aller Herrgottsländer- man hört allerlei verschiedene Sprachen und tauscht sich auch mal gerne mit seinen Kollegen aus, welcher Film sehenswert ist und um welchen man besser einen weiten Bogen macht. Dann schnell frühstücken oder man deckt sich direkt mit Süßigkeiten ein, um den ersten Film um 9.45 Uhr anzuschauen. Wenn man circa 20 Minuten vor Beginn der Vorführung auftaucht, kann man sicher sein, dass alle guten Plätze weg sind. Zur Hilfe stehen einem dann die Platzanweiser des Kinos, die frei nach ‚Berlinaler' Schnauze durch den Saal brüllen: "Hände hoch, wo noch ein Platz frei ist!". Dies ist auch nötig, da man sonst den Überblick zwischen freien und mit Taschen, Jacken und Zeitungen reservierten Sitzplätzen verliert - erinnert ein wenig an die Liegestuhlreservierung früh morgens am Pool im Sommerurlaub. Sobald man sitzt, kann man sich über das ganze Treiben um einen herum amüsieren. Die Zuschauer selbst bieten eine Show der Superlative: schreiende Kinobesucher, die Tickets quer durch den Saal tauschen, feurig diskutierende Ehepaare und ein schreiender Mann "Vereeeeeeeeena, Vereeeeeeena, bist du mit deinem Freund da?". Doch im Auge des Orkans finden sich auch die etwas ruhigeren Teilnehmer - manch Einer liest die Berlinale News und ein Anderer scheint die Zeit zu nutzen, um etwas Schlaf nachzuholen. Die Welt ist eine Bühne und so wird man Teil des Geschehens - diese ‚Vorführung' allein bietet schon genug Material für einen potenziellen Film für die Berlinale 2012.

Dann geht das Licht aus, man sieht die goldenen Sterne herunterpurzeln und der Berlinale Bär, das Symbol des Festivals, erscheint. Das ist die Berlinale: eine andere Welt für 10 Tage in Berlin - viele Filme und mindestens genau so viele Eindrücke!

Katja Tauber

Katja Tauber

Die Berlinale Shorts 2011

Katja Tauber

In 90 Minuten um die halbe Welt: Schweiz/Österreich, Iran, Thailand, Israel und die USA. Eine Reise mit all ihren Höhen und Tiefen: schöne Panoramen, interessante Menschen und Kulturen, Übelkeit und Anstrengungen, Hitze, unbekannte Klänge und Bräuche und viele Emotionen. Neben den Spielfilmen hatte der Berlinale Besucher auch die Gelegenheit sich Kurzfilme anzuschauen: die Berlinale Shorts. Eine, so schien es, wilde Anhäufung von Kurzfilmen. Sobald man im ausverkauften Kinosaal Platz genommen hat, geht es auch schon direkt los mit dem ersten Film von insgesamt fünf Filmen des Abends.

In Stick Climbing von Daniel Zimmermann begann der Abend sportlich mit
einer Wanderung, die in einem idyllischen Dorf startet. Ein Kind, das plötzlich rechts an uns vorbeiläuft, ein Mann mit Esel, zwei Jugendliche am Wegesrand und irgendwie wir mittendrin (ob man mag oder nicht!). Alles gefilmt aus einer ‚Ich-Perspektive' - der Zuschauer wird zum Wandersmann. Nach dem eher gemütlichen Auftakt unseres Trips, biegen wir links auf einen Wanderpfad ein. Der Weg wird holpriger, wackliger und es geht aufwärts - wir machen uns an den Aufstieg. Nicht nur das Panorama ändert sich, auch ist ein Wechsel von Steadycam zur Helmkamera auffallend. Der Wanderer folgt einer am Boden installierten Holzlattenkonstruktion, welche uns die Richtung vorgibt. Steine, Geröll, Stolpern, schweres Atmen und hektische Bewegungen sind mehr störend als authentisch. Die Kamera ruckelt, das Bild schwankt und schunkelt und umso höher wir den Fels erklimmen, desto schlechter geht es vielen Zuschauern im Publikum. Für den Wanderer als auch für den Zuschauer ein wahrer Kraftakt. Dann endlich nach 14 Minuten haben wir unser Ziel erreicht: den Gipfel. Nur um einen Ausblick  auf das vor uns liegende Dorf zu haben? War es das wirklich wert? - stellt man sich begründeterweise hinterher die Frage. Ein Film mit dem sich jeder Wanderer identifizieren kann und den wahrscheinlich auch jeder mit der richtigen Kameraausrüstung hätte filmen können. Demzufolge ein hochwertiger Amateurfilm. Mein Tipp: Lieber selber wandern gehen, erspart die Kinokosten und man kann die frische Luft genießen anstatt mit der Übelkeit im Kino zu ringen.

Zeit zum durchatmen bleibt nicht viel, denn Film Nummer zwei steht schon in den Startlöchern.

Untying the knot ist ein iranischer Film von Regisseur Jafar Panahi, der auf eine dokumentarische Art und Weise erzählt, wie ein junger Mann und seine Schwester ihren persischen Teppich verkaufen. Sie setzen sich hartnäckig
mit den Ankäufern auseinander, um einen für sie akzeptablen Preis auszuhandeln. In den 8 Minuten bekommt der Zuschauer einen Einblick in die Welt des mittleren Ostens - nicht nur das knallharte Verkaufsgeschäft, auch die Rolle der Frau wird dem westlichen Publikum näher gebracht. Die muslimische Schwester wird nicht als unterwürfiges Opfer der Gesellschaft dargestellt, sondern als geschäftstüchtige Frau, die Ausdauer
im Verhandeln beweist. Trotz allem bleiben ihr bestimmte Wege zu den Verkaufsräumen versperrt. So folgen wir dem Bruder durch die dunklen Hallen des Teppichhandels. Am Ende gelingt es einen fairen Preis für den Teppich zu erzielen. Interessanterweise wurde der Film lediglich aus Respekt für den inhaftierten Regisseur Jafar Panahi, der eigentlich Teil der Berlinale Jury war, gezeigt. Ob das wirkliches Fairplay ist, sei einmal dahingestellt. Denn leider ist Untying the knot filmerisch eher schwach: schlechte Bildqualität und irgendwie wirkt alles ziemlich unprofessionell. Im Kino selber war einer von Panahis Kollegen; dieser kritisierte ironischerweise die Vorführung des Filmes. Frei nach dem Motto: man muss erst in den Knast bevor ein schlechter B- Movie gezeigt wird! Recht hat er irgendwie schon.

Als nächstes betreten wir thailändisches Territorium. Der Film Sudsanan (Schrecklich Glücklich) beginnt mit Soldaten, die die Wälder im Süden des Landes durchforsten. Einer von ihnen ist der junge Soldat Surin, der nach seinem letzten Einsatz in seine Heimat im Norden Thailands zurückkehrt. Dort trifft er auf seine damalige Freundin Ann, welche nun mit einem deutschen Rentner zusammenlebt. Surin ist verletzt und hin und her gerissen zwischen seiner Soldatenkarriere und den Verlust seiner Freundin.
Der Film ist sozialkritisch zu betrachten. Alte, männliche Europäer, die nach Thailand kommen und sich eine junge Thai anlachen, um dort ihren Lebensabend zu verbringen. Dies ist ein geläufiges Bild in unseren Köpfen - traurige Realität aber weitaus nicht alles, was es über dieses Land zu berichten gibt. Der Film bedient nicht das Klischee, dass alle Männer des Westens ohne jegliche Moralvorstellung sind.
Der Film beleuchtet unter anderem auch das Soldatenleben und die persönlichen Opfer, die damit einhergehen. Regisseur Pimpaka Towira schafft es, dem Zuschauer die Atmosphäre des Landes näher zubringen. Mit typisch thailändischen Gesängen und Bildern, gewusst wie in Szene gesetzt, werden wir in den fernen Osten entführt. Grüne, saftige Felder, Roller fahrende Thais und eben ganz alltägliche Liebesprobleme - viele vertraute Szenen laufen vor unseren Augen ab, aber auch viele neue Eindrücke werden vermittelt. Fazit: Ein ehrlicher im dokumentarischen Stil gemachter Film über ein facettenreiches Land. Thailand ist weit aus mehr als lächelnde Thais und ausländische Sextouristen. Einfach schön!

Verlassen wir nun Asien und betreten wir den mittleren Osten: das heilige Land Israel. Susya erzählt die Geschichte von einem Vater und seinem Sohn, die nach 25 Jahren ihrem Heimatdorf einen Besuch abstatten. Das Dorf ist heute eine archäologische Ausgrabungsstätte. Die beiden Palästinenser zahlen ordnungsgemäß Eintritt, um sich ihr damaliges Zuhause anzuschauen. Bei ihrem Rundgang werden sie auf Schritt und Tritt von israelischen Soldaten begleitet. Diese setzten einen Jeep als Druckmittel ein, um die beiden Palästinenser zu verscheuchen. Das grelle Jaulen des Autos hat etwas Bedrohliches und zugleich Spielerisches - wie ein Katz und Maus Spiel. Vater und Sohn müssen schließlich den Weg räumen und werden wie Vieh vor dem Jeep hergetrieben. tKatja Tauber
Die Regisseure Dani Rosenberg und Yoav Gross weisen auf ein immer noch hochaktuelles Thema hin: den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Das Militär wird kritisiert und das respektlose Verhalten gegenüber zwei friedvollen Menschen. Heimatverlust, Nostalgie und die Gegenwart werden ausdrucksvoll und ohrenbetäubend inszeniert. Kurz, knapp und intensiv! tKatja Tauber

In Scenes From The Suburbs ging es eher geräuschlos weiter - leider aufgrund eines technischen Fauxpas des Kinos. Immer mal wieder setzte der Ton aus. Dies ist insbesondere schwierig für einen Kurzfilm und zeigt vielleicht auch das erste Manko des Filmes von Regisseur Spike Jonze - denn die Bilder sprachen leider nicht für sich und man konnte sich nur den Inhalt zusammenreimen. Zu viele Rückblenden und zu dialoglastig für einen 28 Minuten langen Film. Am Ende ratlose Gesichter und viele Fragen, was der Film eigentlich aussagen wollte. Mit einem Wort: Potpourri. tKatja Tauber

tKatja Tauber tKatja Tauber

Spielfilme 2011

Katja Tauber

V Subbotu

 

Wie verbringt man die letzten Stunden seines Lebens? Die Zeit rennt. Samstag, 26 April 1986 in Tschernobyl. Ein Reaktorturm ist explodiert. Valerij Kabysh, Beschäftigter im Kernkraftwerk, ist einer der Wenigen, die diese Katastrophe miterleben. Er will fliehen, doch zu spät: der letzte Zug ist weg. Was nun? Die letzen Momente genießen und mit der Freundin Schuhe kaufen. Die letzen Stunden verdrängen mit viel Wodka und Wein. Für Valerij noch einmal Schlagzeug spielen mit seiner alten Band auf der Hochzeit eines guten Freundes. Dazwischen Sekunden voller Angst, Trauer, Verzweifelung, Prügeleien, Freudemomenten und alles begleitet von lauter Musik, hektischen Filmsequenzen und dem schleichenden Gefühl, dass bald alles verstrahlt sein wird. Das Bewusstsein bald zu Sterben kommt immer näher und doch geht alles seinen gewohnten Gang. Das erwartete "Bang" am Ende des Films bleibt aus - anstelle dessen endet der Film im Stillen. Ein ganz gewöhnlicher Samstag geht dem Ende zu und für die Bewohner in Tschernobyl wird dies der Letzte sein. Stille! Aus der Film!

Kontrastreiche Bilder: grüne Wiesen, spielende Kinder - einfach ein schöner Sommertag und dann die Nacht: laute Rockmusik, ein metallener Beigeschmack, Prügeleien und zwielichtige Situationen. Regisseur Alexander Mindaze schafft es, das Innenleben eines Valerij Kabysh eindrucksvoll dem Publikum zu präsentieren. Man wird in einen Gefühlsstrudel gesogen. Stress und störende Momente werden durch den Einsatz von Handkamera intensiviert. Hektische Kamerabewegungen erzeugen ebenfalls Unruhe. Die Zeit fliegt davon und mit ihr schwindet die Kontrolle Herr der Lage zu sein - Flucht zwecklos! Der Film zeigt ein alltägliches Leben in Russland und zeigt uns eine andere Seite der Katastrophe. Die Kameraführung gewöhnungsbedürftig aber wirkungsvoll. Fazit: eine Achterbahn der Emotionen und definitiv sehenswert!

Gesehen von Katja Tauber

 

The Future

 

Miteinander leben oder aneinander vorbei leben? Sophie und Jason sind ein Paar, beide in ihren Dreißigern und teilen sich ein Einzimmerapartment. Sie haben einen Job, der sie nicht erfüllt. Sie unterrichtet Kinderballett, er arbeitet als Telefonist. Ihre Leben finden fast ausschließlich in den eigenen vier Wänden statt. Im Internetsurfen und auf der Couch herumlungern ist der Alltag. Doch beide wollen so nicht weitermachen - es muss sich etwas ändern! Der Plan: Eine gemeinsame Aufgabe, die Verantwortung erfordert. Was läge da nicht näher auf der Hand als eine kranke Katze zu adoptieren. Paw Paw soll die Rettung bringen - einen Monat müssen sich die Beiden jedoch noch gedulden, bis sie das Kätzlein abholen können. 28 Tage bleibt ihnen, um das zu tun, was sie schon immer machen wollten. Zuallererst die verhassten Jobs kündigen. Sophie will jeden Tag einen neuen Tanz einstudieren und diesen dann auf you-tube zustellen. Jason versucht sich als Freiwilliger und soll Baumpatenschaften an den Mann bringen. Der anfängliche Enthusiasmus bekommt schnell eine Dämpfung. Sophie ist ihrem eigenen Pensum nicht gewachsen und Jason verzweifelt an der mangelnden Bereitschaft seiner Mitmenschen, die keinerlei Interesse an der Rettung des Planeten haben. Sophie beginnt dann eine Affäre mit Marshall, einem 55-jährigen Mann, der ein geregeltes Leben führt - ganz anders als Sophie es gewohnt ist. Flucht vom eigenen Ich - ob das gelingt? Am Ende fliegt die Affäre doch auf. Gibt es noch eine zweite Chance für die Beiden in dieser chaotischen Welt? - fragt sich auch Paw Paw, der immer noch hinter Gittern auf sein Neues in der Zukunft liegendes Zuhause wartet.

Regisseurin Miranda July zeigt ein Paar, das auf dem ersten Blick skurril wirkt: Sie liebt ihre gelbes Schnuffeltuch, macht motorisch eher fragwürdige Bewegungen, wirkt ein wenig autistisch. Er hat eine lebhafte Phantasie und mag ihre Eigenart. Auf den zweiten Blick verkörpern die Beiden ein nicht so untypisches Paar; ein wenig im Alltagstrott verfangen ohne sich Gedanken über den nächsten Tag zu machen. Der Film lässt viel Freiraum für eigene Interpretationen. Einige zweideutige Szenen: ein sich von Geisterhand fortbewegenes gelbes Schnuffeltuch, ein Mann im Mond, ein im Garten verbuddeltes Mädchen. Irgendwie schräg und ein wenig sinnlos an manchen Stellen. Eben ein verträumter Film, wo Realität und Träumerei ineinander verschmelzen. Mein Tipp: sich vom Film treiben lassen und schauen, wo man am Ende strandet.

 

Gesehen von Katja Tauber

 

 
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