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Verleihung
des Bernd Burgemeister Fernsehpreis 2010
Dieses Jahr gewinnt
den „Bernd Burgemeister Fernsehpreis“ der Produzent Christian
Granderath mit seinem Kriegsdrama „Kongo“. Das TV-Movie war zunächst
einer von drei nominierten Filmen, die aus 16 eingereichten, hochkarätigen
Produktionen gewählt waren. Er setzte sich schließlich bei der Jury,
bestehend aus Hans Janke, Katja Flint und Prof. Dr. Georg Feil durch. In
der Preisverleihung, dieses mit 25.000 Euro dotierten Preises, der
Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten (VFF) am
27.06.2010, im Rahmen des Filmfest München 2010, wurde insbesondere die
Arbeit des Produzenten gewürdigt. Der Film als solches ist eine außergewöhnliche,
mutige und zwingende Fokussierung auf die tatsächlichen Bedingungen,
Schicksale und Nöte im Kriegseinsatz der Bundeswehr, hier in einer
fiktiven Geschichte im Kongo, wie sie gleichermaßen aber auch zu
Afghanistan passen würde. Soweit ist die
Verleihung auf den Punkt gebracht. Der
Preis für den Produzenten Wie sagte doch Dustin
Hoffman frustriert als Stanley Motss in „Wag the Dog“: Es gibt keinen
Oscar für den Produzenten“. Und tatsächlich gibt es Preise im Überfluss
für alle Kreativen, die an einem Film mitwirken, doch der Produzent, der
die gleiche Wichtigkeit wie Regisseur, erster Kameramann und Hauptrolle
hat, geht meist leer aus. Dem Zuschauer ist zudem die Rolle des
Produzenten völlig unbekannt. Ein Produzent ist der
Chef in der Produktion. Diesem „untergeordnet“ ist der Regisseur.
Jener ist dann dafür aber der Entscheider in allen künstlerischen Fragen
und in einem idealen Produzent-Regisseur-Team darf letzerem auch nicht in
die kreativen Entscheidungen reingeredet werden. Dafür ist der Produzent
kreativer Künstler wie Entscheider in allen wirtschaftlichen Belangen.
Letztendlich trägt er das größte finanzielle Risiko, ist allerdings der
größte Profiteur, wenn der Film Gewinne einspielt. Wirtschaftliche
Erfolge sind allerdings bei weitem nicht so zu erwarten, wie es sie in
Hollywood gibt. In Europa ist das Leben des Produzenten vielmehr geprägt
durch die Sorge um Vorfinanzierung und Budget-Disziplin. Der Erbsenzähler
Produzent steht im andauernden Disput mit der Regie und ihren künstlerischen
Anspruch – seine wahre Kunst ist Sparsamkeit und Qualität in Einklang
zu bringen. So ist es zu begrüßen,
dass die VFF, selber ein Vertreter des Standes der Produzenten, seit 1995
einen Award vergibt, zunächst als „VFF TV-Movie“, seit 2009 als
„Bernd Burgemeister Fernsehpreis“. Mit neuem Namen ehrt man den 2008
verstorbenen Produzenten. Die
Nominierten 2010 Jedes Jahr können
der VFF Produktionen eingereicht werden, 2010 waren es 16. Eine Jury
bestehend aus drei Personen, dieses Jahr mit Hans Janke ein ehemaliger Programmdirektor des ZDF, mit Katja Flint eine Schauspielerin und mit
Prof. Dr. Georg Feil ein Produzent und Professor der HFF München, erwählen
drei Finalisten für ein Rennen, in dem es nur eine Kategorie und einen
Preis gibt: den „Bernd Burgemeister Fernsehpreis“ für den
herausragendsten Produzenten. Die Finalisten sind die ‚Nominierten‘
und erhalten eine Urkunde. Ihre Produktionen werden in einem Trailer
vorgeführt, in einer Laudatio für jeden Film einzeln, werden die
Leistungen der Produzenten vorgestellt. Nominiert waren: 1. „Dschungel“
(2010), Produzentin: Ariane Krampe, teamWorx Produktion im Auftrag des WDR 2. „Kongo“
(2010), Produzent: Christian Granderath, teamWorx Produktion im Auftrag
des ZDF 3. „Sau Nummer vier
- Ein Niederbayern Krimi„ (2009), Produzentin: Nathalie Scriba, Roxy
Film im Auftrag des BR Alle Filme sind im
Programm des Filmfestes München 2010. Preisträger
2010: Christian Granderath mit „Kongo“ Die Jury gab schließlich
im Carl-Orff-Saal Christian Granderath mit der Produktion „Kongo“ als
Gewinner bekannt. Der Preis in Form eines roh und kalt wirkenden Blocks
Metall und Glas ist leider nüchtern und emotionslos. Während andere süße
Rehe, wilde Katzen, kräftige Ungetüme erhalten, erscheint dies
angemessen für das Arbeitstier „Produzent“. Er ist dotiert mit 25.000
Euro die nicht zweckgebunden sind aber für die Finanzierung neuer
Projekte gedacht sind. Während es eine große Summe für die Mehrheit der
Schauspieler darstellen würde, ist es nur ein erster Tropfen für den
beschwerlichen Weg des Produzenten durch die Finanzierungswüste. Nach Verkündung des
Siegers und seiner Danksagung erfuhr der Film seine (inoffizielle)
Premiere und die geladenen Gäste konnten sich vergewissern, dass es ein
absolut sehenswerter Film ist. In den Filmkritiken des Movie-College
finden sich ausführlichen Berichte zu diesen, wie auch den anderen,
nominierten Filmen. Seltene Würdigungen,
eine Kategorie, ein Preis,… doch welche Leistung? Die Arbeit des
Produzenten ist hart, seine Leistungen hoch, aber war das der beste
Produzent, war das die beste Leistung? Was waren und sind die Kriterien?
Offensichtlich wurde das „Werk“, der Film – diese Jahr „Kongo“
– betrachtet. Ein Kriegsdrama, mit gutem Drehbuch, guten Schauspielern,
solider filmischer Arbeit. Die „Kreativen“ haben gute Arbeit
geleistet, ausgezeichnet wird aber der Produzent. Was man am Film selber
sieht: der Produzent hat es geschafft, ihn zu realisieren. Nur erahnen
kann man, dass es nicht leicht war. Man drehte in Afrika, allerdings nicht
im Kongo sondern im vergleichsweise sicheren Südafrika. Der Film blickt
kritisch auf die Bundeswehr, Streit mit dieser und möglicherweise auch
anderen Einrichtungen, Ministerien, Parteien? Hier oder dort kann der Weg
sehr steinig geworden sein. Doch genauso bei
„Im Dschungel“ und beim Niederbayern-Krimi „Sau Nummer vier“. Von
letzterem weiß man, dass die Finanzierung lange auf der Kippe stand und
auch der Wirtschaftskrimi brauchte Jahre, bis der WDR schließlich den
Auftrag erteilte. Wie auch bei den anderen 13 eingereichten Filmen haben
die Produzenten in Zeiten knapper Kassen unermüdlich an Türen geklopft. Leider ist die Jury
in Ihren Begründungen nicht wirklich darauf eingegangen was die
herausragende Arbeit der drei Finalisten genau war. Der Blick allein auf
das fertige Werk „Film“ birgt dabei nicht zuletzt die Gefahr, den
Preis zu vergeben an Filme deren Themen so bewegen, wie etwa in diesem
Kriegsdrama – eine Krimikomödie dann chancenlos? Die Akademie vergibt
ihren Oscar womöglich deswegen nicht an Produzenten. Ihre Leistung ist
nur in einer Hinsicht wirklich zu messen: Wie viel spielte die Produktion
ein? Dass die VFF dies nicht als Grundlage nimmt, spricht für sich. An der Entscheidung für
„Kongo“ soll nicht kritisiert werden, Christian Granderath hat es sich
verdient. Der Wunsch an die Jury 2011 und die VFF ist aber berechtigt:
bitte erzählt von der Arbeit, den Hürden, den Problemen und den
Leistungen! Liebe VFF, versteckt
den Preis nicht und holt ihn nicht nur zum Filmfest hervor. Geht
konsequent weiter, indem was Ihr seit 15 Jahren versucht, die Stärkung
des Berufs „Produzent“. Wie wäre es mit einer Homepage zum Preis, auf
der auch die Produzenten vorgestellt und mit ihrer täglichen Arbeit
dargestellt werden? Gebt Eurem Preis ein Gesicht, etwa jenes von Bernd
Burgemeister und zeigt dem Nachwuchs das Bild des Produzenten. Und
vergesst nicht das Publikum dem man die Arbeit des Produzenten näher
bringen könnte. Etwa um in Zeiten von „Ripping“, „Torrents“ und
„Rapidshare“ etc. auch hier das Bewusstsein beim Konsumenten dafür zu
stärken, dass Filme von Leuten gemacht werden, die mit null Euro anfangen
und hart bis zur letzten Klappe kämpfen müssen. Und hier kämpfen im Übrigen
gegen die Piraten auch die kleinen Produktionsfirmen und die namenlosen
Indie-Produzenten. Auch die sollen einreichen! Lasst mehr
Einreichungen zu, sucht sie und verlangt sie! Seit offener, emotionaler
und präsenter. Sonst könnte man
noch meinen, der Bernd Burgemeister Preis ist auch nur eine geschlossene
Veranstaltung mit exklusiven Mitgliedern, ein weiteres Meeting des
verschworenen Kreises. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten auf der
einen Seite, die üblichen großen Produktionsfirmen auf der anderen,
dazwischen munter wechselnde, aber stets die selben Gesichter und Aufträge.
Kein frisches Blut, keine neue Konkurrenz. Im verschworenen
Kreis ist der Preis nur eine kleine Anerkennung, im offenen, großen
Wettstreit ein Zeichen und Unterstützung für alle Produzenten. Tankred L. Tumpach |
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