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Tetro
von F.F. Coppola Hauptprotagonist "Tetro" (genial: Vincent Gallo), der vor Jahren seinem herrschsüchtigen Vater ( Klaus Maria Brandauer) entflohen und den Kontakt zur Familie ausnahmslos abgebrochen hat, wird von seinem 10 Jahre jüngeren Bruder "Bennie" (Alden Ehrenreich) aufgesucht und gegen seinen Willen mit der Vergangenheit konfrontiert, welche für Bennie selbst undurchsichtig ist und erst am Ende des Films aufgelöst wird. Von F. Coppola selbst geschrieben (!), lässt sich "Tetro" in der filmischen Umsetzung wie eine Partitur lesen. Selbst ein ungeschultes Auge wird bewusst durch diese durchstrukturierte Komposition gelenkt. Zwischen wiederkehrenden, symbolträchtigen Motiven wie dem Spiegel lassen sich zahlreiche interpretative Stränge zu dem Familiendrama spinnen, welches sich erst nach und nach entwirrt. Mit bewusstem Einsatz von Farbe, Licht und Kameraperspektiven bleibt in "Tetro" aber auch wirklich nichts dem Zufall überlassen, so dass man sich von den vor Ästhetik strotzenden Bildern geradezu gefangen fühlt. Ist der Geschichte das erste Drittel des Films noch linear zu folgen, beschleichen den Zuschauer im weiteren Verlauf des Öfteren eine leicht beklemmende "Mulholland Drive- Atmosphäre". In Form von Balletteinlagen werden Erinnerungsstücke Tetros visualisiert, welche in krassem Kontrast zur Gegenwart stehen. Dennoch schafft es Coppola die Erzählstränge wieder so aufzunehmen, dass es dem Zuschauer doch möglich bleibt Gegenwart-Erinnerungsfragmente und Interpretationspotentielle Einlagen auseinander zu halten bzw. als Verbindungselemente zu würdigen, welche eine doch sehr schnell erzählte Geschichte zu einem zweistündigen, bildhaften Erlebnis machen. Zum Ende hin wird "Tetro" etwas langatmig, was enorm an dem ohnehin nicht wirklich vorhandenen Spannungsbogen zehrt. Allein wegen der vielen Stilmittel, eine Menge analysierungswürdigem Material, -aber auch oder vielleicht gerade für "Hobby"- Cineasten eine Schulung für das Auge, welches der künstlerischen Filmsprechweise Coppolas in einer positiven Art und Weise "ausgesetzt" wird.
Alica Lathe
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Possessed [Bul Shin Ji Ok]
von LEE Yong-ju Ein Horrorfilm auf dem Filmfest München ist etwas, das man nicht allzu oft zu sehen bekommt. Das dieser Horrorfilm dann aus Asien kommt, ist etwas, dass einen auch nicht zu sehr verwundern sollte, haben die Asiaten doch schon lange bewiesen, dass sie wesentlich mehr zu bieten haben, als brachiale Actionfilme. Und besonders im Horrorgenre zeigt sich in Japan und auch in Korea echtes Potential, sowohl was Inszenierung als auch Einfallsreichtum, betrifft. Possessed (Bul Shin Ji Ok) kann was Inszenierung betrifft zwar wirklich überzeugen, aber die Geschichte ist, wenn auch solide und teilweise individuell, nichts was einen von den Socken hauen dürfte. Hee-jins kleine Schwester ist von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden. Hee-jin macht sich große Sorgen und versucht alles um herauszufinden, wo die kleine So-jin abgeblieben ist. Die Polizei interessiert sich anfangs nur mäßig für den Fall und auch von ihrer Mutter kann Hee-jin nicht viel Hilfe erwarten, denn die ist zu einer fanatischen Kirchgängerin geworden, die jeden Sinn für die Realität verloren zu haben scheint. Doch schon bald kommt es zu sehr mysteriösen Selbstmordfällen und zusammen mit dem Polizisten Tae-hwan findet Hee-jin bald heraus, dass eine kleine Gruppe von Leuten ihre Schwester offenbar schamlos ausgenutzt hat, da diese angeblich über erstaunliche, übernatürliche Kräfte verfügt. Geister, Aberglaube, religiöser Fanatismus und Besessenheit. Wie gesagt, solide und ganz nett, aber nichts was man nicht schon öfters in ähnlicher Art und Weise gesehen hat. Allerdings können Inszenierung und Schauspieler wirklich überzeugen. Unheimliche Musik, teilweise wirklich tolle Schockeffekte und eine sehr düstere und beklemmende Atmsophäre lassen einem den Puls höher schlagen. Für Freunde echten Psychohorrors sehr empfehlenswert, wenn es auch kein echtes Highlight des Genres darstellt. Wer allerdings schwache Nerven hat, sollte es lieber mit 'Me Too' von Antonio Naharro und Álvaro Pastor versuchen.
Mark Zaschka
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Yo,Tambien (dt. Me too - Wer will schon normal
sein?)
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Yo, Tambien [Pablo Pineda, Lola Dueñas] |
von Antonio Naharro, Álvaro Pastor
Kinostart: 05.08.2010
"Yo, Tambien" handelt von dem 34-Jährigen Daniel (Pablo
Pineda, der sich selbst spielt), der am Down-Syndrom leidet.
Trotz seiner Behinderung erreichte Daniel einen Universitätsabschluss
und kann einen Beruf bei einem spanischen Amt ergreifen. Daniel hat
damit mehr geleistet, als so mancher am Down-Syndrom leidende Mensch
in seinem Leben schaffen konnte. Doch Daniel ist nicht erfüllt. Ein
Teil fehlt in seinem Leben - wahre Liebe. Auf seinem Arbeitsplatz
trifft er auf Laura (Lola Dueñas), die zunächst nicht freundlich auf
ihn eingeht, jedoch sehr schnell entspinnt sich zwischen den beiden
eine einzigartige Freundschaft.
Beide verlieben sich überraschend für sich selbst und unvorstellbar
für alle Anderen.
Yo, Tambien, dessen "deutscher" Titel "Me too - Wer
will schon normal sein?" lautet (Wer ist nur für diese
Titelvergabe zuständig?). Zählt, das muss ich unumwunden sagen, zu
einem der besten Filme der letzten Jahre.
Die Geschichte um den am Down-Syndrom leidenden Daniel, der auf der
Suche nach Liebe ist, ist zu keinem Zeitpunkt kitschig und versucht
nicht Kapital aus Mitleid gegenüber dem Protagonisten zu schlagen.
"Yo, Tambien" besticht durch geistreiche Dialoge und einem
herausragenden Humor, es war lange her, dass ich in einem Kino
derartig von Herzen lachen konnte. Die urkomischen Szenen wurden auch
durch das Publikum bei der Eröffnungsveranstaltung des Filmfests München,
durch spontanen Applaus honoriert.
Ich möchte nun einige Thesen aufzählen, die diesen Film vielleicht
kontrovers betrachten lassen. Kritische Augen könnten aufzeigen, dass
dieser Film Daniels Behinderung beschönigt, sich seiner Behinderung
bedient um "politisch korrektes" Mitleid zu generieren. Man
könnte behaupten, bei einer größeren Schwere der Behinderung, würde
niemand diesen Film für voll nehmen können, da die Geschichte auch
nicht funktioniert hätte. Denn wie kann es sein, dass ein behinderter
Mensch, ein derartiges Empfinden, auch sexueller Prägung, besitzen
kann? Das dies so ist zeigt dieser Film auf eine unglaublich charmante
Art auf.
Dieser Film öffnet uns ein Fenster in eine Welt, die wir ansonsten
weit von uns schieben. "Yo, Tambien" schafft es Fragen
aufzuwerfen und einverleibte Vorurteile gegenüber Behinderten
anzugreifen und bringt uns selbst dazu, diese Vorurteile zu widerlegen.
Dies ist, neben der hervorragenden Unterhaltung, die großartige
Leistung dieses spanischen Erstlingsfilmes.
Michael Stadnik
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Natarang
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Natarang [Sonali Kulkarni] |
von Ravi Jadhav
Wenn ich beginne, diesen Film mit den Worten: Indien, Musik und Tanz zu umschreiben, werden Sie nun denken; „Aha! Das muss wieder so ein kitschiger Bollywoodfilm sein“. Verständlich wäre diese Vermutung, ist doch Indien für seine schrillen Tanzfilme bekannt.
Doch nun zum Film:
,,Natarang" handelt von Guna Kagalkar (Atul Kulkarni), einem indischen Landarbeiter aus der Regien Maharashtra (einer Region in Indien, die fast so groß ist wie Deutschland). Guna ist ein großer Fan von Theater- und Tanzvorstellungen. Soweit sein Gehalt es zulässt, sitzt er am Abend im Theater schaut einem traditionellen indischen Volkstheater, Damasha genannt, zu. Er träumt davon selbst einmal eine Theatergruppe zu leiten.
Eines Tages bietet sich ihm diese Möglichkeit, die er gerne ergreift. Doch für seinen Traum muss Guna Opfer bringen, die ihn und seine Familie in der traditionellen Kastengesellschaft diskreditieren werden.
,,Natarang" beginnt sehr unterhaltsam und humorvoll und steigert sich
zum Ende hin in eine einwenig übertriebene Dramatik hinein, was der
Geschichte jedoch nicht schadet.
Die indischen Schauspieler spielen mit einer unglaublichen Präsenz, was
nicht nur für die Protagonisten wie Atul Kulkarni gilt, der im Übrigen mit
einer unglaublichen Wandlungsfähigkeit brilliert und dies nicht nur im
schauspielerischen Sinne. Atul Kulkarni hatte extra für den ersten Teil des
Films ca. 50 Pfund zugenommen und dann während einer Drehunterbrechung von
2-3 Monaten dieses Gewicht wieder „abtrainiert“. Was nun wirklich eine
beeindruckende Leistung darstellt.
Michael Stadnik
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Models
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Models [Ulrich Seidl] |
von Ulrich Seidl
Als Bestandteil der Retrospektive zu Ulrich Seidls Filmen wird dieses Werk, unter dem kurzen aber prägnanten Titel "Models" präsentiert. Dieser Dokumentarfilm ist zwar schon 1999 gedreht worden, behandelt aber ein gerade sehr aktuelles Thema. Die Arbeit und das Leben von Models!
Was neuerdings bei "Germany's Next Topmodel" gezeigt wird, scheint mit dem Leben der vier Models und Freundinnen Vivian, Tanja, Lisa und Elvyra kaum etwas zu tun zu haben. Zwischen Drogenkonsum, schnellen Affären, Magersucht, ausgelassenen Partys und verzweifelten Augenblicken begegnen sich die Kolleginnen immer wieder, ob gemeinsam oder allein, beim Schminken im Damen-WC, beim diskutieren von Beziehungsproblemen, oder auf mehr oder weniger seriösen Castings. Eigentlich sind diese vier Charaktere auf der Suche nach Zuspruch, Unterstützung, Akzeptanz und Liebe. Doch leider verlieren sie sich allzu oft in Leid und Depression.
Obwohl dieser Film Menschen zeigt, die sich gerade besonders oft schminken, wirkt er komplett natürlich und vollkommen ungeschminkt!
Natascha Stevenson
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The Double Hour [La Doppia Ora]
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The Double Hour [La Doppia Ora] |
von Giuseppe Capotondi
Mysterie, Krimi, Thriller, Liebesfilm und wer weiß,
was da noch alles drinsteckt. Für ein Spielfilmdebüt ist dieser Genremix
durchaus gelungen, wenn auch nichts, was man wirklich im Gedächtnis behalten
wird. Aber immerhin unterhaltsam und teilweise auch recht spannend.
Das Zimmermädchen Sonia lernt bei
einem Speed-Dating den Wachmann Guido kennen und bald verlieben sich die
beiden ineinander. Als Sonia Guido auf der Arbeit besucht, werden die beiden
von bewaffneten Einbrechern überrascht. Als einer der
Einbrecher Sonia zu vergewaltigen versucht, will Guido seine Geliebte beschützen
und wird dabei im Kampf mit dem Verbrecher erschossen.
Sonia überlebt, ist allerdings kaum in der Lage mit dem Verlust ihres
Liebsten fertigzuwerden. Auf einmal geschehen mysteriöse Dinge. Sonia glaubt
gelegentlich Guidos Stimme zu hören und ihn sogar zu sehen. Offensichtlich
verliert sie langsam den Verstand, oder plagen sie in Wirklichkeit
irgendwelche Schuldgefühle? Ist Guido vielleicht gar nicht tot?
Die Geschichte ist doch weitaus
komplexer, als man anfangs annimmt. So wird aus dem anfänglichen Liebesfilm,
bald ein Mysterythriller, der immer wieder versucht den Zuschauer zu
verwirren. Dann begibt man sich auch noch ins Krimi-Genre und
schließt das Ganze als Drama ab. Bisschen kompliziert, aber man behält
größtenteils den
Überblick. Allerdings wirkt das Ganze auch ein wenig überladen. Immer neue
Geheimnisse werden gelüftet, es gibt immer neue Wendungen und Ereignisse, und für 95 Minuten und eine eher kleine Geschichte ist das
einfach etwas zu viel.
Trotzdem hat der Film gute Ideen, interessante Ansätze, spannende Momente und gute Schauspieler,
und kann somit an einem gemütlichen Abend schon für ein wenig Kurzweil sorgen.
Ein nicht rundum gelungener, aber doch ganz guter Beitrag aus Italien.
Mark
Zaschka
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The Road
Hier gehts zum Interview mit John Hillcoat
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The Road |
von John Hillcoat
Kinostart: 07.10.2010
Auf dem Kultroman aus 2006 von Cormac McCarthy basierend, erzählt "The Road" von einer besonderen Vater-Sohn Beziehung, die aufgrund schwerer äußerer Umstände auf die Probe gestellt wird. Dieser neueste Film des australischen Regisseurs John Hillcoat, erweist sich als ein sehr kraftvolles Werk, welches weniger durch geballte Action, als durch eindringliche Momente überzeugt. Die Starbesetzung mit Viggo Mortensen (Der Vater) und Charlize Theron (Die Mutter), sowie dem jungen Protagonisten Kodi Smit-McPhee (Der Sohn) ist für dieses düstere Drama zudem sehr passend gewählt.
Die Story ist an sich recht schlicht gehalten. Ein Vater befindet sich mit seinem Sohn auf einer langen Straße inmitten des Chaos einer zerstörten Erde. Wodurch ihr Lebensraum verwüstet wurde, wird hier nicht zum großen Thema gemacht. Der Fokus wird auf die Welt gelegt, wie sie nach einer globalen Katastrophe aussieht - eine postapokalyptische Welt - ! Die beiden Charaktere gehören zu den sehr wenigen Überlebenden des Planeten, auf dem wegen der desaströsen Lebensumstände eine Welle des Kannibalismus ausgebrochen ist. Vater und Sohn zählen sich aber zu den "Guten", die solche schrecklichen Sünden nicht begehen und sogar lieber verhungern würden. Doch bei dieser winterlichen Kälte und den Gewalttätigkeiten, die sie umgeben, wird es immer schwerer, sich an die guten Werte zu halten. Glücklicherweise findet dieser Film halbwegs ein Happy End, denn sonst würde man bei dem Anblick all der grauen Bilder überaus frustriert aus der Kinovorstellung hinaustreten.
Wenn man nur den Filmtitel betrachtet, wird einem schon klar: Hier handelt es sich wohl um ein Roadmovie! Sicherlich, denn schließlich spielt die Geschichte während der mühsamen Reise zu Fuß, entlang einer großen Straße. Obwohl der Film eine dunkle, ausgestorbene Welt zeigt, strebt er es offensichtlich nicht an, den Zuschauer ausschließlich zu schockieren und in die Depression der Figuren zu versetzen. So kommen neben den frustrierenden Augenblicken nämlich, wenn auch selten, immer wieder hoffnungsvolle Momente auf. Der Glaube an eine bessere Zukunft und die Nächstenliebe gehören somit zu den wichtigsten Aspekten des Films.
Natascha Stevenson
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Am Anfang war das Licht
Hier gehts zum Interview mit P.A. Straubinger
von P.A. Straubinger
Kinostart: 17.09.2010
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Am Anfang war das Licht |
Für diesen Film hat sich der Österreicher P.A.
Straubinger auf eine sehr interessante und ungewöhnliche Reise begeben und
zahlreiche Menschen getroffen, um der Frage auf den Grund zu gehen, was es
mit dem Phänomen der „Lichtnahrung“ auf sich hat. Im Stil eines wirklich
fachkundigen Dokumentarfilms vermittelt dieses Werk Wissen, Erfahrungen und
Erkenntnisse zum Thema Energie, Ernährung und deren Erforschung. Daher
erstreckt sich der Film sogar auch bis in Bereiche der Physik und Religion.
Es gibt Menschen, die offensichtlich ohne jegliche, feste Nahrung auskommen. Stattdessen ernähren sie sich nur von „Licht“. Man fragt sich natürlich: Wie kann das möglich sein?
Mithilfe von Interviews mit Menschen aus der ganzen
Welt, protokollierten Laborexperimenten und zahlreichen Erlebnisberichten
werden wesentliche Fragen rund um das Thema beantwortet. Bei den vielen
wissenschaftlichen Untersuchungen, logischen Forschungsergebnissen aus der
Quantenphysik und Erkenntnissen östlich-spiritueller Tradition, kann der
Kinobesucher leicht feststellen, dass das Phänomen der Lichtnahrung nicht in
den Bereich der so oft zweifelhaften "Esoterik" fällt.
Faszinierende Geschichten und Bilder decken nahe zu unglaubliche Fakten auf
und geben dem Zuschauer somit die Möglichkeit, sich ein Stück weit einer
neuen Weltanschauung zu öffnen.
Auf schlichte und doch spannende Art und Weise zeigt dieser Film also in sehr abwechslungsreichen Bildern, was es noch so Alles über uns Menschen und unsere Welt aufzudecken geben kann, wenn man sich nur damit befasst. Dies ist sicherlich ein Film, den man so gut wie jedem empfehlen darf, da ja auch schließlich jeden das Thema Ernährung etwas angeht!
Natascha Stevenson
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Little Baby Jesus of Flandr
von Gust van der Berghe
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Little Baby Jesus of Flandr |
Zur Weihnachtszeit brechen drei bettelarme Freunde, verkleidet als die heiligen drei Könige, auf um sich etwas Geld zu ersingen. Mit mehr als sie selbst erwartet haben, entschließen sie ihren Gewinn zusammen in der Dorfkneipe zu verflüssigen. Auf dem Weg dorthin verirren sie sich im Wald und bekommen Unterschlupf bei einer ebenso armen Familie, wie wir sie aus unserer Weihnachtsgeschichte kennen: Vater, Mutter und ihr Neugeborenes. Von deren Glückseeligkeit angesteckt, schenken sie der jungen Familie all ihr Hab und Gut.
Nach dem Ereignis teilen sich die Meinungen über das Vorgefallene und die drei gehen getrennter Wege. Während Suskjewiet mit jedem Tag mehr davon überzeugt ist die Familie Jesu Christi selbst gesehen zu haben, wenden sich seine Kollegen gegen ihn und tun es als "spontane Fehlentscheidung" ab ihr gesamtes Vermögen aus Sympathie verschenkt zu haben.
Zwei weitere Weihnachten vergehen und jeder der drei Freunde hat nach dem ersten Weihnachten sein Leben in eine andere Richtung gelenkt. S. der sich von Anfang an für die Jesus Familie und somit für den Königsweg entschieden hat - Sch. Der sich nach einer Zeit erst zu demselben Glauben durchgerungen hat und darin seine Erlösung fand- und schließlich P. der Seine Seele für materiellen Wohlstand dem Teufel verkauft hat.
"Little Baby Jesus of Flandr" hat Gust van den Berghe als seinen Abschlussfilm an der Filmhochschule von Brüssel eingereicht. Es ist ein besonderer, sehr einfacher Film, bei dem es eher weniger um den Plot geht, als um Stil selbst. Basierend auf dem flämisch traditionellen Theaterstück " En waar de sterre bleef stille staan" von F. Timmermann tobt sich van den Berghe in der filmischen Umsetzung mit zahlreichen künstlerischen Mitteln aus.
Eines seiner großen Anliegen war es den Zuschauer aus der fiktionalen Welt immer wieder herauszureißen. In schwarzweiß gehalten und mit besonderem Augenmerk auf die ländlich, winterliche Umgebung, scheint es fast selbstverständlich im Laufe des Films Kontrastelemente wie Sprach- Farb- und Umgebungswechsel einzubauen.
Ungewöhnlich bzw. politisch thematisiert erscheint im erstem Moment die Wahl des Casts. Alle Hauptdarsteller und der Großteil der Nebendarsteller sind von Laien-Schauspielern mit Down-Syndrom besetzt. Der Regisseur will damit jedoch kein Statement setzten oder interpretativen Freiraum für gesellschaftskritische Fragen schaffen- "it is what it is". Doch schnell wird dem Zuschauer klar, dass die Geschichte als solches mit gängigen Schauspielern gar nicht funktionieren würde.
Mit einem minimalen Budget gelang es Van der Berghe auch in Cannes zu überzeugen- ein Film der durch seine Schlichtheit und Selbstverständlichkeit noch lange nach der Vorführung beschäftigt. Als Erstlingswerk auch auf dem Filmfest hoch gelobt, hat es Van den Berghe geschafft zu überzeugen und Lust auf mehr gemacht.
Jana Kreissl und Alica Lathe
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Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall
von Lorenz Knauer
Kinostart: 02.09.2010
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Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall |
Es gab und gibt noch immer wirklich besonders eindrucksvolle Menschen, die versuchen die Welt zu verbessern. Bekannte Persönlichkeiten sind beispielsweise Mahatma Gandhi, Mutter Teresa oder der Dalai Lama. Dieser Film ist jedoch weitestgehend die Biographie einer der außergewöhnlichsten Frauen unserer Zeit: Die Lebensgeschichte von Jane Goodall! Wem dieser Name noch nichts sagt, ist mit diesem Film bestimmt sehr gut bedient, da hier wirklich alle wissenswerten Aspekte dieser Frau beleuchtet werden.
Alles fing damit an, dass sich die noch sehr junge Jane in besonderem Maße für Schimpansen interessierte, weshalb es sie bald in den tropischen Urwald zog. Hier machte sie sich zur Aufgabe, wissenschaftlich zu arbeiten und die Welt der Schimpansen zu erforschen. Auf diese Weise begann ihre große Lebensreise, die bis in die Gegenwart andauert und sie schon durch die ganze Welt geführt hat. Sie vermittelt dem Zuschauer ihre Visionen sowie Vorstellungen und erzählt immer wieder auch von privaten Erlebnissen, Hoffnungen und Enttäuschungen. Trotz ihres mittlerweile fortgeschrittenen Alters nimmt sich diese Frau kaum Zeit zum ausruhen und ist stattdessen rund 300 Tage im Jahr unterwegs um den Menschen, im besonderen jungen Menschen, Anregungen für einen besseren Umgang mit der Natur und den Mitmenschen zu geben. Derzeit ist sie unter anderem als UN-Friedensbotschafterin tätig und Gründerin erfolgreicher Institutionen wie dem "Institute for Wildlife Research, Education and Conservation" oder "Roots & Shoots".
Dies ist also ein wirklich schöner Dokumentarfilm, der mit reichlich Impressionen überzeugt und sogar berührt. Jane Goodall erzählt ihre eigene Geschichte und die Kamera begleitet sie auf ihren Reisen rund um die Welt. Zudem kommen auch Menschen, die diese außergwöhnliche Frau kennen gelernt haben oder solche, die von ihr inspiriert wurden zu Wort und erzählen von interessanten Eindrücken und Erlebnissen. Somit bekommt auch der Zuschauer die Möglichkeit, sich von dem Denken dieser warmherzigen "Dr. Jane" inspirieren zu lassen. Man träumt mit ihr den Traum von einer besseren Welt, in der der Natur ihr rechter Stellenwert zugestanden wird.
Natascha Stevenson
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This Prison where I live |
von Rex Bloomstein
Wollten sie schon immer mal wissen, ob Deutschlands größte und lauteste Comedy-Klappe auch im echten Leben so ist wie auf der Bühne? Wenn sie die Chance haben 'This Prison where I live' zu sehen, haben sie dazu die Möglichkeit. Zusammen mit dem Comedian Michael Mittermeier machte sich nämlich der erfahrene, englische Dokumentarfilmer Rex Bloomstein auf die Spuren eines burmesischen Künstlers und Comedians, und begab sich dabei im vom Militär beherrschten Burma selbst in Gefahr.
Abgesehen von einem diesmal meist sehr ernsten, aber auch sehr sympathisch
wirkenden Michael Mittermeier, hat der Film aber noch wesentlich mehr zu
bieten. Alles dreht sich um einen Mann namens Zarganar, einen Künstler und
Komiker aus Burma, der wegen seiner Witze über das dortige Militärregime
vor zwei Jahren zu sage und schreibe 59 Jahren (!) Haft verurteilt wurde.
Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, das steht völlig außer Frage.
Als
Tourist nach Burma zu fliegen ist nicht ganz ungefährlich, nach Burma zu
fliegen um sich auf die Spuren eines politischen Häftlings zu machen ist
sogar sehr gefährlich. Trotzdem begeben sich die beiden auf diese Reise und
versuchen mit Mittelsmännern und allerlei Tricks (um nicht zu viel
Aufmerksamkeit zu erregen) so nahe an Zarganar heranzukommen, wie es ihnen
möglich ist. In einem Land wie Burma, das so vom Militär unterdrückt und
kontrolliert wird, ist dieses Unterfangen aber ziemlich aussichtslos.
Der Film begleitet den englischen Filmemacher und den deutschen Comedian auf ihrer Reise und bringt den Zuschauer dabei so nahe an das Geschehen heran, dass man den Druck und die Anspannung der Protagonisten selbst fühlen kann. Es ist ein Film, der den Leuten die Augen öffnen und sie auf diese Tragödie aufmerksam machen soll. Doch er ist ebenso spannend, emotional und auch toll erzählt. Es gibt viele Gründe sich diesen Film anzuschauen, nicht zuletzt um ein Interview von 2007 mit dem sehr sympathischen und bescheidenen Zarganar selbst zu sehen, der noch viele Jahre Gefängnis vor sich hat und dessen Gesundheit mittlerweile schon sehr stark angeschlagen ist. Man kann nur hoffen, dass dieser Film in der Lage sein wird, irgendetwas zu bewirken, aber die Aussichten dafür sind leider sehr schlecht.
Mark Zaschka
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Life 2.0 |
von Jason Spingarn Koff
Die Welt der Videospiele gehört schon längst nicht mehr den Kindern.
Unzählige Titel genießen strengstes Kinder- und Jugendverbot, auch solche,
bei denen man dieses Verbot auf den ersten Blick gar nicht nachvollziehen
kann. Auch die schräge Community-Area namens Second Life ist nichts für
Kinder. Hier ist allerdings ein 'Nur für Erwachsene'-Stempel durchaus
angebracht, denn was für schräge Vögel sich in dieser virtuellen Welt
rumtreiben und was für einen unglaublichen Suchtfaktor dieses Machwerk
offensichtlich hat,
möchte man gar nicht glauben.
Der Dokumentarfilmer Jason Spingarn Koff begab sich in diese kuriose,
virtuelle Welt und gibt dem Zuschauer einen interessanten und auch teilweise
schockierenden Einblick in die Psyche einiger der unzähligen Spieler, die
sich in diesem sterilen Polygonuniversum tummeln.
Da wäre zum einen ein Pärchen, dass sich in Gestalt ihrer Alter Egos in
Second Life, den sogenannten Avatars, kennengelernt und ineinander verliebt
hat. Beide sind eigentlich verheiratet, aber tatsächlich schon bald bereit
sich für ihre Second-Life-Bekanntschaft zu trennen und eine gemeinsame,
echte Beziehung zu versuchen. Auch Spingarn Koff selbst hatte sich extra für
dieses Projekt einen Avatar kreiert und begleitete die beiden auf ihren (mehr
oder weniger romantischen) virtuellen Rendezvous. Eine Beziehung im richtigen
Leben läuft dann aber doch ein wenig anders, das müssen die beiden
Turteltäubchen bald einsehen.
Dann wäre da eine Designerin, die in Second-Life Häuser, Klamotten, Schmuck
und vieles, viels andere kreiert und an ihre virtuellen Kunden verkauft.
Allerdings tauscht sie ihre virtuelle Währung regelmäßig in echte Dollars
ein und finanziert somit beinahe den ganzen Lebensunterhalt ihrer Familie.
Sie verdient ihr Geld also mit Videospielen, "Wie cool ist das
denn?" Während der Avatar eine 'schicke', aufgebrezelte Mieze mit
Pamela-Anderson-Maßen ist, ist die wahre Frau hinter diesem Trugbild eine
extrem übergewichtige Frau, die sich spätnchmittags aus dem Bett hievt um
dann die gesamte Nacht vor dem Computer in Second Life zu verbringen.
"Wie cool ist das denn?" …
Und schließlich werfen wir noch einen Blick auf einen jungen Mann, der sich
einen Avatar in Form eines elfjährigen Mädchens geschaffen hat und schon
mal gerne 12 Stunden am Stück vor dem PC sitzt. Seine Verlobte hat für
seine neue Obsession kein Verständnis und auch sein restliches Privatleben
verebbt mehr und mehr zu einer Wüste. In Second Life hat er neue Freunde
gefunden und sich mit seinem elfjährigen Polygonmädchen ein richtiges,
neues Leben aufgebaut. Er sieht zwar selbst ein, dass es so nicht weitergehen
kann, aber der Ausstieg aus dieser zweiten Welt fällt ihm doch sehr schwer.
Und warum redet er von seinem Avatar immer in der dritten Person? Sieht er
dieses Gebilde, das eigentlich nur aus Einsen und Nullen besteht wirklich als
eigene Persönlichkeit an?
Life 2.0 ist in vielerlei Hinsicht sehr interessant. Jason Spingarn Koff zeigt seine Protagonisten sowohl in der virtuellen, als auch in der realen Welt und verschafft dem Zuschauer so einen wirklich hochinteressanten Einblick in das Leben von Menschen die sich in ihrem zweiten Leben teilweise hoffnungslos verlieren. Die ganze Welt rund um das Phänomen Second Life wird beleuchtet, allerdings ohne dabei irgendeine Stellung zu nehmen. Wie absurd oder faszinierend das alles ist, bleibt also dem Zuschauer selbst überlassen. Dass der Film aber gelungen und faszinierend ist, das dürfte außer Frage stehen.
Mark Zaschka
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Elenor's Geheimnis |
von Dominique Monféry
Na bitte, es müssen doch nicht immer seelenlose Pokemon, dämliche, neue Pseudoactionhelden, oder hirnlose Teletubbies sein. Man kann auch Kinderfilme mit viel Liebe, Herz und Verstand machen, die dabei trotzdem aufregend und interessant sind. Elenor's Geheimnis gehört definitiv zu den wirklich schönen Kinderfilmen der letzten Jahre. Spannend und phantasievoll erzählt, detailliert und mit viel Liebe inszeniert.
Der kleine Nathaniel tut sich mit dem Lesen sehr schwer. Seine Eltern sind
deswegen schon ein wenig besorgt und seine große Schwester zieht ihren
Bruder damit ständig auf. Da erscheint es beinahe wie eine Farce, dass er
von seiner verstorbenen Tante Elenor ausgerechnet die große Bibliothek
geerbt hat. Was soll er mit all den unzähligen Märchenbüchern, die dort in
den Regalen stehen, anfangen? Da Nathaniels Eltern dringend Geld brauchen, um
große Sturmschäden an dem Erbhaus reparieren zu können, beschließt man
schließlich die Bücher der Bibliothek an einen Trödelhändler zu geben, in
der Hoffnung noch ein wenig Geld dafür zu bekommen. Der Händler ist
allerdings ein echtes Schlitzohr und verheimlicht den Eltern den wahren Wert
der vielen Märchenbücher, die allesamt Erstausgaben sind.
Zudem entdeckt Nathaniel, dass die Bücher der Bibliothek etwas ganz
Außergewöhnliches sind, und dass er aus gutem Grund zum Erben der
Bibliothek auserkoren wurde. Doch es ist schon zu spät, die wertvollen Werke
sind verpackt und warten nur darauf verkauft zu werden. Jetzt gilt es schnell
zu handeln. Die Bücher müssen dem hinterlistigen Händler wieder abgenommen
werden und Nathaniel muss Elenor's Nachfolge antreten. Alles was er dafür
tun muss, ist den Zauberspruch, der an einer Wand in der Bibliothek steht,
vorzulesen. Für Nathaniel scheint dies aber ein beinahe unmögliches
Unterfangen zu sein.
Nicht nur Kinder dürften an diesem Film ihre Freude haben, auch Erwachsene, die ein wenig in nostalgischen Erinnerungen schwelgen wollen, werden sich bei den liebevoll gezeichneten Bildern und der herrlichen Märchenstimmung amüsieren. Ein wirklich schöner Kinderfilm, von denen es heutzutage leider nicht mehr viele gibt.
Mark Zaschka
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Mr. Nobody
von Jaco Van Dormael
Kinostart: 8.7.2010
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Mr. Nobody |
Es erscheinen immer wieder Filme, die den Zuschauer irritieren, verwirren und aber auch gleichzeitig fesseln. Dieser Spielfilm gehört eindeutig in diese Kategorie! Im Mittelpunkt der Geschichte von Jaco Van Dormael, die er wirklich hauptsächlich selbst (über einen beeindruckend langen Zeitraum von ca. 7 Jahren) geschrieben hat, steht Nemo Nobody.
Der Film erzählt Nemos Lebensgeschichte…oder sollte man besser sagen, Nemos Lebensgeschichten?! Denn gleich zu Beginn des Films muss man sich fragen: Ist dieser Mann nun ein 117-Jähriger Greis, ein kleiner Junge, ein 15 jähriger Jugendlicher oder ein junger 34 jähriger Mann ? Wer ist der wahre Nemo, was ist Traum und was ist Wirklichkeit? Da kann man sich vor lauter Szenen-, und Realitätswechseln sowie Zeitsprüngen wirklich erst einmal gar nicht sicher sein! Im Laufe des Films stellen sich aber die Zusammenhänge heraus und man bekommt einen vagen Durchblick. Die Wahrheit ist nämlich, dass sie alle Nemo sind! Denn in der Tat geht es in diesem Werk erstens um die fragwürdige, menschliche Wahrnehmung der Realität, und zweitens um die Parallelwelten, die durch die verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten im Leben eines Menschen entstehen. Auch Nemo lebt, wegen drei verschiedenen Frauen, unterschiedliche Versionen seines Lebens. Schon als kleiner Junge steht ihm nämlich offen, sich zwischen den drei Mädchen für eine Beziehung zu entscheiden. Doch Nemo ist ein Mensch, der sich gerne alle Optionen offen hält und somit lebt er schließlich die drei parallelen Leben. Dessen wird er sich aber erst wirklich bewusst, als er im Jahre 2092 als uralter Mann wie aus einem Traum aufwacht. Er fühlt sich wie in einem fremden Körper und einer sehr fremden Welt. Zuerst behauptet er noch schockiert, eigentlich 34 Jahre alt zu sein. Doch als er erfährt, dass er der letzte sterbliche Mensch auf Erden sein soll und ihm ein Arzt und ein äußerst interessierter Journalist das Gedächtnis aufzufrischen versuchen, ist Nemo langsam in der Lage, sich den unzähligen Erinnerungen seiner Leben bewusst zu werden.
Mit diesem Film werden existentielle Fragen des Menschen aufgestellt. Warum wache ich in diesem Körper auf und nicht in einem anderen? Was wäre, wenn ich eine andere Entscheidung getroffen hätte? Oder was passiert, falls ich eben keine Entscheidung treffe? Ein philosophischer Film, ein intellektueller Film, oder einfach ein verrückter Film? Das liegt wohl auch größtenteils im Auge des Betrachters, also machen sie sich am besten selbst ein Bild! Tolle Schauspieler, tolle Story und tolle Effekte. Melancholisch, romantisch, lustig, tiegründig und wunderschön. Echt empfehlenswert!
Natascha Stevenson
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von Philipp Leinemann
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Transit |
Der Fernfahrer Martin (Clemens Schick), einsam und introvertiert, steht kurz vor der Kündigung. Bei seiner letzten Chance, sich mit seinem Chef (Bernd Michael Lade) gutzustellen, indem er seine Fracht pünktlich abliefert, trifft er auf die Tschechin Ramona (Annika Blendl). Diese arbeitet auf Rastplätzen als Prostituierte. Nach einer brutalen Auseinandersetzung mit ihrem Zuhälter (Karl Maria ) versucht sie aus ihrer aussichtslosen Situation zu entkommen. Dabei rennt sie panisch über den Rastplatz und kann schlussendlich Martin dazu bringen sie mitzunehmen. Auf ihrer Flucht vor dem Zuhälter entwickelt sich eine leise Liebesgeschichte zwischen den beiden.
Mit dem Roadmovie „Transit“ reichte Philipp Leinemann seinen Abschlussfilm an der hff München ein. Da er selber fünf Jahre lang Lkw-Fahrer war, arbeitet er ein ganz persönliches Thema für sich auf.
Durch dokumentarische Elemente vermittelt er einen Einblick in das Leben der Fernfahrer.
Der Zuschauer hat so die Möglichkeit, die Welt an der er sonst wortwörtlich vorbeifährt, als trostlosen Alltag zu erleben. Obwohl vieles unausgesprochen bleibt, fühlt der Zuschauer mit den Hauptdarstellern mit. Ein Film der von seinen Charakteren lebt.
Jana Kreissl und Alica Lathe
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Bergblut
von Philipp Pamer
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Bergblut |
Mit Bergblut arbeitet Philipp Pamer ein Stück der Geschichte
seiner Heimat Südtirol auf, die wohl so manchem Zuschauer eine Wissenslücke
ist .
Zurückversetzt in das Jahr 1809 erlebt der Zuschauer
die Zeit des Volksaufstands im Südtirolerischen Passeiertal gegen seine
Unterdrücker Frankreich und Bayern. Katharina (Inga Birkenfeld), aus einer wohlhabenden Ärztefamilie
stammend, flüchtet aus Augsburg mit ihrem Ehemann in dessen Heimat Südtirol.
In sehr einfachen und rustikalen Verhältnissen muss sie sich dort in die
Familie intergrieren und beweisen. Aufgrund der politischen Situation hat sie
es als gebürtige Bayerin besonders schwer.
Mit großzügiger Unterstütztung seines Heimatlandes bot
sich Philipp Pamer die Möglichkeit ein für Südtirol wichtiges Stück
Geschichte wiederaufleben zu lassen. Mit seinen 25 Jahren gelingt es Pamer
die Erwartungen an einen Abschlussfilm bei weitem zu übertreffen.
Alica Lathe und Jana Kreissl
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Valhalla Rising
von Nicolas
Winding Refn
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Valhalla Rising |
Es ist nicht ganz nachvollziehbar, warum man für einen Film wie Valhalla Rising einen Schauspieler wie Mads Mikkelsen engagiert. Da hätte man ebenso gut einen Dolph Lundgren oder einen Van Damme nehmen können. Es ist natürlich interessant einen talentierten Schauspieler wie Mikkelsen in so einer primitiven und martialischen Rolle zu sehen, aber gleichzeitig auch irgendwie sinnlos. Nicht nur, dass er den ganzen Film über kein einziges Wort von sich gibt, auch sein Mimenspiel ist so leblos wie der größte Teil des Films.
Einauge, ein stummer, einäugiger Krieger, der scheinbar in die Zukunft blicken kann, wird von einigen Wikingern als Sklave gehalten. Sein Heim ist ein grob gezimmerter Holzkäfig, in dem er, in Ketten gelegt, nur darauf wartet, dass man ihn herauslässt um gegen andere Männer auf Leben und Tod zu kämpfen. Sein Besitzer verdient viel Geld mit ihm, beschließt dennoch ihn bald zu verkaufen. Auf dem Weg zu seinem neuen Besitzer befreit sich Einauge, schlachtet seine Aufpasser ab und nimmt anschließend grausame Rache an seinen Peinigern. Nur einen kleinen Jungen lässt er am Leben, der ihm von da an folgt. Auf ihrem Weg treffen die beiden schließlich auf eine Gruppe Christen, die das heilige Land suchen wollen, und Einauge und sein junger Begleiter schließen sich der Gruppe an. Ihre Reise über das Meer bringt sie allerdings nicht zu ihrem eigentlichen Ziel, sondern in ein fremdes, scheinbar unbewohntes Land. Sie wissen nicht, wo sie gelandet sind, doch der Ort birgt fürchterliche Schrecken in sich, und Einauge sieht den Tod für sie alle voraus.
Auf den ersten Blick könnte man meinen es mit einem neuen brachialen Macho-Epos im Stile von 300 oder auch Gladiator zu tun zu haben, doch dieser Film ist etwas sehr Eigentümliches. Die Geschichte beginnt sehr ruhig und langsam. Lange Landschaftsaufnahmen, schweigende Charaktere und ruhige Musik. Dann wird es einen kurzen Moment lang richtig brutal. Zerschmetterte Knochen, zerfetztes Fleisch und Ströme von Blut. Danach spricht man ein, zwei leise Sätze miteinander, und dann geht es wieder von vorne los. Landschaften, Schweigen, Musik, Gewalt, kurzer Dialog und wieder von vorne. Dieses Konzept wird nach 15 Minuten genauso beibehalten wie nach einer Stunde. Das macht diesen Film vor allem eines, nämlich anstrengend. Die extreme und sehr realistische Gewaltdarstellung dürfte zwar für manch zartbesaiteten Zuschauer ein Problem darstellen, allerdings ist sie wohl auch das Einzige was einen hin und wieder aus dem Halbschlaf reißt. Wer sich auf Valhalla Rising einlässt, braucht also vor allem Geduld, starke Nerven und ein Faible für wirklich eigentümliche Filme. Zu gekünstelt um wirklich authentisch zu wirken und zu eigensinnig inszeniert um den Zuschauer richtig gut zu unterhalten. Ein Film der die Zuschauer spalten dürfte. Philosophisch und hoch künstlerisch für die einen, anstrengend und nervtötend für die anderen.
Mark Zaschka
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Yi
Ngoi [ACCIDENT]
von CHEANG
Pou-soi
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Yi Ngoi |
Ein interessanter Beitrag aus China, der jedem Freund des
Thrillergenres gefallen dürfte. Es passieren tagtäglich viele tödliche Unfälle
auf der ganzen Welt, doch sind das alles wirklich nur Unfälle? Oder wurde
der ein oder andere Tod vielleicht auch arrangiert? Diese Frage inspirierte
die Macher von Accident zu diesem kleinen, aber feinen Thriller. Eine
intelligente Geschichte rund um Mord, Verrat und Paranoia. Nichts völlig
Neues, aber doch etwas, das man nicht jeden Tag zu sehen bekommt.
Ho Kwok-fai (Das ’Hirn’) ist der Anführer einer Gruppe
von raffinierten Auftragsmördern, die ihre Opfer auf so geschickte Art und
Weise beseitigt, dass der Tod wie eine reine Verkettung von unglücklichen
Zufällen aussieht. Also eben wie ein Unfall. Die Gruppe geht geschickt und
sehr präzise zu Werk. Wenn auch nur eine Kleinigkeit im Vorfeld nicht
stimmt, wird die Aktion sofort abgeblasen. Keine Beweise und nicht einmal der
Hauch eines Verdachts, dass etwas anderes als ein Unfall vorliegen könnte, dürfen
zurückbleiben.
Das Geschäft läuft gut, doch eines Nachts geschieht etwas Unerwartetes.
Nach einem erfolgreich vollendeten Auftrag passiert ein Unfall mit einem außer
Kontrolle geratenem Bus, bei dem ein Mitglied der Gruppe tödlich verwundet
wird. Ho Kwok-fai ist mehr als misstrauisch, er glaubt nicht im Traum an
einen Unfall. Als dann auch noch in seine Wohnung eingebrochen und das viele
Geld aus seinem Safe gestohlen wird, wittert er Verrat.
Er traut weder seinem letzten Auftraggeber, noch den restlichen Mitgliedern
der Gruppe über den Weg. Irgendwer hat ihn verraten, oder ist ihm auf die
Spur gekommen. Oder ist er letztendlich nur paranoid?
Ein spannendes und unterhaltsames Filmchen aus dem Land der
aufgehenden Sonne. Eine gute Story mit interessanten Wendungen und einigen,
cleveren Ideen. Auch Schauspieler, Effekte, Musik und Atmosphäre sind
wirklich gelungen.
Dennoch ist und bleibt der Film nur ein kleiner Geheimtipp für Genrefans.
Denn trotz einer guten Geschichte und cleverer Einfällen, fehlt ihm einfach
der zündende Funke, der ihn zu einem echten Hit machen würde. Unterhaltsam,
sehenswert, spannend, aber irgendwie nichts Außergewöhnliches.
Mark Zaschka
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