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...Der österreichische Regisseur erzählt uns, was es mit dem Phänomen der "Lichtnahrung" auf sich hat und wie man einen Film darüber macht...

Filmkritik "Am Anfang war das Licht"

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P.A. Straubinger

Zur Person

P.A. Straubinger im Interview

Offizielle Webseite zum Film

Zur Filmkritik zu "Am Anfang war das Licht"

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Was war Ihre Motivation, sich an ein Filmprojekt mit so einem ungewöhnlichen und teilweise verpönten Thema heranzuwagen?

Meine Hauptmotivation war es eigentlich, Menschen zu bewegen. Vor allem Menschen zum Denken anzuregen, speziell die Skeptiker. Wahrscheinlich sind die esoterisch, spirituell bewegten Menschen leicht in den Film zu kriegen. Meine Ambition ist, wirklich Leute zu bewegen, die so etwas für völligen Blödsinn halten.               

 

Gab es besondere Gründe oder Überzeugungen der anderen Mitwirkenden (z.B. Filmteam), an diesem Film mitzuwirken? Neugierde? Idealistische Gründe?

Es gibt dazu zwei Ebenen. Einerseits den Film machen, um Menschen zu bewegen. Aber für mich selbst war ein persönliches Interesse ausschlaggebend, um den Film zu machen.

Ich habe gut fünf Jahre gebraucht, um überhaupt den Entschluss zu fassen, einen Film zu machen. Ich habe mich vorher einfach aus reinem Interesse mit dem Thema beschäftigt, habe im Internet über News-Groups usw. recherchiert.

Nachdem ich die Filmakademie in Wien besucht habe – ich bin gelernter Filmemacher und arbeite für den Österreichischen Rundfunk - war es für mich dann naheliegend zu denken: Mach doch einen Film darüber, dann kannst du jetzt wirklich vor Ort recherchieren, weil… im Internet kommt man sehr schnell an Grenzen!

Im Internet steht dies und das und man weiß nicht, was stimmt. Im Internet findet man alles, was man hören und sehen will. Aber das Interessante ist sozusagen „die Wahrheit“. Um der näher zu kommen, muss man halt wirklich hinfahren, muss wirklich zu den Leuten fahren und vor Ort recherchieren - schauen, was sie wirklich gemacht haben, wie der Mensch wirklich wirkt. Das funktioniert bei so einem Projekt entweder nur, wenn man Wissenschaftler ist und Sponsorgelder aus der Wissenschaft bekommt oder eben, wie in meinem Fall, wenn man einen Film macht. Das war das Privileg, mit dem es funktionieren konnte.

Wir haben am Anfang eine sehr lange Stoffentwicklung gemacht. Am Anfang habe ich ja komplett allein zu Drehen angefangen. Als ich an der Filmakademie anfing, haben wir auf 16 mm gedreht. Damals hat die 10 Minuten Rolle 5000 Schilling gekostet (etwa 400 €) und bei 200 Stunden Material hätte das allein schon irgendwie mein Vermögen gesprengt. Heutzutage kauft man sich für 10.000€ ein Equipment und kann damit ins Kino gehen. Das fand ich fantastisch!

Mich motivierte auch sehr Erwin Wagenhofer, der „We Feed the World“ und „Let’s Make Money“ gemacht hat und der damals noch auf Mini-DV drehte. Und 2005, als ich anfing, kamen die ersten HDV-Kameras raus. Da habe ich mir die Sony FX-1 gekauft und einfach mal drauf los gefilmt. Das Material habe ich dann dem Helmut Grasser, dem Produzenten von „We Feed the World“ und „Let’s Make Money“ vorgeschlagen, weil mir sehr gut gefallen hat, was er mit den beiden Filmen gemacht hat - auch, wie er sie vermarktet hat und so. Er fand das auch interessant und investierte dann in meine Stoffentwicklung. Da hatten wir 18.000€ Stoffentwicklung, die einfach nur für Reisen draufgegangen sind (für Flüge, Hotelzimmer, Taxis usw.). Also ich habe keine Gage gekriegt und benutzte mein eigenes Equipment.

Ich habe das dann einfach ausgenutzt, mir meinen ganzen Urlaub genommen, den ich bei meinem Angestelltenjob ORF habe, und selbst Kamera und Ton gemacht. Da kriegt man auch Sachen, die sonst niemand kriegen würde. Wenn du allein mit der Kamera irgendwo auftauchst, dann bist du derartig flexibel! Oft, wenn ich zu so einem Yogi kam, haben sie am Anfang gesagt: „Nein, bitte nicht filmen!“. Aber dann redest du mit ihm und nach einer Zeit sagt er: „It’s ok, you can film me!“. Durch diese Art des Filmemachens kriegst du eben Dinge, die du schon nicht kriegst, wenn du nur zu dritt auftauchst….das nur, weil du danach fragtest, wie ich mein Filmteam motivierte?! Ich hatte keins, ich war das Filmteam! (lacht)

(War dieses Recherchematerial in seiner technischen und inhaltlichen Qualität gut genug, um es so im Kino zu zeigen?)

2007 habe ich schon 80 Stunden Filmmaterial in HDV von der Stoffentwicklung gehabt, und das ist auch gut ein Drittel von dem, was man im Film sieht. Dann habe ich mit einer Kamerafrau und einer besseren Kamera 2008 den Hauptdreh gemacht. Da haben wir dann teilweise noch Dinge nachgedreht, denn natürlich habe ich die Ambition gehabt, dass es für das Kino perfekt wird.

Ich hatte einen sehr guten Cutter, Michael Hudecek - der den europäischen Filmpreis für „Caché“ gewonnen hat -  der mir dann auch den Mut gab und sagte: „Nehmen wir das Material aus der Stoffentwicklung!“. Das hatte soviel mehr Energie als das, wo wir mit einem Team ein zweites Mal zu unseren Interviewpartnern gegangen sind. Aus irgendeinem Grund war das langweiliger.

Ich merke zwar, welche Kamera gefilmt hat, aber ich bin mir nicht sicher, ob das sonst irgendwer mitkriegt…diese technischen Dinge sind einfach nicht so wichtig gewesen.

Die Stoffentwicklung von mir selbst war extrem wichtig; einmal für die Dinge im Film und dann auch für die Finanzierung. Wir hatten damals nämlich für die Filmförderung einen Demofilm geschnitten. Es war ja sehr schwer gewesen, das in den ganzen Kommissionen durchzukriegen, da so ein Thema natürlich eine ziemlich heiße Sache ist. Aber durch diesen Demofilm haben sie dann schon gesehen, dass das nicht nur esoterischer Humbug ist, sondern dass da schon etwas dahinter ist.

 

Haben Sie gezielt bestimmte Mittel eingesetzt, um den Film mit all seinen enthaltenen Informationen glaubwürdig wirken zu lassen, damit er eben nicht als eine Esoterik-Spinnerei abgestempelt wird?

Ja, ganz wichtig ist mir, dass man die Skepsis ernst nimmt. Das war auch bei mir so. Die Skepsis ist in dem Thema eingebaut und diese zu vergessen wäre hirnrissig, denn natürlich muss man daran zweifeln, ob dies wahr ist oder nicht. Ein Dokumentarfilm muss da auch schon ein bisschen einen wissenschaftlichen Ansatz haben und muss sich immer zwischen den zwei Polen „Skepsis“ und „Neugier“ bewegen. Auf der einen Seite Neugier, die aber nicht in Naivität abdriften darf, sodass man alles glaubt, was man erzählt bekommt, und auf der anderen Seite die Skepsis, die aber nicht so weit gehen darf, dass ich sozusagen mit meinen vorgefertigten Glaubensätzen und Ideen rangehe und mir nur das raussuche, was in mein Erklärungsmodell reinpasst.

 

Gab es denn Momente, in denen Sie an der Glaubwürdigkeit der ganzen Geschichten gezweifelt haben?

Natürlich gibt es auch Momente, wo man zweifelt. Wenn jetzt aber die Frage ist, ob ich glaube, dass ein authentisches Phänomen dahinter steht oder nicht, sage ich: „Ja, ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es ein authentisches Phänomen gibt und bin auch felsenfest davon überzeugt, dass es viel Betrug und Selbstbetrug gibt“. Aber das gibt es überall. Die Existenz von Falschgeld beweist nicht, dass es kein Geld gibt - im Gegenteil! Nur, weil es irgendwo Betrüger gibt, heißt das nicht, dass es nicht auch das echte Ding gibt. Ich glaube aber, gerade in der Lichtnahrungssache ist der Selbstbetrug eher vorherrschend.

 

Soweit ich weiß, waren Sie früher Agnostiker. Hat sie die Arbeit an diesem Film zu einem persönlichen Umdenken bewegt?

Ja, …Agnostiker mit einem geschlossenen, materialistischen Weltbild…und außer bioelektrischen Vorgängen im Hirn gibt es nicht viel. Ja, aber davon bin ich vorerst geheilt! (lacht)

 

Wie schwer war es, an die teils unveröffentlichten Untersuchungsergebnisse heranzukommen? Gab es dazu auch während der Dreharbeiten besondere Herausforderungen, vielleicht insbesonders in Indien oder China?

Sehr schwer war es in China! Das kommt im Film zwar nicht mehr vor, aber das chinesische Militär hat umfangreiche Untersuchungen an Qi-Gong-Meistern gemacht - eben auch das BiGu-Phänomen betreffend - und da war es schwer an das Material heran zu kommen. Da habe ich auch kein Datenmaterial, bin dafür aber an Wissenschaftler herangekommen, die in die Forschungen involviert waren. Das ist leider gar nicht mehr im Film zu sehen, obwohl es für die Beweisführung, für die Skeptiker sinnvoll wäre. Denn diese stürzen sich jetzt natürlich alle auf Indien und sagen: „Das ist nur dieser eine Fall und dieser eine Fall ist gelogen!“.

Es ist natürlich nicht nur dieser eine Fall. Es gibt viele Untersuchungen. Aber rein vom Filmschnitt wäre es zu langweilig, wenn man das Gleiche dann wieder durchexerziert, wieder die gleiche Geschichte, wieder eingesperrt, wieder Überwachung, wieder haben sich die medizinischen Parameter nicht geändert usw. Davon haben wir uns also leider, wie von vielen anderen Dingen, verabschieden müssen.

Was ist für Sie das wichtigste Gestaltungsmittel im Dokumentarfilm bzw. worauf legen  Sie besonderen Wert?

Gestalterisch ist mir im Unterschied zu vielen anderen Filmemachern die Filmmusik sehr wichtig! Die ist bei vielen Dokumentarfilmern extrem verpönt. Ich halte sie für extrem wichtig, weil ich auch finde, dass ein Dokumentarfilm mich auf der emotionalen Ebene packen können muss und Filmmusik erleichtert das enorm.

Ich setze sie sehr gerne ein, um zum Beispiel Ortswechsel zu machen, um den Zuschauer sofort in eine Stimmung zu bringen. Ich finde, es gibt Geruch, der das kann, und es gibt Musik, die das auch kann. Es ist auch in der österreichischen Filmschule sehr beliebt, darauf zu verzichten…Ich versteh es nicht, aber es soll jeder machen, wie er will! (lacht)

 

Was gab es bei den Soundeffekten zu „Am Anfang war das Licht“ zu beachten und wie haben Sie Musik eingesetzt?

Ich habe sie intuitiv eingesetzt! Ich liebe es, schon beim Schnitt mit der Musik zu arbeiten, und deshalb habe ich mir auch nichts komponieren lassen.

Beim Fernsehen tut man sich leicht, denn da kann man natürlich die ganze Musikwelt verwenden, weil die Rechte alle geklärt sind. Beim Kinofilm ist das ein bisschen schwieriger. Deshalb habe ich dann mit Productionmusic gearbeitet, was aber auch einfach viel mehr Zeit braucht. Da muss man sich durch wahnsinnig viel Müll wühlen und wirklich tausende Files durchhören, bis man dann zu den guten Sachen kommt.

Aber der Vorteil ist, dass ich die ganzen Stimmungen ja schon in mir gehabt habe, den ganzen Dreh habe ich ja schon hinter mir gehabt. Wenn ich mir dann die Musik durchgehört habe, habe ich gewusst: Das ist jetzt das Richtige! Das habe ich dann herausnehmen und dazu schneiden können. Ich habe das sehr genossen!

Ich will mich jetzt nicht mit Quentin Tarantino vergleichen, aber der macht das zum Beispiel auch so. Bevor er das Drehen anfängt, hört er sich seine Musiksammlung durch, weil – was meiner Überzeugung auch entspricht – die Musik den Ton des Filmes vorgibt, und das ist so viel wert!

 

Wenn sich dieser Film schon um das Thema Licht dreht, haben Sie dann vielleicht bei der Lichtsetzung zum Film besondere Akzente gesetzt?

Ich war ja während der Stoffentwicklung selbst Kameramann. Und wenn man selbst Kamera, Ton und Regie macht, dann entsteht das mit dem Licht während des Drehs mehr oder weniger zufällig. Man kann das alles erst im Nachhinein machen.

Der Nachteil dieser Art zu drehen ist, dass man einfach Kompromisse eingehen muss, denn in erster Linie muss man ja die Energie am Set aufrecht erhalten. Du bist allein dort und als erstes musst du es schaffen, die Stimmung am Set richtig hinzubringen. Das ist die wichtigste Aufgabe als Regisseur! In zweiter Linie muss man dann schauen, dass man das Ganze halbwegs auf Ton und Bild verewigen kann, und da muss man Kompromisse eingehen, das ist klar. Darum wollten wir dann natürlich alles noch einmal drehen.

Aber wie schon vorhin gesagt, schlussendlich war die Energie die rüberkommt, die unabhängig ist von technischen Parametern – ob zum Beispiel gut belichtet ist, oder nicht –  immer am entscheidensten. Gewisse Sachen entstehen auch einfach zufällig gut. Ich bin zwar normalerweise jemand, der alles gerne

extrem gut plant und sehr perfektionistisch arbeitet, aber oft entstehen zufällig die besten Sachen!

 

Haben Sie Ratschläge für junge Dokumentarfilmer, die sich ebenfalls solchen teilweise kritisch betrachteten Themen widmen wollen?

Der einzige Ratschlag ist, dass man für das Thema begeistert ist. Das ist der einzig wichtige Ratschlag! Man wird nicht reich dabei, verdient extrem wenig. Also wegen dem Geld braucht man es nicht machen. Ich muss gestehen, dass ich vom Filmemachen eigentlich weg bin.

Ich habe beim Österreichischen Rundfunk gearbeitet, weil ich auch nicht wirklich ein Thema gehabt habe, für das ich bereit gewesen wäre, mich selbst soweit auszubeuten, dass ich es umsetzte. Dann ist mir eben dieses Thema untergekommen, und das war dann das Richtige!

 

Können Sie sich vorstellen, noch einen neuen Film mit ähnlichem Thema zu verwirklichen?

Es wird noch sehr viel dazu geben, ja. Also allein schon von dem jetzt gedrehten Material wird noch ein zweiter Film rausgehen. Im Zuge der Recherche stößt man auf so viele Dinge, die wir dann auch gedreht haben. Schlussendlich aber haben wir wieder alles herausnehmen müssen, weil wir uns dann einfach auf den roten Faden und die Dramaturgie konzentrieren mussten.

 

Das heißt, man darf sich auf ein weiteres Werk freuen?

So weit würde ich noch nicht gehen - aber vielleicht, mal sehen! (lacht)

 

 

 

Interview geführt von Natascha Stevenson

 

 

 

 
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