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Florian David Fitz
Wie
sah die allgemeine Recherchearbeit aus, nachdem du wusstest, was du machen
willst? Also, es gab die Grundzüge
der Geschichte. Denn ich wollte ja, dass es ein Roadmovie ist - gut, das ist
auch wieder so eine Anfängersache - aber ich finde Roadmovies echt
wunderbar! Es ist eine Reise und außerdem liebe ich es im Kino, weil ich
dann wirklich mit denen im Auto sitze. Dann habe ich das meiner Cousine erzählt,
der Arielle Bogenberger, die Autorin ist und "Marias letzte Reise“
geschrieben hat, und die hat gesagt: Geh zur Drehbuchwerkstatt, bewirb dich
dort! Und das habe ich gemacht, wurde genommen und habe dann in dem Jahr dort
diesen Stoff entwickelt. Das war natürlich super, weil es eben nicht so ist,
dass du Zuhause sitzt und sagst - Oh, was schreibe ich jetzt?! - , stattdessen
hast du klare Deadlines und einen Patron - also einen, der auf dich aufpasst
- . Das war in meinem Fall Martina Ricklefs vom BR, die super ist. Du hast
Kollegen, denen du die Bälle zuwerfen kannst. Es war super, weil es sechsmal
im Jahr stattfindet, statt in einem durchgehenden Jahr – also sechs mal
eine Woche – und das konnte ich mit dem Drehen gut vereinbaren. Für mich
war es das Beste, was passieren konnte. Und am Ende hast du dann mehr oder
weniger ein fertiges Buch, je nach dem wie weit du kommst. Dann gibt es einen
Empfang von der Drehbuchwerkstatt auf dem Münchener Filmfest und der ist
sehr, sehr gut besucht... da waren letztes mal glaube ich 400 Produzenten da,
weil die einfach wissen, dass da immer wieder Perlen dabei sind…, dass da
immer wieder schon relativ weit gediegene Bücher drinnen stecken. Gibt
es dort ein Pitching? Ja und das ist der Albtraum!
Da schlottern dir die Knie, wenn du deinen Stoff dann einfach so in drei Sätzen
sagen sollst und da dann die 400 Produzenten sind und du dich fragst, wie du
nur all das rüber bringst, was du erzählen willst. Das ist dann schon
unheimlich! Wie
hast du dich als Schauspieler auf deine Rolle vorbereitet? Also theoretisch hat die
Vorbereitung auf die Figur schon
mit der Drehbucharbeit stattgefunden, da musste ich echt nicht mehr viel
machen. Es ging dann eher um die Körperlichkeit mit den Ticks. Da hatte ich
wahnsinnig Schiss vor und hatte dann auch wirklich schon einen Moment, wo ich
gesagt habe: Du, ich muss es lassen, ich weiß nicht, ob das funktioniert.
Dann habe ich erst versucht, mir irgendwo so ein Sträußchen von Ticks
abzugucken und zu sagen: Ah, den Tick finde ich cool, den nehme ich und dann
nehme ich den von dem…
Du
hast dich ja als Schauspieler und Autor mit dem Buch "Vincent will Meer“
auseinandergesetzt. War das ein
Problem? Inwieweit hat dich dies später beim Schauspielen beeinflusst? Besser vorbereitet war ich
noch nie! (lacht) Und
in Bezug auf die anderen Leute am Set? Ja, also das ist prekär.
Ich glaube, dass sich jeder darüber im klaren ist, dass dies eine ungewöhnliche
Kombination ist. Normalerweise schreibst du ja das Buch und führst Regie,
dann ist das natürlich mehr aus einem Guss. Ich fand es sogar ein bisschen
prekär für uns alle, weil jeder schon vorher immer gesagt hat: Oh, das wird
schwer, du wirst nicht loslassen können! Ja, das mag so sein und es stimmt
bestimmt auch…aber dadurch, dass mir das dauernd gesagt wurde, war das so
wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Deshalb habe ich da irgendwie schon
die ganze Zeit gedacht: Na, wenn ich dieses kritisiere oder jenes sage, dann
wird mir das ständig als “nicht loslassen können“ ausgelegt. In der
normalen Schauspielarbeit finde ich es auch ganz logisch, wenn du dann mal
sagst: Mh, versteh ich nicht!
Oder wenn du mal fragst: Ist es das, was wir erzählen wollen? Könnten wir
es ein bisschen lustiger machen oder wollen wir es vielleicht gar nicht
lustig machen? …dass du einfach Fragen stellst! Insofern stand ich mir
selbst ein bisschen im Weg. Das fand ich eher anstrengend, aber Ralf hat das
glaube ich alles sehr gelassen genommen und hat mir aber eben auch gezeigt:
Du…das Buch - die letzte Fassung - ist halt dann meins! Und das ist natürlich
total hart. Wie
ist das mit dem Zusammenspiel der Kamera in Bezug auf dein Spiel - rückversicherst
du dich, wie das Bild hinterher geworden ist? Oder macht das nur die Regie
und hast du da gar keinen Einfluss? Also das ist sehr
unterschiedlich von Regie zu Regie! Es gibt welche, die das überhaupt nicht
wollen und ebenso Schauspieler, die sich selber überhaupt nicht sehen können.
Schauspieler sollen normalerweise ja auch keine Muster gucken, weil man sich
dann vor dem geistigen Auge ständig sieht. Mir tut es ehrlich gesagt als
Feedback immer ganz gut, ab und an. Also, ich möchte nicht dauernd dort
sitzen, aber nach bestimmten Takes sage ich dann: Kann ich mal reingucken?
Und Ralf hat dann auch immer gesagt: Ja kommt, guck! Es ging natürlich auch
um die Ticks, ob die funktionieren und so weiter. Was
ist die Botschaft, die der Zuschauer aus diesem Film mitnehmen sollte? Um Gottes Willen! Wenn
jemand so in einen Film reingeht und dann sagt: Ich möchte, dass du mit
einer Botschaft rausgehst! …dann habe ich schon ein Problem. Ich glaube, es
geht eher darum mit welchem Gefühl du rausgehst. Das ist - so wie ich
das mitkriege - eine gute Energie mit der man aus diesem Film rausgeht. Klar
beobachten wir Vincent dabei, wie er lernt erwachsen zu werden und wichtige
Entscheidungen für sich selber zu treffen. Aber ich möchte jetzt nicht,
dass man rausgeht und sagt: Die Moral von der Geschichte ist...! Dann wäre
es kein Film mehr, dann wäre es ein Lehrstück! Was
macht deiner Meinung nach einen guten Schauspieler aus?
Interview geführt von Fredericke Loll
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