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...Interview mit Florian David Fitz, dem Protagonisten und Drehbuchautor der Tragikkomödie „Vincent will Meer“ von 2010

Filmkritik "Vincent will Meer"

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Florian David Fitz

 

Zur Person

Folrian David Fitz im Interview

Offizielle Webseite zum Film

Zur Filmkritik über "Vincent will Meer"

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Wie sah die allgemeine Recherchearbeit aus, nachdem du wusstest, was du machen willst?

Also, es gab die Grundzüge der Geschichte. Denn ich wollte ja, dass es ein Roadmovie ist - gut, das ist auch wieder so eine Anfängersache - aber ich finde Roadmovies echt wunderbar! Es ist eine Reise und außerdem liebe ich es im Kino, weil ich dann wirklich mit denen im Auto sitze. Dann habe ich das meiner Cousine erzählt, der Arielle Bogenberger, die Autorin ist und "Marias letzte Reise“ geschrieben hat, und die hat gesagt: Geh zur Drehbuchwerkstatt, bewirb dich dort! Und das habe ich gemacht, wurde genommen und habe dann in dem Jahr dort diesen Stoff entwickelt. Das war natürlich super, weil es eben nicht so ist, dass du Zuhause sitzt und sagst - Oh, was schreibe ich jetzt?! - , stattdessen hast du klare Deadlines und einen Patron - also einen, der auf dich aufpasst - . Das war in meinem Fall Martina Ricklefs vom BR, die super ist. Du hast Kollegen, denen du die Bälle zuwerfen kannst. Es war super, weil es sechsmal im Jahr stattfindet, statt in einem durchgehenden Jahr – also sechs mal eine Woche – und das konnte ich mit dem Drehen gut vereinbaren. Für mich war es das Beste, was passieren konnte. Und am Ende hast du dann mehr oder weniger ein fertiges Buch, je nach dem wie weit du kommst. Dann gibt es einen Empfang von der Drehbuchwerkstatt auf dem Münchener Filmfest und der ist sehr, sehr gut besucht... da waren letztes mal glaube ich 400 Produzenten da, weil die einfach wissen, dass da immer wieder Perlen dabei sind…, dass da immer wieder schon relativ weit gediegene Bücher drinnen stecken.

Gibt es dort ein Pitching?

Ja und das ist der Albtraum! Da schlottern dir die Knie, wenn du deinen Stoff dann einfach so in drei Sätzen sagen sollst und da dann die 400 Produzenten sind und du dich fragst, wie du nur all das rüber bringst, was du erzählen willst. Das ist dann schon unheimlich!

Wie hast du dich als Schauspieler auf deine Rolle vorbereitet?

Also theoretisch hat die Vorbereitung auf die Figur schon mit der Drehbucharbeit stattgefunden, da musste ich echt nicht mehr viel machen. Es ging dann eher um die Körperlichkeit mit den Ticks. Da hatte ich wahnsinnig Schiss vor und hatte dann auch wirklich schon einen Moment, wo ich gesagt habe: Du, ich muss es lassen, ich weiß nicht, ob das funktioniert. Dann habe ich erst versucht, mir irgendwo so ein Sträußchen von Ticks abzugucken und zu sagen: Ah, den Tick finde ich cool, den nehme ich und dann nehme ich den von dem…

Du hast dich ja als Schauspieler und Autor mit dem Buch "Vincent will Meer“ auseinandergesetzt.  War das ein Problem? Inwieweit hat dich dies später beim Schauspielen beeinflusst?

Besser vorbereitet war ich noch nie! (lacht)

Und in Bezug auf die anderen Leute am Set?

Ja, also das ist prekär. Ich glaube, dass sich jeder darüber im klaren ist, dass dies eine ungewöhnliche Kombination ist. Normalerweise schreibst du ja das Buch und führst Regie, dann ist das natürlich mehr aus einem Guss. Ich fand es sogar ein bisschen prekär für uns alle, weil jeder schon vorher immer gesagt hat: Oh, das wird schwer, du wirst nicht loslassen können! Ja, das mag so sein und es stimmt bestimmt auch…aber dadurch, dass mir das dauernd gesagt wurde, war das so wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Deshalb habe ich da irgendwie schon die ganze Zeit gedacht: Na, wenn ich dieses kritisiere oder jenes sage, dann wird mir das ständig als “nicht loslassen können“ ausgelegt. In der normalen Schauspielarbeit finde ich es auch ganz logisch, wenn du dann mal sagst: Mh, versteh ich nicht! Oder wenn du mal fragst: Ist es das, was wir erzählen wollen? Könnten wir es ein bisschen lustiger machen oder wollen wir es vielleicht gar nicht lustig machen? …dass du einfach Fragen stellst! Insofern stand ich mir selbst ein bisschen im Weg. Das fand ich eher anstrengend, aber Ralf hat das glaube ich alles sehr gelassen genommen und hat mir aber eben auch gezeigt: Du…das Buch - die letzte Fassung - ist halt dann meins! Und das ist natürlich total hart.

Wie ist das mit dem Zusammenspiel der Kamera in Bezug auf dein Spiel - rückversicherst du dich, wie das Bild hinterher geworden ist? Oder macht das nur die Regie und hast du da gar keinen Einfluss?

Also das ist sehr unterschiedlich von Regie zu Regie! Es gibt welche, die das überhaupt nicht wollen und ebenso Schauspieler, die sich selber überhaupt nicht sehen können. Schauspieler sollen normalerweise ja auch keine Muster gucken, weil man sich dann vor dem geistigen Auge ständig sieht. Mir tut es ehrlich gesagt als Feedback immer ganz gut, ab und an. Also, ich möchte nicht dauernd dort sitzen, aber nach bestimmten Takes sage ich dann: Kann ich mal reingucken? Und Ralf hat dann auch immer gesagt: Ja kommt, guck! Es ging natürlich auch um die Ticks, ob die funktionieren und so weiter.

Was ist die Botschaft, die der Zuschauer aus diesem Film mitnehmen sollte?

Um Gottes Willen! Wenn jemand so in einen Film reingeht und dann sagt: Ich möchte, dass du mit einer Botschaft rausgehst! …dann habe ich schon ein Problem. Ich glaube, es geht eher darum mit welchem Gefühl du rausgehst. Das ist - so wie ich das mitkriege - eine gute Energie mit der man aus diesem Film rausgeht. Klar beobachten wir Vincent dabei, wie er lernt erwachsen zu werden und wichtige Entscheidungen für sich selber zu treffen. Aber ich möchte jetzt nicht, dass man rausgeht und sagt: Die Moral von der Geschichte ist...! Dann wäre es kein Film mehr, dann wäre es ein Lehrstück!

Was macht deiner Meinung nach einen guten Schauspieler aus?

Hm oh Gott, hast du Zeit?! (lacht)... Ich hatte eine ganz tolle Lehrerin in Deutschland und viele von ihren Sinnsprüchen kann ich genau eins zu eins weiter geben. Sie hat mir beigebracht neugierig zu bleiben. Ich glaube, Schauspieler ist ein Beruf - wie viele andere in dieser Richtung, wozu Filmemacher bestimmt auch gehören– bei dem, sobald du es zu gut kannst, zu gut weißt und dich darauf ausruhst, verbeamtet wirst. Dann hast du echt irgendwann ein Problem. Also glaube ich geht es darum, sich immer eine Neugier zu bewahren und weiter zu gucken.  Und zweitens – so rein schauspielerisch – war ich am Anfang immer so, dass ich mir sagte: Jetzt spiel ich den ganz anders als ich bin und setzte mir eine körperliche Maske auf! Das ist ja auch das, was man als erstes bewundert und wo man sagt: Boah, der ist ja ganz anders als er in Wirklichkeit ist! Da hat meine Schauspiellehrerin immer gesagt: Du, es ist schwer genug erstmal zu dir selber zu finden und es ist schwer genug das erstmal mit deinem Blut zu spielen... und allein, dass du eine Figur spielst, die unter anderen Umständen lebt als du, wird sich das sowieso verändern! Genau das finde ich spannend. Ich finde es auch spannend Leute zu sehen, die – nicht privat – etwas Persönliches mit reinbringen und wenn ich sehen kann, was mit denen los ist. Wenn man es dann auch noch schafft, sich eine Körperlichkeit anzutrainieren, die nicht die eigene ist…! Also wie zum Beispiel Sean Penn in „Milk“, bei dem die Figur ein totaler Stereotyp hätte sein können…und der Typ ist ein Stereotyp! Aber du guckst ihm in die Augen und siehst seine Leidenschaft und somit auch den Menschen dahinter... das ist es, was es spannend macht! Alles andere ist so ein bisschen austauschbar. Das sind die Sachen, die mich wirklich interessieren.

 

 

Interview geführt von Fredericke Loll

 

 

 
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